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Ex-Koch und Trödel-König: „Ich bin nicht eitel genug“

Ex-Koch und Trödel-König : „Ich bin nicht eitel genug“

Als Fernsehkoch wurde er bekannt, doch seit Jahren ist Horst Lichter der Trödel-König des ZDF: Seine Show „Bares für Rares“, in der Leute ihre geerbten Antiquitäten oder vergilbten Krimskrams meistbietend verkaufen wollen, ist ein echter Zuschauerliebling. Im Interview spricht er über seinen Schnurrbart, das Kochen und Trödel-Errungenschaften.

Jetzt präsentiert der 58-Jährige eine neue Abendausgabe der Sendung, die sonst nachmittags läuft. In „Bares für Rares – Deutschlands größte Trödel-Show“ begrüßt Lichter am Mittwoch um 20.15 Uhr im ZDF prominente und nicht-prominente Verkäufer auf Schloss Drachenburg in Königswinter. Cornelia Wystrichowski hat mit ihm gesprochen.

Herr Lichter, wegen Corona gilt bei vielen Gelegenheiten die Maskenpflicht. Ist das ein Problem für Sie als Träger eines stattlichen Schnurrbarts, der ja Ihr Markenzeichen ist?

Horst Lichter: Nein, natürlich nicht. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Mein Schnurrbart ist nur getrimmt, wenn ich vor der Kamera stehe oder bei öffentlichen Anlässen unterwegs bin. In meiner Freizeit trage ich das Haar offen. Deswegen kann ich auch wunderbar eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Außerdem bin ich nicht eitel genug, dass mir das als Problem erscheinen würde.

Die neue Abend-Ausgabe von „Bares für Rares“ wurde im Juni wegen der Pandemie ohne Live-Publikum aufgezeichnet. Was bedeutet das für Sie?

Lichter: Selbstverständlich fehlt mir das Publikum. Denn die Stimmung, die wir da haben, wenn tausende von Menschen dabei sind – die kann man nicht ersetzen: Wenn die Menschen mitfiebern, wenn sie mit mir gemeinsam lachen. Wenn ich vorher, bevor die Expertise losgeht, eine Art Warm-up mache, mit den Menschen Blödsinn mache – das fehlt mir, gar keine Frage. Wir hatten auch sehr viel Arbeit. Es war alles etwas anstrengender für alle, weil jedes Störgeräusch unterbrochen werden musste, was man vorher durch die Menschen nicht gehört hat. Nichtsdestotrotz hatten wir mit dem Team sehr viel Freude.

Als teuerstes Objekt seit dem Start von „Bares für Rares“ wechselte in der Sendung ein diamantbesetztes Kreuz für 42.000 Euro den Besitzer. Sind Sie bei solchen Kostbarkeiten nervös?

Lichter: Ich blende so eine Summe aus, für mich sind die Faszination für den Gegenstand und die Emotionen der Verkäufer wichtig. Wie sind die Menschen? Wie viele Emotionen stehen dahinter? Da ist der Wert des Gegenstandes wirklich zweitrangig.

Haben Sie selber schon mal spontan zugeschlagen, weil das Objekt eines Verkäufers Ihnen so gut gefallen hat?

Lichter: Ich habe selbstverständlich von den Händlern schon einmal im Nachgang etwas gekauft. Das ist aber auch schon länger her. Da muss ich dann natürlich mit den Händlern verhandeln, weil sie eben Händler sind. Die wollen und müssen Geld verdienen. Es ist insgesamt aber relativ selten, dass ich etwas kaufe.

Welchen Fehler dürfen die Verkäufer auf keinen Fall machen, wenn sie mit den Händlern feilschen?

Lichter: Sich schon zu früh freuen, wenn sie bei dem Ergebnis angekommen sind, das sie gern hätten. Man muss ein bisschen pokern. Und man sollte auf jeden Fall extrem höflich sein, Arroganz, da reagieren die Händler immer ganz komisch darauf. Und wenn jemand unverschämt wird, reagieren die Händler auch ganz komisch. Denn sie wissen schon, welcher Gegenstand was wert ist.

„Bares für Rares“ läuft seit 2013 und ist nach wie vor ein großer Erfolg. Wieso ist die Sendung so beliebt beim Publikum?

Lichter: Weil die Sendung einfach ehrlich ist, auch wenn immer mal wieder Stimmen laut werden von Neidern oder missgünstigen Menschen – oder Menschen, die das gar nicht kennen.

Es standen schon mal Fake-Vorwürfe im Raum …

Lichter: Natürlich wird schon vorher ausgewählt, wer zur Expertise kommt, aber nicht nach Schönheit, Alter oder Wert des Gegenstandes, sondern um eine schöne Mischung für jede Sendung zu haben. Sonst könnte es zum Beispiel passieren, dass es vier Kaffeekannen innerhalb einer Sendung gäbe. Die Händler werden niemals im Vorfeld wissen, was kommt. Die Experten bekommen im Vorfeld maximal ein Foto von dem Verkäufer und eine Beschreibung von dem Gegenstand, um zu recherchieren. So können sie vielleicht den Maler oder ähnliche Daten und Fakten schon einmal für sich heraussuchen. Das Originalteil bekommen sie maximal eine Stunde vorher zur Vorbesichtigung zu sehen.

Neulich lief schon die 1000. Folge der Nachmittags-Ausgaben von „Bares für Rares“. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie lange Sie die Show noch machen wollen?

Lichter: Selbstverständlich solange wie möglich. Warum sollte ich aufhören, wenn mir und den Menschen so etwas solch eine Freude bereitet? Und das Leben ist dafür da, dass man etwas tut.

Dem Publikum wurden Sie ursprünglich als Fernsehkoch bekannt. Kochen Sie daheim noch, oder steht Ihre Frau am Herd?

Lichter: Und somit ist die Frage schon beantwortet: Mein Schatz kocht zu Hause – und das seit vielen, vielen Jahren. Wie sage ich immer: Ein Schuster, der macht sich selten selber ein Paar neue Schuhe, und meine Frau kocht mit so viel Liebe und so fantastisch – da werde ich mich raushalten. Ich koche trotzdem gerne, aber nicht mehr so oft.

Sie waren neulich Gast bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“-Promispecial, da wurde ein eindrucksvolles Foto aus Ihren alten Bodybuilder-Tagen gezeigt. Stemmen Sie heute noch Hanteln?

Lichter: Heute hält mich hauptsächlich unser Hund Stella fit. Natürlich habe ich im Inneren eine eigene Waage eingebaut. Das heißt, wenn der Gürtel zu eng wird, dann esse ich weniger oder bewege mich mehr. Ich bin kein Sport-Maniac, aber ich bewege mich viel, arbeite körperlich sehr gerne zu Hause. Und ich glaube, die beste Diät ist Maß halten: im Essen, im Trinken, im Vergnügen, bei der Arbeit. Maßhalten bedeutet für mich auch, seinen Mitmenschen mit Höflichkeit, Freundlichkeit, Respekt zu begegnen. Das ist meine Philosophie.

Sie sind ein reisebegeisterter Mensch, aber wegen Corona ist das nur eingeschränkt möglich. Planen Sie trotzdem aktuell eine Reise?

Lichter: Ich plane für den Sommer keine Reise. Die schönste Reise, die wir zuletzt gemacht haben, war tatsächlich wegen Corona – die Reise zu einem selber. Und das sollte man auch mal nutzen.