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Pertisau: Happy End für Bruno: Politkomödie über den Problembär

Pertisau : Happy End für Bruno: Politkomödie über den Problembär

Für eine Handvoll Gummibärchen macht Problembär-Bruno-Darstellerin Trapper bereitwillig Männchen und frisst den Schauspielern Harald Krassnitzer und Nadeshda Brennicke zahm aus der Hand.

Die neunjährige Bärendame ist solche Kunststückchen gewöhnt - schließlich beginnt an diesem Junimorgen bereits ihr 17. Drehtag am Set für den vom Bayerischen Rundfunk und ORF koproduzierten Fernsehfilm „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno”. Seit Ende Mai wird auf der etwa 1430 Meter hoch gelegenen Kögl-Alm und rund um den Achensee in den Tiroler Alpen die vom realen Drama um den Braunbären Bruno inspirierte Komödie gedreht. Während allerdings der im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern herumstreunende echte Bruno Ende Juni 2006 von Jägern erschossen wurde, gibt es für ihn im Fernsehen ein Happy End.

Insgesamt sind es fünf Bären, die für den Bruno-Film engagiert wurden. Neben Trapper steht auch noch Bärin Fabienne als Bruno vor der Kamera - je nach Tagesform der beiden Tiere. Die beiden Weibchen wurden ausgesucht, weil sie von Gewicht und Größe eher den Maßen des damals noch nicht ausgewachsenen Bären Bruno entsprechen. Die drei anderen männlichen Bären Conan, Ying und Yang - allesamt Geschwister und ansonsten im Münsteraner Zirkus „Paul Busch” zu Hause - sind dagegen lediglich fürs „Wohlfühlambiente” der Bruno-Darstellerinnen mit nach Tirol gereist, wie Bären-Trainer Henry Spindler berichtet. Die fünf Tiere leben auch im Zirkus auf engstem Raum zusammen, da war es für Spindler nur logisch, die ganze Bärentruppe mit zu den Dreharbeiten zu bringen: „Wenn sich Trapper und Fabienne wie zu Hause fühlen, erleichtert das die Arbeit ungemein.”

Für die Schauspieler hat der Bärentrainer einige Tricks im Umgang mit den Tieren auf Lager. Krassnitzer, der in dem Film einen Zoodirektor spielt, der ein Männchen für seine brünstige Bärin Cilly sucht, hat jedenfalls seit Drehbeginn seine Jackentaschen immer voller Apfelstückchen. So bringe man die Bärendamen am einfachsten auf seine Seite, weiß er. Obwohl es für alle Hauptdarsteller - neben Krassnitzer und Brennicke, die im Film die überzeugte Tierschützerin Linde Blümel mimt, spielt auch noch Fritz Karl als Jäger und Abenteurer mit - der erste Dreh mit wilden Tieren ist, haben sie sich schnell an ihre tierischen Kollegen gewöhnt. „Das Wichtigste ist, dass man Respekt vor ihnen hat und sie nicht als willenlose Objekte oder domestizierbare Wesen sieht”, sagt Krassnitzer.

In der Komödie, die im Frühjahr 2009 in der ARD und im ORF ausgestrahlt werden soll, wird die Hysterie um den herumstreunenden Braunbären gewaltig aufs Korn genommen. Die Macher legen dabei Wert darauf, dass es sich bei dem Werk um keine authentische Verfilmung des echten Bruno-Dramas handelt. Schließlich soll der Bär nicht noch einmal einen so grausigen Tod sterben müssen. Aber man habe sich doch vom realen Wahnsinn inspirieren lassen, erzählt Regisseur Xaver Schwarzenberger. Herausgekommen sei „eine Satire, eine Farce, eine Politkomödie der Sonderklasse”, schwärmt Schwarzenberger und setzt noch eins drauf: Der Film sei regelrecht „eine anarchistische Angelegenheit für das katholische Bayern".

Geschrieben hat das Bruno-Spektakel Drehbuchautor Felix Mitterer. Bei einem Bayern-Besuch vor zwei Jahren hat der in Irland lebende Autor den Bruno-Trubel in den Medien mitbekommen und noch am selben Tag dem ORF die Geschichte angeboten. „Das alles hat nach einer Komödie regelrecht geschrien”, erinnert er sich. Angereichert „mit einigen Absurditäten” hat er das Drehbuch dann noch im selben Jahr fertiggestellt. Allerdings habe er in ein paar Punkten auch etwas abmildern müssen, berichtet er: Einige Bären-Aussagen des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) seien „so unfassbar” gewesen, dass er sie einfach nicht verwenden konnte. „Das wäre zu heftig geworden.” Am 26. Juni sollen alle Szenen im Kasten sein - vorausgesetzt, die etwas launischen Bärendamen und das Wetter spielen mit. Für alle Fälle gibt es am Set auch noch ein „Bruno-Double” im Bärenkostüm, laut Regisseur Schwarzenberger für die besonders heiklen Drehs. So müsse für eine gewisse Einstellung „der Bär mit dem Arsch wackeln”, und das würde ein echter Bär wohl nie machen - auch nicht für eine Handvoll Gummibärchen.