Moers entgeht Katastrophe: Güterzug mit explosivem Gas vor Autobahnbrücke entgleist

Moers entgeht Katastrophe : Güterzug mit explosivem Gas vor Autobahnbrücke entgleist

Beim Entgleisen eines Güterzuges mit dem brennbaren Flüssiggas Propen nahe der Autobahn 40 ist Moers bei Duisburg einer Katastrophe entgangen. Die Autobahn und eine Bundesstraße wurden vorübergehend voll gesperrt.

Wie sich rasch herausstellte, bestand aber keine akute Explosionsgefahr: Es sei keiner der mit Propen befüllten Kesselwagen leckgeschlagen, teilte die Polizei am Montag mit. Die Unfallursache und die Höhe des Schadens waren zunächst unklar.

Die Feuerwehr stellte bei Messungen an der Unglücksstelle kein ausströmendes Gas fest. Daraufhin wurde die Autobahn wieder freigegeben. Die Zugstrecke an der Unfallstelle blieb zunächst gesperrt. Am Abend sollten zwei Großkräne die Waggons wieder auf die Schiene setzen. Gegen 19 Uhr sollte die Autobahn nach Angaben des WDR noch einmal in beide Richtungen gesperrt werden.

Der Unfall weckte böse Erinnerungen: 1978 waren bei einem Unglück mit einem Propen-Tanklastzug in Spanien mehr als 200 Menschen getötet worden, als sich das flüssige Gas über einen Campingplatz ergoss und entzündete. Bei einem Eisenbahnunfall in Bulgarien war erst 2016 ein mit Propen beladener Güterzug entgleist und explodiert. Sieben Menschen starben.

Ungeachtet solcher Fälle bleibe die Bahn im Gütertransport eines der sichersten Verkehrsmittel, betonte eine Bahn-Sprecherin. Sie verwies auf Zahlen des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene. Danach lag die Zahl der Gefahrgutunfälle pro Milliarde Tonnenkilometer auf der Straße im Schnitt der Jahre 2004 bis 2013 mit 10,94 rund 42 Mal so hoch wie auf der Schiene.

Bei dem Unfall in Moers sei die Oberleitung beschädigt worden und auf den Zug herabgefallen, berichtete die Bundespolizei in Kleve. Deswegen musste die Stromleitung über der Strecke erst vom Netz genommen und geerdet werden, bevor der Lokführer geborgen werden konnte. Er habe einen Schock erlitten und sei ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher.

In Moers kreisten Hubschrauber von Landes- und Bundespolizei über der Unfallstelle. In Fahrtrichtung Venlo entstand durch die Vollsperrung der Autobahn ein bis zu sechs Kilometer langer Stau. Ein Bergungszug wurde angefordert.

Luftbildern zufolge waren hinter der Lok und nahe einer Brücke über die A40 mindestens zwei Waggons aus dem Gleis gesprungen. Die zehn Kesselwagen waren mit dem brennbarem Flüssiggas Propen beladen. Von der Sperrung der Zugstrecke Xanten-Duisburg war zwischen Duisburg-Rheinhausen und Moers neben dem Güterzugverkehr die Regionalbahn 31 „Der Niederrheiner“ betroffen. Der Zugbetreiber Nordwestbahn bat Reisende in Richtung Duisburg, auf die Regionalbahn 33 oder den Regionalexpress 42 auszuweichen. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

„Wahrscheinlich ist eine Weiche falsch umgestellt worden, aber das müssen nun die Untersuchungen ergeben“, sagte ein Sprecher des Güterzugbetreibers, der Hafen Krefeld GmbH. Spekulationen zur Unfallursache seien verfrüht, betonte die Deutsche Bahn. Die zuständigen Behörden hätten die Ermittlungen gerade erst aufgenommen.

Das Gleis sei auf 150 Metern Länge beschädigt, die Oberleitung auf rund 100 Metern. Nach Angaben der Bundespolizei wurden zwei Großkräne zur Bergung an die Unfallstelle geordert. Durch den Unfall seien Schäden am Gleisoberbau, Schienen und Weichen entstanden.

Wie umfangreich die Schäden sind, könne erst ermittelt werden, wenn der entgleiste Zug abtransportiert seien. Erst dann sei auch eine verlässliche Prognose für die Dauer der weiteren Arbeiten und die Freigabe der Zugstrecke möglich.

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(dpa)
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