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„Gorch Fock I” wird von Freiwilligen und Sponsoren flottgemacht

„Gorch Fock I” wird von Freiwilligen und Sponsoren flottgemacht

<b>Stralsund. Ohrenbetäubender Lärm hallt über den Schiffslift der Volkswerft Stralsund. Auf dem Baugerüst am aufgedockten Schiffsrumpf des deutschen Traditionsseglers „Gorch Fock I” kämpft Bernd Pach gegen den Staub.

Mit Nagelhammer und Hochdruck-Strahler befreit der gelernte Schmied die 75 Jahre alte Bordwand Zentimeter für Zentimeter vom Rost.

Den kräftezehrenden Job erledigt der 48-Jährige seit Oktober, bei jedem Wetter und noch bis in den Dezember hinein. Zusammen mit 30 weiteren Helfern rackert er freiwillig und ganz ohne Gegenleistung für ein Ziel: „Eines Tages will ich mit diesem Schiff mal wieder in See stechen”, sagt er. Das sei Motivation genug für diese Drecksarbeit.

„Das sind hier alles unglaubliche Enthusiasten”, schwärmt Wulf Marquard von der Hilfe der Freiwilligen und Sponsoren. Der Chef des Vereins Tall-Ship Friends steht zwei Gerüstetagen über Pach und beobachtet, wie Spezialisten der Werft neben dem Ankerkasten eine zehn Millimeter dicke Stahlplatte in einem ausgebrannten Loch am Rumpf des Windjammers verklammern und dann mit der Bordwand verschweißen.

Rund 200 Quadratmeter Schiffbaustahl im Wert über 20.000 Euro habe allein die Salzgitter AG für die Grundinstandsetzung des sogenannten Unterwasserschiffs - jenem Teil des Rumpfes, der unterhalb der Wasserlinie liegt - gespendet, lobt der Schiffs-Fan.

Die Reparatur des Unterwasserschiffs der 82 Meter langen Bark sei inzwischen zu 80 Prozent abgearbeitet, sagt Marquard. Aber sie werde teurer ausfallen als erwartet. Zusätzlich zu den veranschlagten, aus Spenden gesammelten 250.000 Euro werden weitere 118.000 Euro zu Buche schlagen. So habe man die mit Ballast gefüllten sogenannten Bodenwrangen im Kielbereich teilweise austauschen müssen. Vor solcherart Überraschungen sei man eben nicht gefeit, sagt Marquard.

Wie zum Beweis zeigt er auf eine Kiste: „Die haben wir unten im Kiel gefunden. Da war ein Unterwassermikrofon drin, das offenbar schon 1933 für Spionagezwecke installiert wurde.”

Die Zusatzkosten wurden kurzfristig von Sponsoren beglichen, einschließlich der Gelder für einen neuen Rumpfanstrich über der Wasserlinie. „Wenn unser Schwan der Ostsee Mitte Dezember wieder zurück zu seinem Liegeplatz an der Stralsunder Hafeninsel geschleppt wird, dann strahlt er schon im frischem Weiß„, freut sich Marquard.

Bis die ”Gorch Fock I” wieder in See stechen und Segel setzen wird, werden aber noch einige Jahre vergehen. Für die komplette Instandsetzung fehlen noch etwa 1,5 Millionen Euro. Unter anderem müssen die gesamte Elektroanlage, der Hauptantrieb und die Wasserversorgung erneuert werden.

Theoretisch könnten diese Arbeiten unter Aufsicht des Germanischen Lloyds in einem halben Jahr erledigt werden, sagt Marquard. Doch leider fehle das Geld für die Komplettsanierung. Daher sei man weiterhin auf Sponsoren und Gäste angewiesen, die im Hafen Stralsund an Deck kletterten und zum Beispiel die ehemaligen Kadettenunterkünfte des Dreimasters besichtigten. Möglichst zum 80. Geburtstag in fünf Jahren soll der Windjammer aber wieder mit bis zu 250 Passagieren an Bord zu Tagestörns im küstennahen Raum auslaufen.