Castrop-Rauxel: Geocaching: Moderne Schatzsuche oder Gefahr für Flora und Fauna?

Castrop-Rauxel: Geocaching: Moderne Schatzsuche oder Gefahr für Flora und Fauna?

Nordrhein-Westfalen steckt voller Schätze. Rund 35.000 kleine Dosen sind nach Schätzung von Guido Baumann landesweit irgendwo versteckt. Und es werden immer mehr. Ebenso wächst die Zahl der sogenannten Geocacher, die wie der 43-jährige Castrop-Rauxeler in ihrer Freizeit mit dem Navigationsgerät auf moderne Schnitzeljagd gehen.

Etwa 25.000 Menschen frönen zurzeit hierzulande diesem Hobby. Grundeigentümer, Waldbesitzer, Natur- und Umweltschutzverbände sowie die Jäger sehen die Entwicklung allerdings mit Skepsis.

Sie befürchten Schäden an Natur und Landschaft sowie Beeinträchtigungen für die Tier- und Pflanzenwelt. Besonders wenn die Geocacher bei der Suche nach den versteckten Dosen abseits der Wege unterwegs sind und in Wildeinstände vordringen, steige die Gefahr von Verkehrsunfällen und Wildschäden, warnt Jochen Borchert, Präsident des Landesjagdverbandes.

Denn die Tiere fliehen vor den Menschen und werden zugleich in ihrem natürlichen Fress-Rhythmus gestört. Borchert fordert „mehr öffentliche Aufmerksamkeit für diese Probleme und Belastungen”.

Geocacher sind nicht organisiert

Wie die Jäger wünscht auch Baumann sich einvernehmliche Lösungen, die im Dialog gesucht werden sollen. Er selbst gehörte quasi zu den Geocachern der ersten Stunde, die sich mit GPS-Geräten auf Schatzsuche begaben, nachdem die Satellitensignale vor zehn Jahren auch für breite zivile Nutzungen freigegeben worden waren.

Heute ist der 43-Jährige regelmäßig in den Foren der einschlägigen Internetseiten unterwegs. Hier werden die Koordinaten der Stelle veröffentlicht, an der jemand einen Schatz, meist eine Dose mit Kleinigkeiten, versteckt hat. Baumann versucht im Interessenkonflikt mit den Jägern und Naturschützern zu vermitteln und zu moderieren. Doch das ist nicht einfach, denn Geocacher sind Individualisten, allenfalls über örtliche Stammtische vernetzt. „Eine Vereinsmeierei gibt es nicht und ist auch nicht erwünscht”, beschreibt Baumann die Szene.

Das macht es schwer, den richtigen Ansprechpartner zu finden, wenn sogenannte Caches (Schatzdosen) an ungeeigneten Stellen liegen. Vielfach befinden sie sich in städtischen Bereichen immer wieder aber auch weit abseits der Wege in Wäldern oder sogar in Naturschutzgebieten und auf privaten Grundstücken. Da kann es passieren, dass ein Hobbyschatzsucher erst von seinem GPS-Gerät aufblickt, wenn er auf einer Terrasse in einer nachmittäglichen Kaffeerunde gelandet ist.

Regeln für das Verhalten im Wald

Zwar gebe es ausreichend Vorschriften, wie man sich in der Natur zu verhalten hat. Kaum jemand wisse aber, wann die Brut- und Aufzuchtzeiten der Wildtiere sind oder welche Regelungen für Naturschutzgebiete gelten, räumt Baumann ein. Dietrich Graf von Nesselrode, ehemaliger Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Waldbauernverbandes, regt deshalb an, einen „Wald-Knigge” zu entwickeln. Antonius von Boeselager ist das zu wenig. Der Vorsitzende des rheinischen Verbandes der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften (RVEJ) fordert „ordnungsbehördliche Maßnahmen”, also quasi ein Geocaching-Gesetz.

Für Baumann würde das zwangsläufig zur Verhärtung der Fronten und Konfrontation führen. Er warnt vor „Regelungen, die Cacher im kriminellen Bereich ansiedeln. Dann driftet das Ganze in die Anonymität ab”, befürchtet er. Mehr als 90 Prozent der Schatzsucher seien nämlich vernünftigen Argumenten durchaus zugänglich. Und schwarze Schafe gebe es eben überall.

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