1. Panorama

Düsseldorf: Gefährliche Volksweisheit: Sprichwort schützt nicht vor Blitz

Düsseldorf : Gefährliche Volksweisheit: Sprichwort schützt nicht vor Blitz

Heftige Unwetter und schwere Gewitter gehören fest zum Sommer. Sintflutartige Regenfälle verwandeln Bäche in reißende Flüsse, überschwemmen Straßen und richten Millionenschäden an.

Immer und immer wieder sorgen Gewitter für tragische Schlagzeilen: Drei Bauarbeiter in Brandenburg vom Blitz erschlagen, Gerüstbauer muss in Bonn nach Blitzeinschlag reanimiert werden, Blitz schlägt in Bierstand ein und verletzt 23 Menschen im Sauerland, 13 Camper erleiden Herz-Kreislauf-Probleme bei einem Blitzschlag am Nürburgring. „Wer kann, sollte möglichst frühzeitig Schutz in einem Haus suchen”, rät André Werner von der Feuerwehr in Wesel, „oder sich in ein Auto setzen”.

Wer sich hingegen an eine alte Volksweisheit hält, bringt sich in Gefahr: „Vor den Eichen sollst du weichen, doch die Buchen musst du suchen”, lautet die Kurzform des lang überlieferten Merkspruchs. Bei Gewitter bietet ein Baum auf freiem Feld aber keinerlei Schutz. Ganz im Gegenteil: „Der Blitz schlägt immer in den höchsten Punkt ein”, sagt Werner. „Das ist lebensgefährlich”.

Dennoch halten sich verschiedene Theorien, die dem Volksmund zum Teil Recht geben: Im Vergleich zur Eiche besitzt die Buche, die selten allein steht, einen glatten Stamm. Da Buchensaft ölhaltiger ist und die Wurzeln nicht so tief in die Erde ragen, zieht dieser Baum nach Expertenmeinung den Blitz weit weniger an, als andere Bäume. Wenn der Blitz also die Wahl hätte, würde er andere Baumarten bevorzugen.

„Das ist Schwachsinn”, ist Michael Klein, Meteorologe beim Internet-Dienst „donnerwetter.de”, allerdings überzeugt. „Ein Blitz sucht sich nicht die Baumart aus”, sagt der Geschäftsführer des Wetter-Portals. „Wer auf weiter Flur von einem Gewitter überrascht wird, sollte in die Hocke gehen, sich klein machen und die Füße nah bei einander halten”, rät Werner.

Wörtlich genommen entspricht dies eigentlich auch der ursprünglichen Aussage der alten Volksweisheit: „Das Wort „Buchen” hatte früher die Bedeutung „Hecken"”, hat Prof. Dr. Eckhard Meineke vom Institut für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich- Schiller-Universität in Jena herausgefunden. „Es kann daher sein, dass es insofern stimmt, dass man sich unter Büschen hinhocken soll, nicht aber unter Eichen.” Ein gefährliches Missverständnis also.

Gab es im 19. Jahrhundert noch bis zu 800 Blitzopfer im Jahr - meist wurden Arbeiter auf dem Feld überrascht - waren es in den vergangenen Jahren je nach Gewitterhäufigkeit in Deutschland zwei bis zehn Geschädigte. Besonders gefährdet sind Schwimmer und Segler, die auf einem See den höchsten Punkt bilden.

Pro Tag gibt es Statistiken zufolge auf der Erde neun Millionen Blitze und 2000 Gewitter. „Vor allem im Juli und August sind Blitz und Donner keine Seltenheit”, sagt Meteorologe Klein. Hausbesitzern rät er, sich über den Zustand des Blitzableiters zu informieren. „Nach 20, 30 Jahren können sie durchgerostet sein.”

Als „menschlicher Blitzableiter” hielt ein Amerikaner Einzug ins Guinness Buch der Rekorde. Dabei hatte Roy C. Sullivan riesiges Glück. Während seiner Dienstjahre als Aufseher in einem Nationalpark wurde er sieben Mal vom Blitz getroffen - und überlebte. Mehrfach erlitt er zwischen 1942 und 1977 Brandwunden, auch sein Trommelfell nahm Schaden. Die mit Energie geladenen Schläge rissen ihm die Schuhe von den Füßen, schleuderten ihn durch die Luft. Nach unbestätigten Quellen sei es für ihn jedes Mal schlimmer als ein böser Schock gewesen.