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Oldenburg/Bonn: Geduld und Lernbereitschaft: Was einen guten Pokerspieler ausmacht

Oldenburg/Bonn : Geduld und Lernbereitschaft: Was einen guten Pokerspieler ausmacht

Die Pokerwelle ebbt nicht ab. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht in einer größeren deutschen Stadt ein oder mehrere Turniere gespielt werden. Abgesehen davon boomt Poker im Internet immer noch.

Deshalb zu behaupten, Poker sei im Mainstream angekommen, ist aber gewagt: Wer sich als Poker-Fan outet, erntet in der Regel skeptische Blicke. Das Image vom halbseidenen Glücksspiel ist trotz Stefan Raabs Pokerrunden und wegen „Casino Royale” noch nicht vollends überwunden. Dabei braucht ein Pokerspieler mehr als Glück und den coolen Blick.

„Eine Hand kann man mit Glück gewinnen oder durch Pech verlieren. Spielt man aber 1000 Hände, gleichen sich Glück und Pech aus”, erklärt Eike Adler, Poker-Coach und Poker-Buch-Autor aus Oldenburg. Wer dauerhaft Plus machen will, muss daher in die Hände investieren, die statistisch gesehen die beste Aussicht auf Erfolg haben.

Bis zu einem bestimmten Level kann sich ein Spieler dabei auf seine Intuition verlassen. Wer weiter kommen will, muss ein paar mathematische Formeln verinnerlichen, mit deren Hilfe man seine Chance auf einen Gewinn blitzschnell ausrechnen kann. „Man muss dazu kein Mathematikstudent sein.”

Die Zahl der deutschen Spieler, die vom Pokern leben können, ist klein. Zu den erfolgreichsten Cracks gehören zum Beispiel Katja Thater und Eddy Scharf. Und dann gibt es noch Leute, die indirekt vom Pokern leben - Eike Adler zum Beispiel oder Jan Meiners, der ebenfalls mehrere Bücher über das Spiel veröffentlicht hat. „In Deutschland beschäftigen sich viele Spieler mit der Theorie”, sagt der in Bonn lebende Autor. Und das ist auch notwendig.

„Fast jeder hervorragende Pokerspieler hat einmal als leichte Beute angefangen”, schreibt Weltklasse-Pokerspieler Phil Gordon in einem seiner Bücher zum Thema. „Wahre Größe erwächst nur durch Erfahrung und ständige Selbstreflexion.”

Dass es für ehrgeizige Spieler wichtig ist, sich theoretische Grundlagen anzueignen, sieht auch die in Hamburg lebende Profi-Spielerin Katja Thater so: „Poker ist sehr umfangreich. Und es ist immens wichtig, von Anfang an das Spiel richtig zu verstehen.” Schließlich macht es am meisten Spaß, wenn man dabei gewinnt.

Thater hat allerdings nur wenig Zeit zum Lesen. „Dafür diskutiere ich viel mit Spielern über Strategien und Spielzüge.” Abgesehen davon bringt es die Theorie allein natürlich auch nicht. Thaters Ratschlag lautet daher: „Spielen, spielen, spielen. Poker ist eine Sache der Erfahrung.” Aber wie sammelt man Erfahrung, ohne sein Geld zu riskieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ohne oder mit überschaubarem Echtgeld-Einsatz zu spielen: Die großen Internet-Portale wie PokerStars oder FullTiltPoker bieten Echt- und Spielgeld-Partien an - als Einzelspiel - auch Cash Game genannt - oder als Turnier. Ausschließlich um echtes Geld geht es in den Spielbanken. Darüber hinaus gibt es aber Live-Turniere, die nicht von Spielbanken veranstaltet werden. Die Gewinner erhalten hier kein Geld, sondern Sachpreise oder den Eintritt für noch größere Turniere.

Der Eintritt, das sogenannte Buy-In, beträgt meist nur 15 Euro, und mehr Geld wird in der Folge nicht fällig. Ausnahmen sind Turniere, bei denen ein sogenannter Rebuy gestattet ist - das heißt, im Laufe des Turniers dürfen Chips nachgekauft werden.

Poker um Spielgeld bietet zwar die Gelegenheit, die Grundlagen des Spiels zu erlernen und dabei bestimmte Spielzüge auszuprobieren, ohne echtes Geld zu verlieren. Doch fragt man fortgeschrittene Spieler, so gibt es einen Unterschied zum Echtgeld-Spiel: „Playmoney-Spiele unterscheiden sich sehr deutlich von Echtgeld-Spielen”, sagt Katja Thater. „Sobald es auch nur um einen einzigen Cent geht, agieren die Leute anders.”

Geht es nur um Spielgeld, sind viele Spieler zu größerem Risiko bereit, sagt Eike Adler. Schließlich geht es um nichts. Das wiederum verstärkt ein typisches Anfängerproblem: Einsteiger spielen zu viele Hände - das heißt, sie machen Einsätze, obwohl sie aufgrund der ihnen zugeteilten Karten eher geringe Chancen haben, den Pot zu gewinnen. Zu wissen, mit welchen Hole Cards auf der Hand wie hoch gewettet werden sollte, wie man den Gegenspielern unattraktive Pot-Odds verschafft und wann man besser einen Lay Down macht, das ist Pokertechnik.

Doch wer glaubt, allein durch Theorie und Mathematik zum Spitzenspieler zu werden, irrt: Sitzen lauter Spieler an einem Tisch, die diese technischen Grundlagen beherrschen, wird die Psychologie sehr wichtig, erklärt Jan Meinert. Dann gilt es, die Gegner zu studieren - also zu beobachten, wie diese sich in bestimmten Situationen verhalten. Das durch diese Beobachtungen gewonnene Wissen bildet dann unter anderem die Grundlage für einen guten Bluff.

Wer bereit ist, um Geld zu spielen, muss sich darüber im Klaren sein, dass selbst gute Spieler hin und wieder verlieren. „Das Glück spielt eben doch eine gewisse Rolle, so dass mögliche Verluste minimiert werden müssen”, warnt Jan Meinert. Die wichtigste Regel in diesem Zusammenhang formuliert Eike Adler: „Man sollte nur mit Geld spielen, das man entbehren kann.” Außerdem ist es ratsam, als Pokerspieler Buch zu führen - dann macht man sich selbst nicht so schnell etwas vor, wenn es um Gewinne und Verluste geht.





Buy-in und Lay-Down: Glossar der wichtigsten Poker-Begriffe

Pokern hat seine eigene Fachsprache. Wer beim Spiel dabei sein will, muss zumindest einige grundlegende Begriffe kennen. Hier eine Übersicht über die wichtigsten:

- Cash Game: Beim Cash Game können Spieler - anders als bei einem Turnier - jederzeit ins Spiel ein- oder aussteigen.

- Buy-In: Das Buy-In bezeichnet die Summe, die ein Spieler entrichten muss, um an einem Turnier teilnehmen zu dürfen. Beim sogenannten Cash Game ist das Buy-In das Geld, das der Spieler mit an den Tisch bringt.

- Lay Down: Ein Spieler legt seine Karten verdeckt ab und steigt damit aus der jeweiligen Runde aus.

- Limit: Bei einer Limit-Partie ist der Einsatz auch nach oben hin begrenzt. Wird „No-Limit” gespielt, dürfen die Spieler so viel setzen, wie sie wollen - gegebenenfalls auch alles: Das wird dann All -In genannt.

- Odds: Dieser englische Begriff bezeichnet im Poker die Wahrscheinlichkeit, mit einem bestimmten Blatt zu gewinnen.

- Pot-Odds: Der Begriff Pot-Odds setzt das bereits im Topf befindliche Geld und die vom einzelnen Spieler noch zu tätigenden Einsätze zueinander ins Verhältnis. Ein guter Spieler rechnet die Pot-Odds aus, um herauszufinden, ob sich ein weiterer Einsatz aus mathematischer Sicht lohnt.

- Texas Holdem: Texas Holdem ist die populärste Poker-Variante. Andere Varianten sind zum Beispiel Seven Card Stud, Omaha oder Razz. Bei Texas Holdem erhält zunächst jeder Spieler verdeckt zwei Karten auf die Hand - die sogenannten Hole Cards oder Pocket Cards sieht nur er. Dann werden in einer ersten Wettrunde die Einsätze gemacht. Anschließend deckt der Dealer - der die Karten verteilt - die ersten drei von insgesamt fünf Gemeinschaftskarten auf. Nach diesem sogenannten Flop wird nochmals gewettet. Es folgen eine vierte Gemeinschaftskarte - der Turn -, und anschließend die fünfte Karte - der River. Nach beiden Karten können Einsätze gemacht werden.