Hildesheim: Frage der Ehre: Ernst August wieder vor Gericht

Hildesheim: Frage der Ehre: Ernst August wieder vor Gericht

Ernst August Prinz von Hannover (55) kämpft um seine Ehre. Seit Jahren setzt der Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco (52) Himmel, Hölle, Geld und gewiefte Anwälte in Bewegung, um die Wiederaufnahme eines alten Strafverfahrens zu erreichen.

Am Montag (15.6.) ist es nun soweit: Als viertes Gericht wird sich das Landgericht Hildesheim mit der Frage beschäftigen, was genau am Abend des 14. Januar 2000 am weißen Traumstrand der kenianischen Ferieninsel Lamu passiert ist. „Ich gehe lieber ins Gefängnis als etwas zuzugeben, was ich nicht getan habe”, sei die Haltung des Prinzen in dieser Sache, sagt sein Frankfurter Anwalt Hans Wolfgang Euler.

Unstrittig ist bisher nur soviel: Der Adlige attackierte damals auf Lamu den Discobesitzer Josef Brunlehner, unter Freunden auch als „Mombasa Joe” bekannt. Der Prinz, der auf der kleinen Insel im Indischen Ozean seit Jahrzehnten eine Ferienvilla besitzt, war erzürnt: über den Lärm und die Laser-Show von Brunlehners neuer Disco auf einer Nachbarinsel, die die paradiesische Ruhe auf Lamu störte.

Also schlug Ernst August zu, als er den Hotelbesitzer zufällig am Strand traf. „One for the music, one for the light.” Und der Adlige selbst sagte zwei Tage später der Deutschen Presse-Agentur dpa freimütig: „Dieser Mann ist ein Zuhälter und ich habe die große Freude gehabt, diesem Mann eine links und rechts zu geben.”

In der Wiederaufnahme des Prozesses geht es nun also nicht um die Frage, ob der Adlige zulangte, sondern vielmehr, wie er es tat. War Ernst August bei dem Vorfall betrunken? Der Chef des Welfenhauses bestreitet das, obwohl sein früherer Anwalt es vor Gericht so dargestellt hatte, um den Richtern einen Anhaltspunkt für eine „verminderte Schuldfähigkeit” des Prinzen zu liefern. Und hatte Ernst August bei der Tat einen Gegenstand, etwa einen Schlagring in der Hand? Auch das hatte der erste Verteidiger des Prinzen zumindest nicht ausschließen können. Er gab im Namen des Adligen eine entsprechende Erklärung vor Gericht ab, auch, um mit diesem Deal eine Einstellung anderer Verfahren gegen Ernst August zu erreichen.

Strittig ist ferner, wie schwer die Blessuren des Discobesitzers tatsächlich waren. Ein Gutachter attestierte damals, sie seien „potenziell lebensbedrohlich” gewesen. Der Anwalt des Prinzen hingegen erklärte, der Discobesitzer habe „der Öffentlichkeit mit Hilfe Dritter medienwirksam ein Schauspiel abgeliefert”. So sollen zwei kenianische Ärzte inzwischen ausgesagt haben, das Opfer habe seine schweren Verletzungen lediglich simuliert. Der Discobesitzer bestreitet dies.

Für den neuen Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Mit einem schnellen Abschluss oder einem Deal hinter den Kulissen rechnet in Hildesheim bisher niemand: „Es deutet nichts auf eine Verfahrensbeschleunigung”, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Noch offen ist, ob auch Prinzessin Caroline aussagen wird, die den Prinzen entlasten könnte. Die Vorladung von Caroline als Zeugin ist bisher für den 23. Juli geplant - je nach Prozessverlauf kann sie aber auch ganz entfallen oder verschoben werden, sagt Gerichtssprecher Bernd Pingel. Eine Sonderbehandlung für den Prinzen werde es nicht geben. Ob dieser allerdings an allen Sitzungstagen anwesend sein muss, ist noch offen.

Das Jahr 2000 lief nicht gut für Ernst August, nach dem Vorfall in Kenia machte der Prinz später Schlagzeilen mit einem Expo-Besuch in Hannover. 2005 erkrankte Ernst August lebensgefährlich, seitdem ist es ruhiger geworden um ihn. Am Montag wird er vor dem Landgericht Hildesheim den Trubel um seine Person dennoch erneut ertragen müssen - diesmal allerdings aus eigenem Willen. Die neuen, seit langem geplanten Sicherheitsschleusen im Gericht sind rechtzeitig fertig geworden. Ob sie bei Regenschirmen zu piepen anfangen, diese Frage mag im Gericht niemand beantworten.

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