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Darmstadt: Fossilien gehen auf Welttournee

Darmstadt : Fossilien gehen auf Welttournee

Als einzigartiges Archiv der Erdgeschichte treten die Schätze der südhessischen Grube Messel Ende März die Reise um die Welt an. Erste Station der paläontologischen Fossiliensammlung ist das heimatliche Darmstadt. D

anach werden der wunderliche Ameisenbär, das 47 Millionen Jahre alte Urpferd und mit ihnen 120 andere einmalige Wirbeltierpräparate in Hannover, Stuttgart und Münster zu sehen sein, aber auch in den Niederlanden, in Norwegen und der Schweiz. Eine urweltliche Tournee sondergleichen, ausgebucht bis Mitte 2011 - denn dann erst ist im Natural History Museum von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania vorläufig Endstation.

Die Ausstellung werde ein Hit, verspricht Norbert Micklich, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landesmuseum Darmstadt und Kurator der Schau. In der Tat hat die Welt das, was aus der Ölschieferlagerstätte neun Kilometer östlich von Darmstadt seit Jahrzehnten zu Tage gefördert wird, noch nie gemeinsam in einer Ausstellung gesehen. Die ausnahmslos vorbildlich präparierten eozänen Schätze dokumentieren das Leben vor über 47 Millionen Jahren. Die Grube Messel war seinerzeit ein kleiner See, umgeben von Urwald.

Menschen gab es damals noch lange nicht. Dennoch war die Erde von zahlreichen Lebewesen bewohnt. Nachdem die Dinosaurier ausgestorben waren, standen die Säugetiere am Beginn ihrer erfolgreichen Entwicklung - der kleine, aber ausgewachsene Tapir „Minimus” ist mit einem Meter Körperlänge unter den seinerzeitigen Erdbewohnern der mächtigste Säuger, der aus dem Schiefer gehoben wurde. Mit ihm zusammen erblickte auch der hessische Ameisenbär, als einziger außerhalb Südamerikas, aufs Neue das Licht der Welt.

Die Urpferdchen, stattliche Krokodile, ein rätselhaftes Raubtier, nicht Hund, nicht Katze, ein schuppenschwänziger Insektenfresser und viele andere erstaunliche Tiere lagen genauso lange auf dem Grund des ehemaligen Sees, wo sie der Ölschiefer ungewöhnlich gut bewahrte. Seit 1995 ist die Grube Messel UNESCO-Weltnaturerbe. Was sie zu vererben hat, ist nahezu vollständig erhalten, schön feinbearbeitet, selbst in der Behaarung und im Federkleid artikuliert - und nun auf großer Tour.

Micklich und seine Kollegen haben der Schau neue Ideen mit auf die Reise gegeben. Im Vordergrund steht nicht das systematisch gegliederte Artenspektrum, sondern das atmosphärische Bild des gemeinsamen Lebensraums und in ihm der ästhetische Reiz der Kreaturen, die ihn bevölkerten. Die Ausstellung ist modular gestaltet. Hohe Vitrinen zeigen Bewohner des Urwaldgeästs, daneben gibt es Strauchschichten und Bodenzonen, Flachwasserbewohner sind entsprechend ausladend präsentiert.

Projektionsflächen und eine eher flutende als sezierende Beleuchtung geben der Ausstellung Gesicht. Auch bewegte Hintergrundsequenzen kommen zum Einsatz. Über 120 Exponate werden ausgestellt, ein Einführungsbereich zeigt die Entstehung des Messelsees und informiert über Grabungen und Präparation. Damit verdient die Ausstellung ihre Bezeichnung als „wissenschaftliches Gesamtkunstwerk”.