1. Panorama

Frankfurt a.M: Evangelische Kirche gegen Halloween-Spuk am Reformationstag

Frankfurt a.M : Evangelische Kirche gegen Halloween-Spuk am Reformationstag

Kleine Geister, Hexen und Kobolde ziehen am 31. Oktober abends durch die Straßen. „Süßes oder Saures!” rufen die schaurig verkleideten Gestalten, wenn sie an den Türen schellen und geöffnet wird.

Beim aus den USA importierten Grusel-Brauch zu Halloween heischen die Kinder so nach Süßigkeiten, und drohen halb im Scherz ansonsten mit „Saurem”, mit Streichen. Mittlerweile gibt es den Spuk auch in Deutschland - der evangelischen Kirche ist das allerdings gar nicht so recht.

Genau am Halloween-Datum - so die Überlieferung - hat schließlich 1517 der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche geschlagen und damit den Anstoß für die Reformation geliefert. Nun im Jahr 2007 sorgen sich Protestanten allerdings, dass die spukenden Kinder in Deutschland Halloween inzwischen für ein christliches Fest halten und nichts mehr vom Thesenanschlag wissen.

„Die Evangelische Kirche hat die älteren Rechte auf das Datum”, meint dazu das Evangelische Jugendwerk in Württemberg und startet daher die Kampagne „ChurchNight”. Mit Jugendgottesdiensten, Gospelkonzerten, Lutherfilm-Nächten und öffentlichem Thesenanschlag soll der 31. Oktober gefeiert werden. „Unser großes Ziel von 200 Veranstaltungen ist greifbar nahe”, so Projektleiter der Kampagne Reinhold Krebs.

Württemberg ist momentan Vorreiter im Blick auf die Wiederbelebung um den Reformationstag, doch Interesse am „ChurchNight-Projekt” wird auch bereits aus anderen Landeskirchen signalisiert. Eine andere Anti-Halloween-Aktion sind die „Lutherbonbons”, die evangelische Kirchen im Zusammenschluss nun zum dritten Mal produziert haben: 970.000 Stück sind es in diesem Jahr. Ein Porträt vom rebellische Augustinermönch prangt auf den orangefarbenen Süßigkeiten. Die Schmankerl sollen, so die Hersteller, den Reformationstag wieder ins Gespräch bringen.

Vor allem bei den kleinen „Geistern”, die nach Süßem fragend an die Türen klopfen. Auch ein Mini-Bilderbuch über das Leben Luthers gibt es dazu im passenden Design. Der fröhlich zwinkernde Reformator schmückt auch anlässlich entworfene „Hallo-Luther-Postkarten”, Plakate und Türanhänger. Die Artikel sind Gegenpol zu den inflationären Halloween-Produkten wie leuchtende Kürbisse, künstliche Spinnennetze, Vampirzähne und Hexenhüte.

Die schaurigen Utensilien und Verkleidungen haben sich übrigens passend zum uralt keltischen Brauchtum entwickelt: Halloween leitet sich ab von „All Hallows Eve”, dem Abend vor Allerheiligen. In dieser Nacht, so glaubte man, betreten die Seelen Verstorbener und böse Geister die Menschenwelt. Kreaturen, wie sie nun Ende Oktober in der Dämmerung umherstreifen oder auf Halloween-Kostümpartys anzutreffen sind, vielleicht dabei ein Lutherbonbon lutschend.