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Saarbrücken/Aachen: Eugen Hach: „Das fühlt sich immer noch wackelig an”

Saarbrücken/Aachen : Eugen Hach: „Das fühlt sich immer noch wackelig an”

Und dann hat sich Eugen Hach etwas gegönnt. Eine Woche Tegernsee mit seiner Frau Trixie. Nach vielen kraftraubenden Monaten geht es nur um Abschalten, keine Reha-Termine, auftanken.

Sich etwas gönnen fällt Alemannias Ex-Trainer immer noch schwer. Mit dem gleichen Ehrgeiz wie als Fußball-Profi verfolgt er gerade seine Langzeittherapie. Damals ging es um den Sport, diesmal um sein Leben. Am 19. Dezember 2007 erlitt er einen schweren Kleinhirn-Infarkt. Für 70 Prozent aller Menschen enden solche Infarkte mit einer Beerdigung, sagen die Ärzte. Hach hat Glück gehabt, er hat sein Schicksal akzeptiert. „Hadern bringt nichts.”

Vor kurzem hat er sich an den Augen operieren lassen, die Doppelbilder ließen ein räumliches Sehen nicht zu. Jetzt trägt er eine Brille. „Ich habe wieder die volle Sehkraft, darf sogar Autofahren”, sagt der 50-Jährige. Der Weg zur Normalität geht langsam, buchstäblich Schritt für Schritt. Knapp sieben Monate saß er nach seinem Zusammenbruch im Rollstuhl, dann stützte er sich auf einen Rollator, kam Stückchen für Stückchen wieder selbstständig in Bewegung. „Die Ärzte haben gesagt, man braucht nach einem solchen Infarkt drei bis vier Jahre, um wieder laufen zu können. Ich habe es in einem Jahr geschafft”, sagt der enorm ungeduldige Patient.

Gerade kommt Hach aus einer Reha-Maßnahme am Bodensee, auch da ging es um den nächsten Schritt. Er lernte breitbeiniger zu gehen, um mehr Sicherheit zu bekommen. „Das fühlt sich immer noch wacklig an”, sagt er. Der letzte ist der schwierigste Schritt zurück zur Normalität.

Das alte Sprechtempo hat er fast wieder erreicht, hat die Feinmotorik aufgebaut, hat seine linke Körperhälfte wieder unter Kontrolle. Zusatzschichten hat er in einem Fitnessstudio gemacht, er hat sich herangekämpft, hat die Zweifel immer wieder besiegt, wie früher lästige Gegenspieler. Das lässt sich in ein paar Zeilen hinschreiben, dahinter steckende tausende Stunden Reha und viele Zweifel.

Der Saarländische Rundfunk dreht gerade eine Dokumentation über den prominenten Saarländer, im Bertelsmann-Konzern ist ein Buch in Planung über das größte Comeback in seinem Leben. „Mein Leben ist davon gezeichnet, dass ich mich reinknien muss. Mir wurde nie etwas geschenkt. Das ist auch jetzt so.” Immer noch ist Hach Manager beim Fußball-Regionalligisten SV Elversberg. Natürlich ist sein Engagement zeitlich noch eingeschränkt. Aber die Krankenkasse will wissen, ob er wieder arbeiten kann, sie hat ihn in eine Wiedereingliederungsmaßnahme gesteckt.

Hach kennt die Antwort. Er wird wieder da sein, will im nächsten Jahr komplett beim SV Elversberg einsteigen, so ist sein Plan. „Ich traue mir auch zu, selbst auf den Platz stehen zu können.” Aus Mitleid brauche er keinen Job, sagt Hach. Nein, er habe sich eine neue Aufgabe verdient, brutal erarbeitet. „Ich bin wieder gesund, motorisch hänge ich noch etwas hinterher, aber ansonsten völlig in Ordnung.” Und ein unglaubliches Durchhaltevermögen ist doch keine schlechte Eigenschaft für einen Trainer oder Manager, findet er.