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Brüssel: EU: Viele europäische Städte verwahrlosen

Brüssel : EU: Viele europäische Städte verwahrlosen

EU-Regionalkommissarin Danuta Hübner warnt vor einer zunehmenden Verwahrlosung europäischer Städte. Zu den drängendsten Problemen zählten die Umweltverschmutzung, der weiter zunehmende Verkehr sowie die alternden Gesellschaften, sagte Hübner am Donnerstag. „Es gibt in ganz Europa Regionen und Stadtteile, die verlassen werden, nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in Polen, Spanien oder Schweden.”

„Unsere Städte und Regionen werden immer wichtiger für die Zukunft Europas”, sagte Hübner. „Wir müssen ihnen helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen und ihre Probleme zu lösen.” Die politischen Strategien von heute reichten dafür nicht mehr aus, sagte die Polin zum Auftakt eines Sondertreffens der zuständigen 27 EU-Fachminister in Leipzig.

Die Ministerrunde will unter dem Vorsitz von Bundesverkehrsminister und EU-Ratspräsident Wolfgang Tiefensee (SPD) eine „Leipzig Charta” mit konkreten Schritten für eine nachhaltige Stadtentwicklung verabschieden. Hübner begrüßte das Vorhaben: „Für diejenigen, die immer noch denken, dass unsere Städte nicht so wichtig sind, ist Leipzig der letzte Weckruf”, sagte sie. Mehr als 60 Prozent der EU-Bürger leben nach ihren Angaben in Städten. „Städte sind heute nicht mehr nur Arbeitsstätten, sondern auch der Ort, wo die meisten von uns leben.”

Zunehmend zum Problem werde auch verfallende Bausubstanz wie beispielsweise die Plattenbau-Siedlungen, die in Ostdeutschland oder Paris ganze Stadtteile ausmachten und nun von einer „Gettoisierung” bedroht seien. Noch heute leide Europa unter den negativen Folgen der einstigen Stadtplanung, die räumlich streng getrennte Lebens-, Arbeits- und Wohnbereiche vorsah. „Die Zeiten, in denen es ganze Stadtteile gab, die nachts tot waren, sind aber vorbei”, sagte Hübner. „Die Menschen wollen beides.”

Europa sei ein kleiner, sehr verschiedenartiger Kontinent. „Jede Region, jede Stadt ist anders mit einer eigenen Geschichte, Tradition und Geografie”, sagte Hübner. Dennoch seien die Probleme, etwa Staus, überall die gleichen. Nicht nur die französischen Vorstädte, die „Banlieues”, hätten Schwierigkeiten. „Auch anderswo gibt es Stadtteile mit einer hohen Zahl an Einwanderern, sozialer Ausgrenzung oder heruntergekommenen öffentlichen Plätzen”, sagte sie.

Auch die hunderttausenden Hektar Industriebrachen bereiteten überall in Europa Probleme. „Europa ist klein, jeder Quadratkilometer zählt.” Einige Städte lösten die Probleme gut, andere nicht. „Es kommt nicht nur aufs Geld an, oft fehlt es auch einfach an Erfahrung und Zusammenarbeit”, sagte Hübner. „Wir brauchen einen neuen Ansatz, darum ist die Zeit für die „Leipzig Charta” gekommen.”