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Dortmund: Erste deutsche Hochschule mit Betriebskindergarten

Dortmund : Erste deutsche Hochschule mit Betriebskindergarten

Jenseits des aktuellen Gerangels um das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) schafft die Universität Dortmund Fakten: Auf dem Campus soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer eigenen Kindertagesstätte begonnen werden.

Bereits im Mai 2008 sollen dort die ersten Kinder von Mitarbeitern der Universität und des benachbarten Technologie-Parks spielen. Laut dem Dezernenten für Organisations- und Personalentwicklung der Uni, Hans-Peter Kasüschke, erhält Dortmund damit als erste Hochschule in NRW einen eigenen Betriebskindergarten.

Betreut wurden an den NRW-Universitäten bislang ausschließlich Kinder von Studenten, organisiert durch Elterninitiativen oder das Studentenwerk. Die Höhe des Bedarfs unter den Mitarbeitern ermittelte eine Studie. Auch durch den neuen Betriebskindergarten wird dieser Bedarf nicht einmal zur Hälfte gedeckt werden können. Aber immerhin 55 Jungen und Mädchen werden ab Mai kommenden Jahres auf dem Campus spielen, toben, lernen und forschen können. Auch unter Dreijährige sollen einen Platz bekommen.

Helle Räume, eine verglaste Küche sowie Schlaf- und Wickelzimmer für die Kleinen sind auf einer Fläche von tausend Quadratmetern geplant. Auf dem rund 3500 Quadratmeter großen Außengelände haben die Planer etwas Besonderes vor: Wasserwelten, Materialvielfalt und vor allem viel Platz zum Toben sollen neue Erfahrungen zulassen. Mit einer Öffnungszeit von 7 bis 20 Uhr will die neue Kindertagesstätte darüber hinaus flexiblen Arbeitszeiten der Eltern Rechnung tragen.

2,3 Millionen Euro wird die Einrichtung insgesamt kosten. Doch die Universität wird die Kosten nicht allein tragen. Unter anderem soll der Hochschulkindertagesstätte „Hokido” mit einziehen. Die dahinter stehende Elterninitiative soll künftig auch Träger des neuen Betriebskindergartens sein. Außerdem sollen 18 Plätze an Kinder von Mitarbeitern aus dem benachbarten Technologiepark vergeben werden. „Nur so können wir die Finanzierung stemmen”, sagt Kasüschke.

Unter anderem will ein Unternehmen für Hörakustik das Projekt in den nächsten drei Jahren mit jeweils 6000 Euro unterstützen. Damit könnten 1,5 Kindergartenplätze finanziert werden. „In unserer Firma arbeiten viele Frauen”, begründet Geschäftsführer Mads Bjerre Andersen das Engagement. Die Betreuungsnöte von Müttern kenne man daher sehr genau.

Eine feste Zusage gibt es auch vom örtlichen Max-Planck-Institut. „Die Max-Planck-Gesellschaft beteiligt sich an der Finanzierung des Betriebskindergartens”, sagt Referent Peter Herter. Das Forschungsinstitut erhofft sich dadurch, verstärkt hochrangige Wissenschaftlerinnen nach Dortmund locken zu können. „Das wird für uns ein Standortvorteil„, betont Herter und fügt hinzu: ”Den brauchen wir aber auch, weil wir führende Mitarbeiter aus der ganzen Welt ins Ruhrgebiet holen wollen.”

Die neue Kindertagesstätte auf dem Campus wird einen Teil der großen Versorgungslücke in Dortmund schließen. Derzeit verfügt allein die Stadt über mehr als 7000 Plätze in Kindergärten und Tagesstätten. Trotzdem warten aktuell noch 900 Kinder auf einen Platz in einer städtischen Einrichtung. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD) begrüßt deshalb das Engagement der Universität: „Wir wollen zu einer familienfreundlichen Stadt mit Perspektiven für Arbeitnehmer werden.” Dass die Uni Dortmund damit Vorreiter im Ruhrgebiet sei, freue ihn besonders.