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London: Ersatz für Ungeheuer Nessie: Briten suchen rätselhafte Raubkatzen

London : Ersatz für Ungeheuer Nessie: Briten suchen rätselhafte Raubkatzen

Nessie ist out, Big Cats sind in. Die Briten haben einen Ersatz gefunden für das spurlos verschwundene Ungeheuer von Loch Ness: Rätselhafte Raubkatzen. Angeblich durchstreifen sie die schottischen Highlands ebenso wie die Wälder Mittelenglands oder die Moorgebiete von Devon im Süden.

„Die Suche nach Pumas und anderen Großkatzen”, berichtete der Sender BBC, „wird immer populärer”. Zwar kann das Inselkönigreich nicht mit einem Bären Bruno aufwarten, wie er 2006 in Bayern erschossen wurde. Dafür aber gibt es mysteriöse Großkatzensichtungen. Big-Cat-Clubs haben Zulauf, Bücher mit Titeln wie „Monster Hunter” sind gefragt. Es gibt sogar nationale Konferenzen der britischen Großkatzensucher. Die nächste wird gerade für Ende März in der westenglischen Stadt Kingston upon Hull vorbereitet.

Von dem Treffen erwarten Fans Neuigkeiten über geheimnisvolle Wesen auf der Liste der „Top Ten Cats”. An der Spitze steht das „Biest vom Bodmin-Moor”. Ausgerechnet in der Ferienregion Cornwall reißt dieser „leopardenartige” Räuber seit Jahren immer wieder Kühe und Schafe, um dann jeweils lange Zeit unterzutauchen.

Populär sind auch die Geschichten um den „Löwen von Dartmoor”, obwohl von ihm eigentlich nichts weiter gesichtet wurde, als der Abdruck einer 15 Zentimeter langen Pranke. Mehr ein Phantom als ein greifbarer Großkater ist auch der „Surrey Puma”. Er soll seit Anfang der 60-er Jahre südwestlich von London Spaziergänger erschrecken.

Angriffe auf Menschen wurden bislang selten gemeldet. Allerdings gab es ein paar aufregende Fälle. So wurde im Sommer 2000 in dem walisischen Dorf Trellech angeblich ein Junge von einer Bestie angesprungen. Der Elfjährige sei nur knapp mit dem Leben davon gekommen, hieß es in Berichten über den „Terrortiger von Trellech”.

Etwa 2500 Augenzeugenhinweise hat die British Big Cats Society (BBCS) seit 2004 gezählt. Und Mark Fraser, Gründer der Konkurrenz- Gruppe „Big Cats in Britain” (BCIB), sagt: „Jeden Tag rufen uns Menschen an, die glauben, Großkatzen gesehen zu haben.”

Alles Unsinn, heißt es beim Ministerium für Umwelt und ländliche Angelegenheiten in London. Immer wieder erwiesen sich Pumas oder Luchse nach dem Abschuss als Füchse. „Wir glauben nicht, dass Großkatzen wild in Großbritannien leben.” Das könne die Enthusiasten nicht bremsen, sagt Sophie Stafford vom BBC-Programm „Wildlife”. „Der Gedanke an frei herumlaufende Großkatzen beflügelt ihre Fantasie.”

„Woher sind sie zu uns gekommen?”, lautet eine der wichtigsten Fragen der bevorstehenden Big-Cat-Konferenz. Zu den schlichteren Theorien gehört, dass sie einfach ausgesetzt wurden. Derzeit halten britische Privatleute zwölf Löwen, 14 Tiger und 50 Leoparden als Haustiere - mit staatlicher Erlaubnis. Daneben gibt es eine unbekannte Zahl von „Schwarzbesitzern”. Sie stehen im Verdacht, ihre gefährlichen Lieblinge ab und zu zum Jagen rauszulassen.

Bis 1981 eine Lücke im Gesetz geschlossen wurde, war es formaljuristisch legal, seinen Hauspanter im Wald auszusetzen. Nicht wenige Großkatzenfans vertreten eine andere Theorie: Die Big Cats sollen von Raubtieren abstammen, die einst die Römer für ihre Zirkus- Vorstellungen mitgebracht hatten.

Einige wenige glauben sogar, der „Terrortiger von Trellech” und andere Biester seien Nachfahren von Großkatzen, die irgendwie die Eiszeit überlebt haben. Unstrittig ist immerhin die Faustregel des BBCS für den Fall der Begegnung mit einer echten Raubkatze: „Nicht annähern, nicht bedrohen, aber berichten!”