Glosse zum Sicherungsgraben: Eine Rinne gegen Revoluzzer und Randalierer

Glosse zum Sicherungsgraben : Eine Rinne gegen Revoluzzer und Randalierer

Das ist ja auch kein Zustand. Seit Jahren werden die Besucher des Deutschen Bundestages im ehemaligen Reichstagsgebäude (Amtsbezeichnung DeBimeRei) durch ein schäbiges Provisorium aus Gittern und Containern geschoben, ehe sie die Abgeordneten bei ihrem Dienst am Vaterland beobachten können. Nun aber sollen die Baracken am Checkpoint Wolfgang (Schäuble) endlich weichen. Recht so!

Weil Wirrköpfe allenfalls nach einem Wahlsieg im Parlament Platz nehmen sollen, nicht aber nach einem Sturm auf das Hohe Haus, will der Grenzschutz wohl bedacht sein. Und da der Deutsche eine lange Tradition im Errichten von Wehranlagen aller Art pflegt (Burg Eltz, „Wolfsschanze“, Jägerzaun), sind viele Ideen wie etwa die Verlegung der Spree (Modell „Hallig“) entwickelt worden. Stararchitekt Norman Foster regte an, eine Glaskuppel über den gesamten Bau zu stülpen, ein betagter bulgarischer Aktionskünstler schlug gar vor, das gesamte Regierungsviertel in schussfeste Folie zu wickeln (Modell „Christo“). Und niemand, wirklich niemand hatte je die Absicht, einen demokratischen Schutzwall aus gut erhaltenen Mauerelementen (Modell „Erich“) zu errichten. Stattdessen soll jetzt ein Graben den wilhelminischen Klotzkasten schützen.

Die AfD scheiterte mit dem Antrag, man könne ja einen der zahlreichen, von ihr aufgerissenen politischen Gräben weiterverwenden. Denn natürlich wird das nicht eine schnöde braune Riesenfurche (wir sind ja in Berlin), sondern ein „Aha-Graben“, der so heißt, weil man ihn erst bemerkt, wenn man bereits hineingestürzt ist. Weswegen er besser „Oha!“-Graben heißen sollte. Und ist der erst einmal fertig (voraussichtlich im Herbst 2042, oder Spätsommer 2049, so genau möchte man sich da nicht festlegen, wir sind ja in…) wird die Rinne nicht nur verlässlich Revolutionäre und Randalierer abhalten. 

Sondern auch den Insassen des Hauses neue Möglichkeiten bieten. Der berühmte „Hammelsprung“ ließe sich weit unterhalt­samer vor der Türe des Parlaments gestalten, die Union könnte dort ihre Grabenkämpfe austragen, die SPD auf dem Grund des Bauwerks nach ihren Umfragewerten suchen und die AfD-Fraktion endlich im eigenen Schützengraben tagen. Fürwahr eine lohnende Investition. Oder wie D. H. Lawrence gesagt hätte: „Anderen eine Grube zu graben ist anstrengend, doch es zahlt sich fast immer aus.“

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