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München: Ein Bierpalast feiert Geburtstag: 400 Jahre Münchner Hofbräuhaus

München : Ein Bierpalast feiert Geburtstag: 400 Jahre Münchner Hofbräuhaus

In München hat das Bier seinen eigenen Palast. Seit 400 Jahren fließt im Hofbräuhaus am Platzl auf herzoglichen Befehl hin bayerisches Bier aus dem Zapfhahn. Herzog Maximilian I. ließ 1607 den Grundstein für die Kultstätte des Gerstensaftes legen.

Heute kennt jeder Besucher Münchens, egal aus welchem Teil der Erde er kommt, zumindest zwei deutsche Wörter: Oktoberfest und Hofbräuhaus.

Am Samstag wird der 400. Geburtstag des Hofbräuhauses mit Blasmusik, Schweinebraten und natürlich viel Hofbräubier zünftig gefeiert. Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) wird ein Jubiläumsfass in der Schwemme anstechen, damit 100 Liter Freibier für die Gäste fließen können. Als Geschenk bringt Faltlhauser zudem die Bronzefigur eines Braugehilfen mit. Eine solche Figur hatte lange Zeit den Erkergiebel des Hofbräuhauses geziert, bis sie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs unter ungeklärten Umständen verschwand.

Die Stadt München hat dem Hofbräuhaus nicht nur Touristenströme zu verdanken, sondern auch die Verschonung vor den Schweden im Dreißigjährigen Krieg. Im Jahr 1632 sei es gelungen, die schwedischen Truppen vor den Toren der Stadt mit 3000 Reichstalern und 1000 Eimern Hofbräubier zu besänftigen, sagt der Pressesprecher der Hofbräubrauerei, Stefan Hempl. Der gute Geschmack des Hofbräubieres habe sich eben bereits damals herumgesprochen.

Wenn es das Hofbräuhaus nicht gegeben hätte, stünde München seit 1823 vielleicht auch ohne Oper da. In der Nacht zum 15. Januar sei damals das Nationaltheater lichterloh in Flammen gestanden, erzählt Hempl. Da das Löschwasser in diesem strengen Winter eingefroren gewesen sei, habe man große Bottiche Bier aus dem Hofbräuhaus herangeschafft und das Opernhaus damit vor der völligen Zerstörung retten können.

Großes Brauereigeheimnis ist die Zahl der Maßen, die täglich an durstige Gäste über den Tresen gereicht werden. An Spitzentagen werden von den rund 100 Kellnern und Bedienungen aber bis zu 30.000 Besucher mit bayerischen Spezialitäten versorgt, verrät Hempl. Dabei gönnt sich das bayerische Wirtshaus schlechthin keinen Ruhetag. „Selbst an Weihnachten können Sie hier ein Bier bestellen”, sagt Hempl. Täglich um 9.00 Uhr öffnet das Hofbräuhaus seine Pforten. Bereits fünf Stunden vorher beginnt in der hauseigenen Metzgerei die Produktion der Weißwürste.

Rund die Hälfte der Besucher sind nach Angaben des Hofbräuhauses Stammgäste, die ihre Bierkrüge größtenteils im „Maßkrugsafe” der Brauerei verschlossen haben. Ihren liebsten Platz im vielleicht berühmtesten Wirtshaus der Welt würden diese Gäste für nichts tauschen wollen, ist sich Hempl sicher. Der Dienstmann Alois Hingerl habe selbst als Engel im Himmel gestänkert: „Ja, wann kriagt ma nacha was z´trink´n?” Seinen Seelenfrieden habe der Engel Aloisius aus dem Ludwig Thoma Stück „Ein Münchner im Himmel” erst gefunden, als er wieder im Hofbräuhaus gesessen sei.

Illustre Gäste wurden im Hofbräuhaus bereits bewirtet. Wolfgang Amadeus Mozart sei 1780 regelmäßig Gast im Hofbräuhaus gewesen, sagt Hempl. Auch Kaiserin Sissi habe bei jedem ihrer Besuche in München im Hofbräuhaus ein paar Schluck Bier genossen. Selbst der russische Revolutionsführer Lenin habe 1913 mit seiner Ehefrau Nadeshda das Hofbräuhaus besucht, setzt Hempl die Gästeliste fort. Nadeshda habe dazu in ihren Lebenserinnerungen geschrieben: „Besonders gerne erinnern wir uns an das Hofbräuhaus, wo das gute Bier alle Klassenunterschiede verwischt.”