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Duisburg: Duisburger Mafia-Fahnder sind Killern weiter auf der Spur

Duisburg : Duisburger Mafia-Fahnder sind Killern weiter auf der Spur

Einen Monat nach den eiskalten Mafia-Morden in Duisburg sucht die Polizei noch immer weltweit nach den Tätern. Am 15. August, dem bedeutungsvollen Feiertag Mariä Himmelfahrt, war eine blutige Familienfehde zweier kalabrischer Mafiafamilien auf deutschem Boden eskaliert.

Sechs Italiener, fast alle Mafiamitglieder, waren in ihren Autos vor einem italienischen Restaurant in Duisburg von zwei Killern mit Schnellfeuerwaffen erschossen worden. Die Schützen nahmen Rache für den den Mord an der Ehefrau eines Clanchefs am vergangenen Weihnachtsfest in der kalabrischen Mafia-Hochburg San Luca. Dabei wurde auch deren Sohn verletzt.

Rätselraten herrscht noch immer darüber, ob es die Killer vom Strangio-Nirta-Clan nur auf einen der Männer des gegnerischen Pelle- Romeo-Clans abgesehen hatten, der wenige Tage zuvor von Kalabrien nach Duisburg kam. Er soll auf Waffeneinkaufstour in Duisburg gewesen sein. In Italien stand Marco Marmo unter Beobachtung, war der Polizei aber nach Deutschland entwischt, ist den spärlichen Angaben der deutschen und italienischen Behörden zu entnehmen. Möglich wäre auch die Variante, dass die Killer alle sechs Opfer gezielt ermordeten, weil sie dem gegnerischen Clan zugerechnet wurden.

In der Mordnacht hatte in dem Duisburger Restaurant vermutlich ein Aufnahmeritual in die kalabresische Mafia-Gruppe Ndrangheta stattgefunden. Bei den Opfern war ein Bild des Erzengels Gabriel mit herausgebranntem Kopf gefunden worden. Es ist der Schutzheilige der italienischen Polizei. Dieses Feuer-Ritual wird bei der Aufnahme in die Ndrangheta vollzogen.

Die bisher größte Leistung der Mordkommission, zu der deutsche und italienische Mafiaspezialisten gehören, ist es, dass sie einen der beiden Killer identifizierten. Giovanni Strangio ist Chef zweier Pizzerien im rheinischen Kaarst. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. „Wir gehen inzwischen 600 Hinweisen nach und ermitteln in alle Richtungen”, sagt die Duisburger Polizei. Aussagekräftigere Erklärungen lässt die Mordkommission nicht nach Außen dringen.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht neben der Suche nach den Mördern die Frage, was die italienische Polizei ihren deutschen Kollegen über Marco Marmo Wochen vor der Mordnacht übermittelt hat. Mafioso Marmo war schon einmal im Juni nach Duisburg gereist. Diesen Besuch hatten die Italiener mitbekommen und ihre Erkenntnisse auch über das Bundeskriminalamt (BKA) weitergegeben.

Was die Italiener sonst noch mitgeteilt haben, halten Polizei, BKA und Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) unter Verschluss. Die Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag äußerte schon den Verdacht, dass die Duisburger Polizei vor dem Sechsfachmord umfassende Hinweise der Italiener auf Mafia-Aktivitäten in Duisburg erhalten habe.

Weitere Bluttaten der Clans auf deutschen Boden erwartet die Polizei derweil nicht. Neue Morde der Familienclans werden eher in Kalabrien befürchtet. Ende August hatten Polizei und Carabinieri in Süditalien 32 mutmaßliche Mitglieder der Ndrangheta festgenommen. Sie alle sollen in die Familienfehde in San Luca verwickelt sein. Einige der Gesuchten waren jedoch rechtzeitig geflohen.

Einen positiven Nebeneffekt haben inzwischen die Ermittlungen der Duisburger Mordkommission erreicht: Durch die direkte Zusammenarbeit mit italienischen Mafiajägern weiß sie mehr über die Mafiastrukturen in der eigenen Stadt und im eigenen Land. Dass in Deutschland neben der Ndrangheta mit ihrem Kokainhandel auch die Cosa Nostra und die Camorra aktiv sind, ist den überregionalen Fahndern aber nicht erst seit dem 15. August bekannt.