1. Panorama

Domschweizerinnen schlagen sich gut in ihrem neuen Job

Positive Bilanz : Domschweizerinnen haben erste Monate hinter sich

Tausende Touristen besuchen jeden Tag den Kölner Dom – da muss es schon Aufpasser geben, damit sich keiner daneben benimmt. Früher war das eine reine Männeraufgabe. Doch seit kurzem dürfen auch Frauen die altehrwürdige Arbeit des Domschweizers übernehmen.

Der Dom-Besucher will sich gerade neugierig in den abgesperrten Altarbereich schleichen, als jemand in einer roten Robe herangerauscht kommt: „Dorthin bitte nicht“, ruft Claudia Drolshagen. Mit freundlichem Lächeln aber deutlicher Geste winkt sie den Mann zurück, der entschuldigend nickt und dann schnell in den Besuchermassen des Kölner Doms verschwindet. Als Domschweizerin sorgt Drolshagen in Deutschlands größter Kathedrale für Ordnung. Sie ist eine der ersten Frauen, die dieses altehrwürdige Amt bekleidet.

Denn Domschweizer – eine Art Dom-Hausmeister – war über Jahrhunderte eine reine Männerbastion. Erst in diesem Jahr wurde mit der Tradition gebrochen, seit Mai sind vier der 30 Domschweizer Frauen. Wie ihre männlichen Kollegen tragen sie stolz ihre auffälligen Roben, die aus dem Halbdunkel des mächtigen Gotteshauses schon von weitem wie rote Punkte hervorstechen. So kann man sie schnell finden – denn die wichtigste Aufgabe der Schweizer ist es, Ansprechpartner für die täglich bis zu 30.000 Dom-Besucher zu sein.

Und die kommen teils mit vielen Fragen – von „Wo sind die Heiligen drei Könige?“ bis zu „Wo sind die Toiletten?“. Vieles können Drolshagen und ihre Kolleginnen auf Anhieb beantworten. Wenn es zu speziell wird, fragen sie per Funk einen erfahreneren Kollegen um Rat. Die Männer seien sehr hilfsbereit: „Die haben uns wirklich mit offenen Armen aufgenommen“, sagt die 55-jährige Drolshagen.

„Wir haben den Schritt nicht bereut, auch Frauen einzustellen“, bekräftigt Propst Gerd Bachner, der Hausherr des Doms. „Natürlich war es für alle Neuland, aber inzwischen haben alle Kollegen verstanden, dass die Damen eine Bereicherung sind anstatt dass etwas verloren ginge.“ Das ganze Team verbinde „die Liebe und Begeisterung zum Dom“ – und darauf komme es an.

Ausschreibung sprach Hedi Michels sofort an

Das ist auch bei Drolshagen und ihrer Kollegin Hedi Michels deutlich spürbar. „Als die Stelle ausgeschrieben wurde, war für mich klar, dass ich Domschweizerin werden muss“, erzählt Michels mit strahlendem Gesicht. Glaube und Kirche seien seit ihrer Kindheit feste Bestandteile ihres Lebens. „Aber während mein Bruder früher Messdiener sein durfte, musste ich im Gottesdienst bei meinen Eltern in der Bank sitzen“, sagt die 57-Jährige, die für die Arbeit im Dom ihre Stelle als Krankenschwester reduziert hat.

Im Dom haben Michels und Drolshagen viele Aufgaben: Türen auf- und zuschließen, Kerzen- und Schriftenständer auffüllen, die Gottesdienste mit vorbereiten. Das schönste sei jedoch der Kontakt mit den Menschen aus aller Welt. „Man trifft hier wirklich jeden: Leute aus aller Herren Länder, jeden Alters und jeder Religion“, sagt Drolshagen. „Aber die meisten sind freundlich.“

Manche Touristen betrachteten den Dom allerdings nicht als Gotteshaus, sondern als reine Sehenswürdigkeit – und benähmen sich entsprechend. „Ab und zu müssen wir jemanden in seine Schranken weisen“, erzählt die gelernte Altenpflegerin. Telefonieren und essen zum Beispiel sind im Dom nicht erlaubt. „In der Regel reagieren die Leute verständnisvoll.“ Und wer höflich fragt, darf mit den Domschweizerinnen auch mal ein Selfie machen.

(dpa)