Aachen: Die Hitze drosselt die Stromversorgung

Aachen : Die Hitze drosselt die Stromversorgung

Obwohl die Sommerzeit für die Energieversorgung prinzipiell eine unkritische Jahreszeit ist, machen besonders heiße Sommer wie dieser immer wieder Probleme. Wie RWE auf Anfrage unserer Zeitung am Donnerstag bestätigte, müssen die Atomkraftwerke (Akw), die ihr Kühlwasser aus Flüssen beziehen, die Leistung desto mehr drosseln, je wärmer es wird. Der Grund: Das verbrauchte Kühlwasser darf eine bestimmte Temperatur nicht überschreiten, wenn es zurück in die Flüsse geleitet wird.

Auch andere Kraftwerke sind von der Hitze betroffen. Das Steinkohlekraftwerk Bergkamen A etwa musste seine Leistung am Mittwoch um 150 Megawatt drosseln.

Die Lufttemperatur war so hoch, dass der Kühlturm des Kraftwerksblocks nur noch 30 Grad warmes und damit unbrauchbares Kühlwasser ins System speiste. Ähnliche Szenarien drohen vielen deutschen und europäischen Kraftwerken, wenn Trockenheit und Höchsttemperaturen so bleiben wie bislang prognostiziert.

Anders sieht es bei der Solarenergie aus. Von den etwa 71.000 Megawattstunden, die laut Bundesnetzagentur Donnerstagmittag um 12 Uhr in Deutschland gebraucht wurden, lieferten Photovoltaikanlagen etwa 36 Prozent. Dass dieser Anteil nachts auf null sinkt, versteht sich. Auch die Windenergie, die in Spitzen mehr als 50.000 Megawatt zu liefern in der Lage ist, lieferte Donnerstagmittag kaum noch 5000 Megawattstunden.

Höchsttemperatur unterschreiten

Anders ist es bei den Braunkohlekraftwerken im Rheinischen Revier und in der Lausitz. Die riesigen Kraftwerke arbeiten von der Hitze weitgehend unabhängig, da sie zur Kühlung Sümpfungswasser nutzen, das im Sommer wie im Winter, weil es tief aus der Erde gepumpt wird, konstant 20 Grad hat. Auch mit der Ableitung des verbrauchten Kühlwassers in die Flüsse gibt es laut RWE-Sprecher Jan-Peter Cirkel keine Probleme: Es wird so oft durch den Kühlkreislauf geleitet, bis die zur Einspeisung vorgeschriebene Höchsttemperatur unterschritten wird.

Wenn Kraftwerksbetreiber in den nächsten Wochen immer weniger Strom produzieren, verteuert das den Strompreis für Großabnehmer. An der europäischen Energiebörse in Leipzig stieg der Preis für eine Megawattstunde seit Monatsbeginn von knapp 35 auf inzwischen fast 60 Euro an.

So zuverlässig die Braunkohle Energie zu liefern in der Lage ist — Donnerstagmittag waren es in Deutschland mehr als 14.000 Megawattstunden, fast doppelt so viel wie die Kernenergie —, so sehr steht sie politisch und gesellschaftlich unter Druck: Die Braunkohlekraftwerke produzieren einen großen Teil der gesamten deutschen CO2-Emissionen. Die gerade eingesetzte Kohlekommission der Bundesregierung soll in schon kurzer Zeit Szenarien entwickelt haben, die einen früheren Ausstieg aus der Braunkohle aufzeigen.

Die Klimaschutzziele

Die drei Tagebaue des Rheinischen Reviers sollen bis 2030 (Inden), 2040 (Hambach) und 2045 (Garzweiler) ausgekohlt sein, danach würden die Kraftwerke des Rheinischen Reviers endgültig abgeschaltet.

Ob sie aber tatsächlich so lange laufen, erscheint aufgrund des gesellschaftlichen Drucks und der Klimaschutzziele, zu deren Einhaltung sich die Bundesregierung verpflichtet hat, im Moment eher unwahrscheinlich. Was die Politik dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie die Versorgungssicherheit auch ohne die Braunkohle zu gewährleisten sein wird.

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