Berlin/Köln: Deutschland feiert Silvester: „Wir lassen uns das nicht vermiesen”

Berlin/Köln : Deutschland feiert Silvester: „Wir lassen uns das nicht vermiesen”

Selfie-Sticks werden in die Höhe gestreckt, 90er-Jahre-Hits dröhnen durch die Nacht. Um Mitternacht leuchtet ein Feuerwerk minutenlang am Himmel über dem Brandenburger Tor. Ein normales Silvester in Berlin? Wie hier in der Hauptstadt ist vieles anders als sonst.

Diesmal wird Deutschlands größte Silvesterparty mit deutlich mehr Polizei und hinter Betonsperren gefeiert. Auch in Köln, Frankfurt und München ist die Stimmung zeitweise angespannt. Ein Terroranschlag vor rund zwei Wochen in Berlin erschütterte viele Menschen: Ein Lkw rast auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche, zwölf Opfer sterben.

Unter den Toten und Verletzten sind viele Touristen. Dennoch sind viele Besucher aus der ganzen Welt gekommen, um am Brandenburger Tor ins neue Jahr zu feiern. Der Veranstalter spricht von Hunderttausenden. Abends warten so viele Besucher an den Kontrollen, dass Eingänge geschlossen werden.

Auch auf die Feiern in Köln schauten viele Menschen genau. Vor einem Jahr gerieten dort enthemmte Männergruppen außer Rand und Band, zündeten wie wild Feuerwerk, begrapschten und beraubten Frauen. Unter den Beschuldigten waren viele Flüchtlinge. Die Ereignisse sorgten international für Entsetzen.

In diesem Jahr wollten Stadt und Polizei alles besser machen, seit Monaten liefen die Vorbereitungen. Die Welt werde an dem symbolträchtigen Tag nach Köln schauen, hieß es. Deswegen hatte man auch den Berliner Lichtkünstler Philipp Geist engagiert, um die Gegend um den weltbekannten Dom mit Licht, Nebel und sphärischen Klängen zu einer Attraktion zu machen.

Was die Welt an Silvester 2016/17 in Köln allerdings auch sieht, ist sehr viel Polizei. 1500 Beamte sind planmäßig im Einsatz, zehnmal so viele wie vor einem Jahr. In Trupps laufen sie etwa über die Domplatte, die in diesem Jahr von Absperrgittern umringt ist. An den Einlassstellen werden Taschen auf Feuerwerk kontrolliert - es gilt eine „böllerfreie Zone”.

Am Hauptbahnhof sieht es kurzzeitig so aus, als braue sich etwas zusammen. Junge Männer werden von Beamten eingekreist und kontrolliert. Die Polizei sagt, sie ähnelten äußerlich „der Klientel vom vergangenen Jahr” - vor allem aus Nordafrika. Polizeipräsident Mathies spricht von 1000 Personen, er habe Verstärkung angefordert.

Die allerbesten Voraussetzungen für eine ausgelassene Party sind solch strenge Vorkehrungen eigentlich nicht. Ob es eine Option gewesen sei, nicht zur Party am Brandenburger Tor zu gehen? „Auf keinen Fall. Wir lassen uns das doch nicht vermiesen”, sagen zwei Berlinerinnen mit blinkenden Party-Brillen und bestellen den nächsten Glühwein.

Die Polizei erlebt die Stimmung auf der Partymeile ebenfalls als überwiegend ausgelassen. Dass mit den Ordnungshütern nicht zu spaßen ist, erfährt ein Besucher am eigenen Leib. Er soll „Bombe, Bombe, Bombe” gerufen haben. Die Antwort beschreibt die Polizei kurz und knapp bei Twitter: „Festnahme & Anzeige. Er feiert nun #Welcome2017 bei uns.”

Doch nicht für alle war es eine fröhliche Party. Es habe vereinzelt Festnahmen wegen Rangeleien gegeben, berichtet die Polizei. Außerdem seien zwei Fälle von sexueller Belästigung gemeldet worden. Drei Frauen schilderten der Deutschen Presse-Agentur, sie seien vor der Hauptbühne mehrfach begrapscht worden. „Ich bin im Gedränge an Stellen berührt worden, an denen man nicht berührt worden möchte”, erzählt eine junge Schottin. Wie viele der Betroffenen zur Polizei gehen werden und ob sich dahinter ein größeres Ausmaß verbirgt, ist offen.

(dpa)
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