Der Osterhase im Interview: Über Eier, Verstecke und Nester zu Ostern

Interview mit dem Osterhasen : Sagen Sie mal, Herr Hase, ...

Der Osterhase ist kaum zu fassen, geschweige denn, dass er für ein Interview zur Verfügung steht – unserer Zeitung ist es dennoch gelungen. Der Eierprofi stellt die Ohren weltexklusiv für unsere Fragen auf.

Von Kindern geliebt, in der Nacht auf Sonntag beschäftigt wie sonst nie im Jahr und von Sagen umwoben: der Osterhase. Was er bringt, liegt heute allerorten in Nestern und auf Frühstückstellern, aber er selbst ist kaum jemals zu sehen. Unseren Mitarbeitern Kurt Meister und Paul Lampe ist es trotzdem in dieser Woche gelungen, mit ihm zu sprechen.

Herr . . . äähhmm – wie dürfen wir Sie ansprechen?

Hase: Hase. Mein Name ist Hase.

Und Sie sind der Osterhase?

Hase: Derzeit ja – blöderweise. Es ist und bleibt die dämlichste Erfindung aller Zeiten.

Sind Sie nicht gerne Osterhase?

Hase: Die Frage ist doch wohl nicht ernst gemeint.

Doch. Warum?

Hase: Keiner von uns macht das gerne. Die anderen Tiere können vor Begeisterung doch kaum an sich halten. Alle guten Plätze auf den Bäumen rund um die Felder sind seit Monaten ausgebucht. Da liegen Hund und Katze, Hamster, Reh und Wildschwein in der Osternacht auf den Ästen und lachen sich schlapp, wie wir über die Felder rasen. In Tierkreisen in Feld und Wald hat die Osternacht einen geradezu legendären Ruf wie das Pferderennen in Ascot.

Sie sagten „keiner von uns“. Es gibt also außer Ihnen noch mehr Osterhasen?

Hase: Ja, glauben Sie denn, ich mache das alleine – von Aachen bis Görlitz? Was haben Sie denn für Ideen? Alle müssen ran.

Die Vorstellung vom Osterhasen sorgt ja immer wieder für Irritationen.

Hase: Was meinen Sie denn jetzt wieder? Welche Vorstellung?

Also – die Idee, dass es überhaupt einen Osterhasen gibt.

Hase: Ja, mein Gott, ich sitze doch hier vor Ihnen. Was haben Sie denn gedacht, wer ich bin? Der Weihnachtsmann?

Nein, so sehen Sie ja nicht aus.

Hase: Eben.

Wir meinten nur, dass zum Beispiel Eltern heutzutage ihren kleinen Kindern kaum erklären können, dass Hasen Eier legen.

Hase: Wie bitte??? Welcher Hase legt denn Eier?

Wir dachten: Sie.

Hase: Hühner legen Eier!!!

Ja eben.

Hase: Ja eben. Ich male Eier an und muss jedes Jahr neue Verstecke in den Gärten suchen, damit Sie Ihren Spaß haben.

Oft sind die Ostereier aber in der Wohnung versteckt.

Hase: Wir kommen durch den Schornstein.

Wie der Weihnachtsmann.

Hase: Aber wir bleiben nicht so oft stecken.

Lenkt das Getue um die Ostereier vom eigentlichen Sinn des Osterfestes ab?

Hase: Der eigentliche Sinn des Osterfestes bin ich.

Nein, wir meinen die religiöse Bedeutung.

Hase: Ich bin kein Theologe, sondern in Produktion und Vertrieb tätig. Ein Bekannter von mir – drei Felder weiter – hat Theologie studiert. Den können Sie ja mal fragen.

Das ist ja toll – ein Theologenhase.

Hase: So toll ist das nicht. Der sitzt ständig über seinen Büchern, betet, und kommende Nacht können Sie den auch vergessen. So kommen wir Ostern ja nicht weiter. Wir haben wirklich genug zu tun.

Und Sie sorgen ja auch mehrmals im Jahr für Nachwuchs.

Hase: Moment – keine Legenden! Die sich in dieser Hinsicht nicht zurückhalten können, sind in der Regel die Karnickel. Deshalb haben die auch keine Zeit, Eier zu verteilen. Oder haben Sie mal was von Osterkaninchen gehört?

Was ist, wenn es Ostern schneit.

Hase: Dann rutschen wir schneller aus.

Eier sind empfindliche und zerbrechliche Gebilde. Sie müssen wahrscheinlich so oder so höllisch aufpassen.

Hase: Das ist Übungssache. Und was kaputt geht, geht eben kaputt. Das ist nicht schlimm.

Nein? Warum nicht?

Hase: Daraus machen wir Eierlikörchen.

Weiß Udo Lindenberg das?

Hase: Na klar, das ist unser bester Kunde.

Wie viel Eierlikör kommt denn bundesweit pro Saison zusammen?

Hase: Rund vier Millionen Liter.

Donnerwetter.

Hase: Es waren auch schon mehr. Ein Viertel nimmt Udo uns ab.

Bezahlt er das?

Hase: Ja, was denken Sie denn? Wir sind ja nicht von der Caritas. Mit den Einnahmen finanzieren wir die Eierfarben für das kommende Jahr.

Bleiben aber noch drei Millionen Liter Eierlikör übrig.

Hase: Die werden unter allen Hasen verteilt. Das macht für jeden immerhin einen Liter. Deshalb sind die Hasen im weiteren Verlauf der Osterwoche in der Regel auch völlig knülle.

Da haben die Jäger leichtes Spiel.

Hase: Manche von uns sind auch mit zwei bis drei Promille immer noch schneller, als die gucken können. Aber für unsere Senioren ist es schon ein Problem. Die haben dann nur die Genugtuung, dass ein alter Hase als Braten nicht gerade der Knaller ist. Außerdem fehlen die Kollegen beim nächsten Osterfest. Wenn wir zu wenige werden, kann nicht mehr jeder Haushalt beliefert werden. Da müssen die Jäger sich schon entscheiden: Schießen oder Eier suchen? Beides geht nicht.

Zum Schluss noch ein sehr ernstes Thema: Der Wolf kommt näher und ist offensichtlich schon in der Eifel.

Hase: Ach, hören Sie doch auf mit diesen Wolfsmärchen; das ist ja lächerlich.

Was heißt „lächerlich“? Die Eifel ist sogar sogenanntes Wolfserwartungsland.

Hase: Ja, ja, man kann es kaum erwarten. Sie dürfen uns nicht in eine Ecke stellen mit blöden Schafen, die ständig rumblöken, aber keine Ahnung haben. Die Hälfte der Wölfe ernährt sich heute bereits vegan. Wir hatten erst vor vier Wochen zum Frühlingsanfang einen Bunten Abend mit den Wölfen. Es war herrlich, und wir haben alle gemeinsam mein Lieblingslied gesungen: „Ei am what Ei am“. In der Eifel gibt es zudem einen schönen alten Osterbrauch: Da verstecken die Hasen nicht nur Eier, sondern auch Wölfe – ein großartiger Spaß!

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