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Lentförden: Der nach dem Golfball taucht

Lentförden : Der nach dem Golfball taucht

Golfspieler fürchten es aus zweierlei Gründen. Das Plumps-Geräusch eines im Wasser landenden Balles kann zum einen eine Erhöhung ihres Handicaps nach sich ziehen.

Zum anderen kostet es den Spieler bares Geld, schließlich ist der Ball weg und für den nächsten Schlag wird ein neuer gebraucht. Für Sascha Kruse dagegen klingt dieses Geräusch wie Musik in seinen Ohren.

Der 33 Jahre alte Golfplatztaucher aus dem schleswig-holsteinischen Lentförden lebt von den Fehlschlägen norddeutscher Golfspieler. Bis zu 80.000 versenkte Bälle befördert er Jahr für Jahr auf Golfplätzen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen wieder ans Tageslicht. Gesäubert und sortiert bringt er sie anschließend wieder an den Mann.

Bereits als Jugendlicher habe er Bälle rund um einen Golfplatz in der Nähe gesammelt und an die Spieler verkauft, erzählt er. „Irgendwann hab ich eine Wathose angezogen und bin ins Wasser gestiegen, weil da schließlich die meisten Bälle zu finden sind”, erinnert er sich. Seine Vorgehensweise wurde mit der Zeit immer professioneller.

Kruse absolvierte eine Tauchausbildung und meldete 2003 ein Nebengewerbe an. Im vergangenen Jahr hing er seinen Job als Kaufmann bei einem dänischen Sportartikel-Hersteller an den Nagel und machte sich selbstständig.

Seitdem taucht Kruse auf gut zwei Dutzend Golfplätzen im Norden regelmäßig ab. Mehrere Hundert Golfbälle „fischt” er manchmal aus den bis zu 4,50 Meter tiefen Teichen. Dabei verliert der Schleswig-Holsteiner trotz teilweise schlechter Sicht unter Wasser nie den Überblick: „Alles, was hart und rund ist, ist ein Golfball”, sagt er. Etwa zehn Prozent der wieder ans Tageslicht beförderten Bälle sind aber so ramponiert, da sie sich nur noch als Massenware an Crossgolfer verkaufen lassen. Gelegentlich holt Kruse bei seinen Tauchgängern auch Golfschläger vom Grund.

Die Golfclubs, in deren Seen Kruse taucht, erhalten von ihm eine Provision. Nach einem Tag auf dem Golfplatz schleppt Kruse in der Regel taschenweise Golfbälle nach Hause. Auf den meisten Anlagen steigt der Norddeutsche nur einmal im Jahr ins Wasser. Auf „guten” Plätzen taucht er hingegen zweimal pro Jahr. Für die Reinigung der ehemals glänzend weißen Kugeln hat Kruse ein spezielles Flüssigkeitsbad sowie mittlerweile eine professionelle Ballwaschmaschine. „Wenn das Wasser der Teiche eisenhaltig ist, sind die Bälle mitunter braun”, sagt er. Anfangs arbeitete der mit einer Waschmaschine, in die sein Schwager zahlreiche Bürsten eingebaut hatte.

Nach der Reinigung verkauft er die geputzten und sortierten Bälle über das Internet an Golfspieler aus ganz Deutschland und in den Golfshops der norddeutschen Golfplätze. „Die Bälle kosten bei mir in gutem Zustand durchschnittlich etwa ein Drittel des Neupreises”, sagt er. Bis zu vier Euro kosten nagelneue Golfbälle im Laden. Körbeweise lagern die Fundstücke im Keller von Kruses Haus, fein säuberlich nach Zustand und Marke in unterschiedliche Körbe sortiert.

Die meisten seiner Kunden ordern gleich 50 oder 100 Bälle auf einmal. Sogenannte Logobälle mit Werbung für Autos oder Softdrinks sind auch einzeln erhältlich. Die sammelt der Golfplatztaucher selbst. Rund 2000 Stück hängen in seinem Lagerraum in Glasvitrinen an der Wand. Abschlagen tut er sie nicht. „Ich spiele kein Golf”, sagt Kruse.