„Humor hinter Gittern“: Das Lachen im Gefängnis in Buch zusammengestellt

„Humor hinter Gittern“ : Das Lachen im Gefängnis in Buch zusammengestellt

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Zwei Gefängnisseelsorger aus Hessen haben den Witzen hinter schwedischen Gardinen nachgespürt. Häftlinge und Vollzugsbeamte haben ihre besten Gags beigesteuert.

„Sagt der Richter zum Angeklagten: ‚Sie können wählen zwischen zehn Tagen Gefängnis und 1000 Euro.’ Antwort des Angeklagten: ‚Dann nehme ich das Geld.’“

Menschen reißen oft und gern Witze über das Gefängnis. Dass aber auch Häftlinge sich Witze erzählen, ist eher wenigen Leuten bewusst. Die beiden Seelsorger der Justizvollzugsanstalt im hessischen Hünfeld Andreas Leipold und Meins Coetsier haben nun Gags aus dem Knast gesammelt und in dem Buch „Humor hinter Gittern“ zusammengestellt. Die treffende Unterzeile: „Der hat gesessen!“

Einer, der auch seinen Spaß mit dem Buch hat, ist Rainer Kaufmann (Name auf Wunsch des Häftlings geändert). Er sitzt seit fast zwei Jahren wegen Betrugs in Haft – und hat noch einige Jahre vor sich in seiner Elf-Quadratmeter-Zelle. Der 66-Jährige aus dem nahen Fulda sagt: „Anfangs vergeht einem das Lachen, wenn man hier reinkommt. Aber ich habe mir vorgenommen, mir meine Fröhlichkeit nicht nehmen zu lassen. Humor kann die Haft ungemein erleichtern. Wenn man herzhaft lachen kann, hilft das aus emotionalen Tiefs. Man muss auch zusehen, dass man seine Zeit hier sinnvoll und angenehm gestaltet.“

Der katholische Seelsorger Meins Coetsier ist einer der zwei Initiatoren des Buchprojekts. Dass viele hier nichts zu lachen haben, will er nicht verharmlosen: „Natürlich sind die Zeiten hinter Gittern ernst und schwer mit vielen Problemen, psychisch auffälligen Momenten, Gewaltakten und Langeweile.“ Aber Humor könne Spannungen abbauen, sagt sein evangelischer Amtskollege und Mitherausgeber Andreas Leipold. Coetsier findet auch: „Witze und gute Laune tragen zur Seelen-Hygiene bei.“ Zudem könnten sich die Inhaftierten kreativ betätigen.

Das hessische Justizministerium begrüßt die Arbeit der Seelsorger. Sie unterstützten die Arbeit der Justiz-Beamten im Strafvollzug enorm, indem sie sich in Projekten für die Gefangenen engagierten. Die Themen für diese Projekte suchen sie sich frei aus und orientieren sich dabei häufig an den Bedürfnissen und Wünschen der Inhaftierten. Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung der Gefangenen, lobt das Ministerium.

Die Themen der Witze seien in der Justizvollzugsanstalt ähnlich wie außerhalb, sagt Leipold. „Es wird aber auch die System-Hierarchie im Gefängnis infrage gestellt.“ Pointen auf Kosten der Vollzugsbeamten hätten es nicht ins Buch geschafft. „Natürlich gibt es Tabus, etwa wenn auf Kosten von Minderheiten, über die sexuelle Orientierung oder Religion gescherzt wird. Über den Islam zum Beispiel sollten keine Witze gemacht werden. Das würde die Stimmung nur belasten.“

Die Witze wurden von der Anstaltsleitung wohlwollend auf ihre Allgemeinverträglichkeit geprüft, bevor sie in Druck gingen, wie Leipold sagt. „Aber bei einigen Witzen bin ich positiv überrascht, dass sie gedruckt werden durften, obwohl sie durchaus systemkritisch sind“, merkt der Pfarrer an. Er findet, dass in der Justiz mehr Humor herrsche, als man denke. „Dass wir als Weihnachtsgeschenk aus dem Ministerium einen Foto-Kalender mit hessischen Gefängnissen bekommen, finde ich zum Beispiel sehr komisch.“

Mit Projekten im Gefängnis kennen sich die Seelsorger aus. Im Mai 2017 erschien ein Kochbuch: „Kit(t)chen Cooking“. Mehr als 60 Rezepte kamen zusammen, von „Nudeln mit Tomaten à la Susi“ bis hin zum „Somalischen Knastkuchen“. Wer ihr Buch lesen möchte, bekommt sie nicht im Handel. Verschickt wird nur auf E-Mail-Anfrage (a.leipold@t-online.de) für zehn Euro plus Versandkosten. „Damit decken wir dann gerade einmal die Druckkosten“, sagt Leipold. Im Buch steht auch zu lesen, wie dieser Witz ausgeht: „Zwei Gefangene wollen ausbrechen. Sagt der eine...“

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