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Mittenwald/Regensburg: Das Geschäft mit Schwarz-Rot-Gold stockt

Mittenwald/Regensburg : Das Geschäft mit Schwarz-Rot-Gold stockt

Obwohl der Beginn der Fußball-Europameisterschaft 2008 in greifbare Nähe rückt, wartet Fahnenhändler Andreas Pehl aus dem oberbayerischen Mittenwald vergeblich auf Kundschaft.

Derzeit frage kaum einer nach den bei der WM 2006 im eigenen Land noch so beliebten Fahnen, sagt er. Doch Pehl bleibt optimistisch und verweist auf die hohe Emotionalität des Sports: „Wenn die Spiele losgehen, gibt es plötzlich den großen Ansturm”.

Pehl erinnert sich noch gut an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, an die Fahnenmeere in Schwarz-Rot-Gold vor den Großleinwänden und auf den Straßen. Seine Branche habe ungemein davon profitiert, „dass die Deutschen sich durch die WM wieder getraut haben, Fahnen aufzuhängen”. Pehl beliefert vor allem Souvenirhändler, doch auch Privatleute kaufen bei ihm ein.

In seinem Online-Shop bietet er jetzt auch wieder Autofähnchen an. Aber: „Nachfrage ist nicht”, muss der Flaggenhändler rund fünf Wochen vor dem EM-Start des Turniers im benachbarten Österreich und der Schweiz feststellen. Auch für die besonderen Souvenirs, etwa die Cappuccino-Tasse mit schwarz-weißem Fußball-Muster oder die dazugehörige Untertasse, auf die in Grün und Weiß ein Spielfeld aufgemalt ist, interessierten sich die Kunden noch nicht.

Pehl sieht das jedoch gelassen. Dass er beim Sport nicht von gesicherten Einnahmequellen ausgehen könne, habe er inzwischen gelernt. Der Fahnen- und Souvenirverkauf für den Fußball sei „hochemotional” und „total chaotisch”. Aus Angst vor Verlusten kauften die meisten Kunden bei ihm nur auf Kommission ein. „Nach einem Sieg der deutschen Mannschaft bestellen sie plötzlich 500 Fahnen”, erzählt Pehl, „und wenn die Deutschen verlieren, rufen sie ganz aufgebracht an und wollen alle wieder zurückgeben.” Obwohl er, wie er sagt, kein großer Fußballfan ist, wird Pehl wohl allein um des Geschäftes willen der deutschen Elf die Daumen drücken.

Eine große Supermarktkette ist seit Montag zurück im Fußball-Fangeschäft. Für 2,99 Euro bietet sie zwei schwarz-rot-goldene Autofähnchen an. Richard Kattan, der in Regensburg ein Fahnengeschäft betreibt, ärgert sich über diese Konkurrenz. „Die Billigware aus den Discountern hat uns das Geschäft kaputt gemacht”, beklagt er. Er setze deshalb nicht mehr auf den Fußball als Einnahmequelle. Denn Billiglöhne wie in China oder Taiwan, woher die Ware aus den Discountern meist stamme, könne und wolle er seinen Arbeitern in Deutschland nicht zahlen. Der Verkauf von Fahnen und Fanartikeln habe sich zudem stark aufs Internet verlagert, etwa auf Plattformen wie der des Auktionshauses Ebay.

Doch auch bei Ebay läuft der Verkauf nur schleppend an. Im sogenannten Fußball-Fanshop werden in der Rubrik Fahnen und Wimpel für die deutsche Elf derzeit zwar rund 500 Artikel feilgeboten. Die Flaggen unterschiedlicher Größe, die Autofähnchen oder Fahnenketten zum Aufhängen bleiben bisher jedoch weitgehend unbeachtet, für die meisten ist nicht ein einziges Angebot eingegangen. Auch die schwarz-rot-goldene Bettwäsche aus Glanzsatin, die EM-Bierkrüge und die Söckchen in den Deutschland-Farben haben das Interesse der Käufer noch nicht geweckt.

Fahnenhändler Pehl bezweifelt aber, dass die Fußball-Fans noch von der WM 2006 ausgerüstet sein könnten. „Was sich die meisten Leute für die WM gekauft haben, war so billig produziert, dass es nicht bis jetzt gehalten hat.”