Essen: Clique soll Mädchen vergewaltigt haben: Anklage gegen junge Männer

Essen : Clique soll Mädchen vergewaltigt haben: Anklage gegen junge Männer

Die Masche der Gruppe junger Männer soll immer ähnlich gewesen sein: Einer aus der Clique verabredet sich mit einem Mädchen zu einem vermeintlich harmlosen Treffen. Mit dem Auto, in dem weitere junge Männer sitzen, fahren sie gemeinsam durch Essen. Dann nimmt die Gruppe ihrem Opfer unter einem Vorwand das Handy ab und steuert einen abgelegenen, ländlichen Ort an. Hier kommt es nach Überzeugung der Ermittler zu Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen.

Gegen fünf junge Deutsche hat die Staatsanwaltschaft Essen nun Anklage erhoben. Den 16, 18, 19, 20 und 23 Jahre alten Tatverdächtigen aus Gelsenkirchen, Essen und Wuppertal wird gemeinschaftliche sexuelle Nötigung und Vergewaltigung vorgeworfen. In drei von insgesamt sieben Fällen sei es bei einer versuchten Vergewaltigung geblieben, sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk am Donnerstag. Die Anklage sei bei der Jugendkammer des Essener Landgerichts eingereicht worden. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

Bei den sieben Opfern handele es sich um „sehr junge Frauen”, sagte Milk. Die Schülerinnen sollen zum Tatzeitpunkt über 14 Jahre alt gewesen sein. Die Taten wurden demnach zwischen August 2016 und Januar 2018 begangen, viele davon im Winter 2017/2018. „Da gab es eine Häufung”, erklärte Milk.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe in wechselnder Beteiligung zuschlug. Sie suchen zudem weitere Männer. „Es gibt konkrete Hinweise auf weitere Tatbeteiligte”, sagte Milk. Über Handychats soll die Clique ihre Taten geplant haben. Auf diese ausgewerteten Chatverläufe stützt sich auch die Anklage.

Neben den sieben bekannten Fällen vermutet die Staatsanwaltschaft weitere Taten. „Wir müssen nach wie vor davon ausgehen, dass Opfer sich noch nicht gemeldet haben”, betonte Milk. Die Ermittlungen gingen daher weiter.

Die Tatverdächtigen sollen die Schülerinnen aus ihrem Umfeld „über Ecken” gekannt haben, sagte Milk. Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Gruppe auch über soziale Netzwerke Kontakt zu den Opfern aufgenommen hatte.

Das Verfahren wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft an die Jugendstrafkammer gegeben, um den Opfern eine Tortur und mehrfache Aussagen zu ersparen. Nach Worten von Milk werden die vier volljährigen Tatverdächtigen aber nach Erwachsenenstrafrecht behandelt. Sie sitzen seit Februar 2018 in Untersuchungshaft. Nach dem 18-Jährigen war zunächst mit einem Foto gefahndet worden. Er stellte sich später in Begleitung seines Anwalt in einer Polizeiwache in Gelsenkirchen. Der 16-Jährige sitzt der Staatsanwaltschaft zufolge nicht in Haft, da es keine Haftgründe gegeben habe.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten