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Anne wird 70: Bloß keine Märchenprinzessin

Anne wird 70 : Bloß keine Märchenprinzessin

„Wenn es nicht Heu frisst oder furzt“, sagte ihr Vater einmal über sie, „ist sie nicht interessiert.“ Das respektlose Bonmot von Prinz Philip über seine Tochter Anne, verrät die unkomplizierte Natur der Prinzessin. Doch die Prinzessin, die am Samstag 70 wird, hat noch ganz andere Seiten.

Anne Elizabeth Alice Louise Windsor war schon immer das bodenständigste Kind der Queen. Am Samstag feiert die „Princess Royal“ ihren 70. Geburtstag. Die Glocken der Westminster Abbey, die normalerweise zu ihrem Ehrentag erklingen, müssen wegen Corona schweigen, und auch die Geburtstagsparty im Buckingham Palace wurde abgesagt. Aber das wird Anne, die nie viel auf Brimborium um ihre Person gemacht hat, nicht kümmern.

Pferde sind ihre große Leidenschaft. Sie war Schülerin der Spanischen Hofreitschule in Wien. Mit 21 Jahren gewann sie die Goldmedaille bei der Europameisterschaft im Vielseitigkeitsreiten. Sie nahm für ihr Land an den Olympischen Spielen 1976 in Montreal teil und war von 1986 bis 1994 Präsidentin der „Fédération Équestre International“, der Dachorganisation des internationalen Pferdesports.

Durch die Liebe zum Reitsport lernte sie auch ihren ersten Ehemann kennen. Mark Phillips war Leutnant in der Ersten Dragonergarde der Queen, als er Anne 1968 auf einer Party für Pferdeliebhaber traf. Bis zur Verlobung und Heirat gingen noch einmal fünf Jahre ins Land, aber ihre Hochzeit am 14. November 1973 war die erste in einer Reihe von Märchenhochzeiten, die global für Interesse sorgten.

Royal geht auch ohne Skandal

Beide Eheleute wurden Mitglieder des britischen Olympischen Teams, aber bald ritten sie in verschiedene Richtungen. Vom Hindernisspringen zum Seitensprung war es nicht weit. 1989 trennten sie sich, 1992 kam die Scheidung, und Anne heiratete Monate später Timothy Laurence, ebenfalls ein Reiter.

Anne ist eines der wenigen Mitglieder der Königlichen Familie, das beweisen konnte, dass royal auch ohne Skandal geht. Doch ein paar Fehltritte hat sie sich auch geleistet. Das reicht von Geschwindigkeitsübertretungen – gleich mehrmals wurde ihr der Führerschein wegen Raserei eingezogen – bis hin zu einer strafrechtlichen Verurteilung, nachdem ihr Bullterier zwei Kinder gebissen hatte.

Wie kaltschnäuzig sie sein kann, illustriert eine Episode als sie gerade einmal 24 Jahre alt war. Auf der Heimfahrt zum Palast wurde ihre Limousine von einem Mann gestoppt, der, nachdem ihr Bodyguard ausstieg, zu schießen begann. Nachdem der Angreifer Leibwächter, Fahrer und einen anwesenden Journalist angeschossen hatte, ging er zur Limousine, erklärte, dass er Anne entführen wolle, um Lösegeld zu erpressen, und forderte sie auf auszusteigen. „Verdammt unwahrscheinlich“, zischte die Prinzessin und entwischte auf der anderen Seite des Wagens.

Auch mit 70 wird die Prinzessin sich nicht aufs Altenteil zurückziehen. Nach den Querelen um die jüngeren Royals und dem Exit von Prinz Harry und seiner Frau Meghan bietet das Beispiel von Prinzessin Anne ein zwar wenig glamouröses, aber dafür grundsolides Rollenmodell, mit dem der Institution der Monarchie im Moment am besten gedient sein dürfte.

(dpa)