1. Panorama

Frankfurt/Main: Bernhard Grzimek: Naturschützer mit Schalk im Nacken starb vor 20 Jahren

Frankfurt/Main : Bernhard Grzimek: Naturschützer mit Schalk im Nacken starb vor 20 Jahren

„Guten Abend, meine lieben Freunde!” Wenn Bernhard Grzimek sich mit diesen Worten an Millionen Fernsehzuschauer wandte, wuchs die Spannung. Welches Tier würde ihn wohl diesmal ins Studio begleiten? Geparden, Affen oder Schlangen aus dem Frankfurter Zoo assistierten, wenn Grzimek die beliebte Familiensendung „Ein Platz für Tiere” präsentierte.

Auch außerhalb des TV-Studios war der Frankfurter Zoodirektor gerne in tierischer Gesellschaft. Besucher sahen sich gelegentlich im Direktionsbüro mit einer freilaufenden Raubkatze konfrontiert.

Bei einem Zirkusbesuch brach Grzimek in Frankfurt vor 20 Jahren, am 13. März 1987, während einer Tiger-Dressur tot zusammen. Er wurde 77 Jahre alt. Seinem Wunsch gemäß wurde die Urne mit seiner Asche neben dem Grab seines Sohnes Michael im Ngorongoro Krater in Tansania beigesetzt.

Zu Zeiten seiner höchsten Popularität waren Grzimeks Tiersendungen wahre Straßenfeger: Über 70 Prozent Einschaltquote erreichten seine TV-Sendungen - auch in Zeiten des öffentlich- rechtlichen Monopols ungewöhnlich.

Seit den 50er Jahren brachte er die Tierwelt ferner Länder fast 30 Jahre lang regelmäßig in die Wohnzimmer und warb als einer der Ersten in Deutschland für Natur- und Artenschutz. Unermüdlich sammelte er Spenden - und unterstützte damit Naturschutzprojekte vor allem in Afrika. Für seinen 1959 entstandenen Film „Serengeti darf nicht sterben” erhielt Grzimek 1960 sogar einen „Oscar”.

In Deutschland hatte die Filmbewertungsstelle dagegen Bedenken gehabt, den in 30 Ländern gezeigten Streifen mit dem Prädikat „wertvoll” zu versehen, heißt es in einer Würdigung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) zu Grzimeks 20. Todestag. Moniert wurde unter anderem der Satz: „Es wäre besser um die Welt bestellt, wenn die Menschen sich wie Löwen benähmen.”

Bei den Dreharbeiten kam Grzimeks Sohn ums Leben - ein Schicksalsschlag, den er nie verwand. 19 Jahre nach dem Tod Michaels heiratete er seine Schwiegertochter Erika, Michaels Witwe.

In Afrika, das er bis zu seinem Tod jedes Jahr besuchte, wird Grzimek noch heute verehrt. Sein Einsatz für die Tierwelt der Serengeti in Tansania sei unvergessen, sagt Markus Borner, der vor 30 Jahren mit Grzimek nach Afrika kam und als sein Nachfolger die ZGF-Naturschutzprojekte leitet.

„Es war lustig, mit ihm zu reisen”, sagt Borner. Sein Humor sei allerdings manchmal etwas schwierig gewesen. Bei einem offiziellen Bankett in Simbabwe habe Grzimek in die Jackentasche gegriffen und seiner Tischnachbarin eine lebendige Gottesanbeterin in den Ausschnitt ihres Ballkleids gesteckt - „sogar eine ziemlich große”. Die Frau sei daraufhin in Ohnmacht gefallen.

Der am 24. April 1909 in Schlesien geborene Grzimek wurde nach seinem Studium in Leipzig und Berlin Tierarzt. Als Wissenschaftler beschäftigte er sich mit Verhaltensforschung. In die Praxis setzte er seine Erkenntnisse bei Zirkus-Vorführungen mit Tigern um.

Im Frühjahr 1945 übernahm er in Frankfurt die Leitung des völlig zerstörten Zoos. Das Amt des ersten Beauftragten der Bundesregierung für Naturschutz, in das Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) Grzimek in den 70er Jahren berief, gab er rasch wieder auf, weil er seine Ziele dort nicht verwirklichen konnte. 1975 gehörte er zu den Gründern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.