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Paris: Bauklötze statt Phallus: Nouvel baut Pariser 300-Meter-Wolkenkratzer

Paris : Bauklötze statt Phallus: Nouvel baut Pariser 300-Meter-Wolkenkratzer

Paris muss auf einen Riesenphallus vorerst verzichten. Der französische Star-Architekt Jean Nouvel hat den Zuschlag für einen von drei Wolkenkratzern im Büroviertel La Défense bekommmen, die mit jeweils etwa 300 Metern die Höhe des Eiffelturms erreichen sollen. Sein Vorschlag ähnelt vier gestapelten Riesen-Bauklötzen.

Damit setzt Nouvel sich gegen den britischen Architekten Norman Foster durch, dessen Turm entfernt an einen aufrechten Phallus erinnert. Foster hat bereits in London ein oben abgerundetes Hochhaus gebaut, dass von respektlosen Briten Dildo genannt wird.

Dass die Wahl auf Jean Nouvel fiel, war keine große Überraschung. Nouvel hat nicht nur einen guten Draht zu Präsident Nicolas Sarkozy, sondern auch schon mehrere Vorzeigeprojekte in Paris verwirklicht: Das Institut du Monde Arabe mit seiner strukturierten Fassade, die wie eine Kamerablende den Einfall des Sonnenlichts regulieren kann, und das Musée du Quai Branly, das zum Teil auf Stelzen steht und eine riesige bepflanzte Außenwand hat.

Paris ist eine der wenigen Metropolen, die bislang weitgehend ohne Wolkenkratzer auskommen. Die gesetzlich festgelegte maximale Bauhöhe liegt bei 37 Metern. Das höchste Bauwerk der Stadt ist immer noch der Eiffelturm, der lediglich dekorativen Charakter hat. Der in den 70er Jahren gebaute Montparnasse-Turm ist gerade Mal zwei Drittel so hoch. Seine Aussichtsterrasse gehört zu den schönsten in Paris - schon weil man von dort das „große düstere Monster” selbst nicht sehen muss, wie der Turm von Parisern genannt wird.

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë hat sich schon seit langem dazu bekannt, dass Paris mehr Hochhäuser braucht - die Platznot ist einfach zu groß. Zum Vergleich: Berlin ist von der Fläche her etwa neun Mal so groß wie groß wie Paris. Daher überrascht es auch nicht, dass die Pariser Immobilienpreise zu den höchsten in Europa zählen.

„Sie glauben doch nicht, dass ich von einem neuen Montparnasse träume, das ist ein absolut abschreckendes Beispiel”, betont Delanoë. „Hochhäuser sind durchaus mit ehrgeizigen Umweltzielen verträglich”, fügte er hinzu. Für die drei neuen Wolkenkratzer im Büroviertel La Défense ist Delanoë allerdings nicht zuständig, denn die liegen schon außerhalb der engen Stadtgrenzen.

Jean Nouvel, der in diesem Jahr mit dem Pritzker-Preis den wichtigsten Architekturpreis verliehen bekommen hat, zeigte sich über die Auswahl seines Modells erfreut. „La Défense kann damit zu einem neuen Zentrum von Groß-Paris werden”, sagte der 62-Jährige.

Sein Hochhaus soll auf 140.000 Quadratmetern Wohnungen, Büros, ein Hotel, Geschäfte und Restaurants unterbringen. Der unterste und der dritte der riesigen Bauklötze sollen weite Öffnungen haben, die zum Teil bepflanzt werden. Das Projekt wird auf etwa 600 Millionen Euro geschätzt und soll bis 2015 fertig sein, drei Jahre nach den beiden anderen 300-Meter-Hochhäusern.

Als der frühere französische Präsident François Mitterrand in den 80er Jahren in La Défense einen monumentalen Triumphbogen mit einer Glas- und Marmorfassade errichten ließ, nannten manche Kritiker ihn größenwahnsinnig. Der Bogen, der mit den beiden historischen Triumphbögen auf einer Achse steht, wird neben den neuen Hochhäusern geradezu verspielt wirken. Sie sind immerhin gleich drei Mal so hoch.