Aufräumarbeiten in Aachen und Wuppertal nach heftigem Unwetter

Region: Nach Extrem-Unwetter: Aufräumen und neue Überschwemmungen

Nach den heftigen Unwettern vom Dienstag waren Hilfskräfte am Mittwochmorgen in vielen Städten in NRW mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Besonders hart getroffen hatte es die Aachener Innenstadt, die Nordeifel und die Talkessel in Wuppertal und Solingen. Am Mittwoch gab es dann erneut heftige Regengüsse mit Überflutungen im Jülicher Land und in Gangelt.

Hatte der Schwerpunkt der Unwetter am Dienstag noch in der Städteregion gelegen, war am Mittwoch die Region nördlich von Aachen betroffen. In Inden/Altdorf kam es nach einem heftigen Regen zu Überschwemmungen. Mehr als 60 Keller liefen voll, betroffen war auch das Rathaus.

Das SuperC ist nach den Schäden durch das Unwetter erstmal geschlossen. Foto: Sarah-Lena Gombert

Auf der Autobahn A4 bei Inden war ein heftiger Regenschauer am Mittwochmittag Grund für Verkehrsbehinderungen. Etliche Autofahrer mussten wegen des heftigen Regens das Tempo drosseln, der Verkehr stockte in beide Fahrtrichtungen.

Auch am Annuntiatenbach wurde aufgeräumt. Foto: Sarah-Lena Gombert

Zum wiederholten Mal in diesem Jahr wurde am Mittwoch auch die Selfkantgemeinde Gangelt von starken Regenfällen heimgesucht. In mehreren Ortschaften liefen komplette Straßenzüge voll mit Wasser und Schlamm, wie die Feuerwehr meldete. Die Einsatzkräfte kämpften an rund 30 Stellen gegen die teils großflächigen Überschwemmungen.

Die Kreuzung zwischen Kapuzinergraben, Alexianergraben, Kleinmarschierstraße und Franzstraße beim Kapuziner Karree wurde ebenfalls überflutet. Screenshot: Ines Kubat

Das große Aufräumen

In der Einfahrt zum Parkhaus des Aquis Plaza stand das Wasser. Foto: Andreas Schmitter

Anderswo in der Region war nach den heftigen Regelfällen vom Dienstag Aufräumen angesagt. In Aachen registrierte die Feuerwehr im Zuge des Unwetters mehr als 400 Notrufe. Im Keller des Aquis Plaza stand das Wasser nach Stadtangaben etwa eineinhalb Meter hoch. Bis halb zwei Uhr in der Nacht pumpten die Einsatzkräfte die Einfahrt zum Parkhaus leer, erst danach konnten geparkte Fahrzeuge wieder aus dem Parkhaus gefahren werden.

Auf der Adenauerallee ging zeitweise nichts mehr. Foto: Andreas Herrmann

Am Mittwochmorgen blieb das Aquis Plaza zunächst geschlossen, da auch sicherheitsrelevante Technik von Wasserschäden betroffen war. Zum Wohl der Mitarbeiter und der Besucher bleibe das Einkaufszentrum daher zunächst geschlossen, informierte das Center Management. Ob das Aquis Plaza am Mittwoch noch öffnet, soll sich im Laufe des Vormittags entscheiden.

Das Unwetter zog vom Südosten her auf die Städteregion zu. Das Bild entstand gegen 14.30 Uhr in Aachen-Rothe Erde. Foto: Marc Heckert

Videos und Bilder kursierten innerhalb kürzester Zeit im Netz, die vollgelaufene Tunnel, beispielsweise am Aachener Westbahnhof, Wasser in Lehrräumen der RWTH und Autos zeigten, die sich mühsam durch Wassermassen schoben.

Bis 4 Uhr nachts waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW großflächig mit Aufräumarbeiten und Kellerauspumpen beschäftigt.

Mitarbeiter des Aachener Stadtbetriebes sind auch am Mittwoch noch im Einsatz, um die Schäden zu beheben. Schon am frühen Morgen waren die Straßenbauer in der Fußgängerzone Adalbertstraße und setzten das Natursteinpflaster neu ein. Ein größerer Schaden entstand bei der Straße Eisenhütte. Die dortige Asphaltdecke war hochgespült worden. Bis der Schaden repariert ist, kann es jedoch noch einige Tage dauern, so die Stadt.

Auch die Grünflächen und Spielplätze sind teilweise beschädigt worden. „Fallschutz wurde weggespült, in vielen Bereichen liegen Erdmassen über den Sand- und Spielflächen“, zählt Ilse Stollenwerk, Geschäftsbereichsleiterin Grünflächenpflege des Stadtbetriebs, auf.

In der Eifel fielen mancherorts 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter, wie der Deutsche Wetterdienst in Essen mitteilte. Punktuell seien es sogar 60 bis 80 Liter gewesen, sagte ein Sprecher. Vollgelaufene Keller gab es vor allem im Raum Monschau.

Die Kreise Düren und Heinsberg blieben von dem Sturm weitgehend verschont. Die Feuerwehr Düren registrierte nur vier kleinere Einsätze, obwohl es auch für den Kreis Düren eine Unwetterwarnung des Wetterdienstes gegeben hatte.

Viele Städte in NRW betroffen

An der Wuppertaler Uni stürzten etwa 30 bis 50 Quadratmeter des Daches ein, Wasser lief in zwei Gebäude. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine. „Nach ersten Einschätzungen ist der Ausmaß des Schadens erheblich”, erklärte Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch.

In der Stadt war durch den Sturm das Dach eines Universitätsgebäudes eingestürzt, in der Innenstadt knickte ein Tankstellendach weg und beschädigte mehrere Autos. Ein Fahrer habe sein Auto gerade noch rechtzeitig verlassen können. Er wurde leicht verletzt. Mehrere Fahrzeuge fuhren gegen von der Flut hochgedrückte Gullydeckel. In einem Fall löste dadurch ein Airbag aus und verletzte den Fahrer im Gesicht, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der Betrieb der Schwebebahn musste am Dienstagnachmittag eingestellt werden. Erst am Mittwochmorgen ging es fahrplanmäßig um 05.15 Uhr weiter.

In der Spitze fielen im Raum Wuppertal laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 100 Millimeter Regen, also 100 Liter auf den Quadratmeter. „Das war schon extrem und ist in der Regenmenge etwa das, was normalerweise im Laufe eines Monats fällt”, sagte ein DWD-Meteorologe. „Die Infrastrukturschäden werden ganz erheblich sein”, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Die Aufräumarbeiten werden sich nach Schätzungen der Stadt noch mehrere Wochen hinziehen. „In vielen Fällen sind auch der Untergrund und die Kanäle geschädigt”, teilte die Stadt am Mittwoch mit. In ganz Wuppertal seien Mitarbeiter unterwegs, Schäden würden zunächst provisorisch mit Schotter beseitigt.

Allerdings warnt die Stadt trotz der zahlreichen Angebote vor der freiwilligen Hilfe von Wuppertalern. Die Einsätze ließen sich nicht ausreichend organisieren, hieß es. „Alle Einsatzkräfte sind voll ausgelastet und eine Einsatzplanung für freiwillige Helfer deshalb nicht möglich.” Die Stadt rät davon ab, „selbst ans Werk zu gehen” und zum Beispiel geflutete Keller zu betreten. „Es besteht Lebensgefahr”, warnte ein Sprecher.

Ganze Straßenzüge waren auch am Mittwochmorgen sicherheitshalber noch stromlos geschaltet, berichtete ein Sprecher der Stadtwerke. Auch einige Schulen müssen wegen Wasserschäden und möglicher Probleme mit der Elektrizität geschlossen bleiben.

In Solingen hatte die Feuerwehr am Abend vor Hochwasser in der Wupper gewarnt. „Es gab eine richtige Flutwelle”, sagte ein Sprecher der Feuerwehr dann am Mittwoch. Demnach hatte der Fluss am Dienstagnachmittag in Solingen einen Höchststand von 2,40 Metern - eine halbe Stunde zuvor seien es 70 Zentimeter gewesen. Der Pegel sank in der Nacht zu Mittwoch aber wieder. „Es hat sehr viel Wasser auf den Straßen gestanden”, sagte der Sprecher.

Bei Kleve musste am frühen Mittwochmorgen ein Autobahnzubringer gesperrt werden, um die Fahrbahn zu reinigen. Überschwemmungen hatten die Straße unbefahrbar gemacht. Düsseldorf registrierte am Mittwochmorgen 187 Unwettereinsätze - meist wegen vollgelaufener Keller, überschwemmter Unterführungen, umgekippter Bäume und Wasser in Tiefgaragen. Verletzte wurden in der Landeshauptstadt aber nicht gemeldet.

Insgesamt zählte das Innenministerium fast 4000 Einsätze und 5000 Rettungskräfte. Polizei, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Rettungskräfte hätten ihr Bestes gegeben, erklärte Innenminister Herbert Reul (CDU) via Twitter.

Weitere Unwetter erwartet

Am Donnerstag könne es bei schwül-warmen Temperaturen bis 30 Grad den ganzen Tag über immer wieder Gewitter geben, die am Nachmittag vor allem im Nordosten von NRW Starkregen bringen könnten, sagte ein DWD-Sprecher. Lokal seien Regenmengen von bis zu 60 Litern pro Quadratmeter möglich. Auch am Mittwochabend wurden punktuell kräftige Schauer erwartet.

(red/dpa)
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