1. Panorama

Brüssel: Aufnahme von Dutroux-Ex: In Belgien wächst die Wut

Brüssel : Aufnahme von Dutroux-Ex: In Belgien wächst die Wut

Die Wut und Empörung in Belgien über die von einem Gericht entschiedene vorzeitige Haftenlassung der ehemaligen Frau und Komplizin des Kinderschänders und -mörders Marc Dutroux, Michelle Martin, schwillt an.

Der Vater der von Dutroux und Martin ermordeten Julie Lejeune, Jean-Denis Lejeune, hat für den 19. August einen Protestmarsch in Brüssel angekündigt. Auch die Eltern der von Dutroux ermordeten Mädchen An Marchal und Eefje Lambrecks unterstützen den Appell zu einem Massenprotest der Bevölkerung gegen die vorzeitige Haftentlassung der 52-jährigen Michelle Martin. Diese hat 16 Jahre ihrer 30-jährigen Haftstrafe abgesessen und soll vorzeitig freikommen. Sie will nach ihrer Freilassung in das Kloster der Armen Klarissen in Malonne, wo die dortigen Nonnen ihr ein Zimmer angeboten haben.

Dort vor dem Kloster in der Nähe von Namur wird bereits demonstriert. Die Nonnen des Klarissen-Klosters von Malonne werden von aufgebrachen Demonstranten bedroht. Sie trauen sich nicht mehr, das Kloster zum Einkaufen zu verlassen.

„Das ist Belgien, die Pädosexuellen werden beschützt, die Opfer nicht,” ruft eine Frau den Polizisten zu, die das Kloster derzeit schützen müssen. Eine andere Frau hält ein Poster mit der Aufschrift „Clarisses Complices Du Mal” - „Die Klarissen, die Komplizinnen des Bösen” in die Höhe. Colette Bouchat (74) demonstriert ebenfalls vor dem Kloster gegen den Entscheid der Klarissen-Nonnen, Michelle Martin, ein Dach über dem Kopf zu geben. „Früher haben hier die Pfadfinder den Klarissen immer beim Saubermachen geholfen. Das wollen sie nun nicht mehr tun,” sagt sie. „Die Nonnen hätten diese Entscheidung nicht treffen sollen.”

Unter den Demonstranten in Malonne sind aber auch viele rechtsextreme belgische Nationalisten vom wallonischen Front National. Das gefällt den anderen Demonstranten gar nicht. Denn die Nationalisten skandieren Slogans wie: „Kinderschänder aufhängen” oder „Tod den Kinderschändern.”

Selbst unter den ansonsten so stillen und schweigsamen Nonnen der Armen Klarissen, die in ihren Klöstern acht Stunden täglich beten und kaum sprechen, kommt es nun öffentlich zum Streit. Die Äbtissin vom Klarissen-Kloster im flämischen Genk hat ihre Glaubensschwestern von Malonne für die Entscheidung kritisiert, Martin in deren Kloster aufzunehmen.