Biokraftstoff: Auf der Jatropha-Pflanze ruhen große Hoffnungen

Biokraftstoff : Auf der Jatropha-Pflanze ruhen große Hoffnungen

Üblicherweise unterteilt man Biokraftstoffe in drei Generationen. „Die Unterscheidung erfolgt dabei anhand der Nachhaltigkeit der Ausgangsstoffe und Herstellungsprozesse“, sagt Stefan Pischinger von der RWTH Aachen.

Zur Herstellung von Biokraftstoffen der ersten Generation, zum Beispiel Biodiesel oder Bioethanol, das im E10-Benzin verwendet wird, werden Ausgangsstoffe genutzt, die auch der Nahrungsmittelherstellung dienen – etwa Raps- und Sojaöl, Zuckerrübe, Zuckerrohr, Mais oder Getreide. Bei den Kraftstoffen der zweiten und dritten Generation soll es keine Konkurrenz mehr zu Nahrungsmitteln geben.

„Im Bestfall nutzen wir Reststoffe oder Abfall für die Kraftstoffproduktion, beispielsweise Resthölzer oder alte Speisefette“, sagt Pischinger. „Biokraftstoffe der dritten Generation zeichnen sich durch einen deutlich geringeren Flächenbedarf und ein deutlich besseres Nachhaltigkeitsprofil aus.“ Biokraftstoffe aus Energiepflanzen wie Jatropha zählen zur zweiten Generation, auch wenn denkbar ist, dass Jatropha-Plantagen, je nach preislichem Anreiz, den Anbau von Nahrungsmitteln verdrängen könnten.

Algen sind ein Beispiel für die dritte Generation, sind aber eher ein Blick in die ferne Zukunft. „Die im Vergleich zu anderen Lösungen geringe technologische Reife und der relativ niedrige Ertrag erlaubt kurz- bis mittelfristig noch keinen signifikanten Beitrag. Eine Herausforderung stellt hierbei neben dem Wasser- und Platzbedarf auch der Energieeinsatz zur Trocknung dar“, erklärt Pischinger.

Jatropha ist eine weltweit in tropischen bis subtropischen Gebieten verbreitete Pflanze, deren Samen extrem ölreich sind und die auch auf weniger guten Böden und bei Niederschlagsmengen ab etwa 260 Litern/Quadratmeter pro Jahr zu kultivieren ist. „Bei 500 bis 700 Litern pro Quadratmeter ist das gut machbar“, sagt Dr. Brigitte Bohlinger, bei „JatroSolutions“ für Forschung und Entwicklung zuständig. Jatropha-Früchte sind normalerweise für den Menschen ungenießbar, aber es gibt mittlerweile auch Züchtungen, die essbar sind. Die Wildpflanze liefert nach Angaben von Sebastian Held von „JatroSolutions“ einen Ertrag von 400 bis 500 Kilogramm Samen pro Hektar im Jahr.

„Wir haben seit 2009 ein Züchtungsprogramm, das zu einer Verzehnfachung des Ertrags gegenüber der Wildpflanze geführt hat“, erläutert er. Im Schnitt sei damit ein jährlicher Ertrag von fünf bis sechs Tonnen pro Hektar möglich. „Keine unserer Teststationen hat einen Topboden“, betont er. In guten Lagen seien auch acht Tonnen pro Hektar möglich. Ab dem vierten Jahr liefert die Pflanze Vollertrag. Jatropha-Samen enthalten an die 35 Prozent Öl. Nach der Raffination bleiben davon 40 Prozent übrig. Daraus ergibt sich ein jährlicher Biokerosinertrag von etwa 0,7 Tonnen pro Hektar.

Laut dem Dachverband der Fluggesellschaften (IATA) werden im Luftverkehr weltweit momentan gut 290 Millionen Tonnen Kerosin im Jahr verbraucht. Damit errechnet sich bei einem hundertprozentigen Ersatz durch Jatropha-basierte Biokraftstoffe ein Flächenbedarf von etwas über 414 Millionen Hektar, bei zehn Prozent entsprechend 41 Millionen Hektar. Zum Vergleich: Deutschland hat eine Fläche von knapp 36 Millionen Hektar, die Hälfte wird landwirtschaftlich genutzt. Aktuell gibt es aber nach Schätzungen von Bohlinger weltweit wegen des günstigen Ölpreises nur 50.000 bis 100.000 Hektar Jatropha-Plantagen.

(wol)
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