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Kommentar zur Debatte um das „Donaulied“: Allerhöchste Zeit, darüber nachzudenken, was man mitgrölt

Kommentar zur Debatte um das „Donaulied“ : Allerhöchste Zeit, darüber nachzudenken, was man mitgrölt

Eine Initiative aus Niederbayern macht sich dagegen stark, dass das „Donaulied“ weiter in Festzelten gesungen wird. Die Gruppe findet viele Unterstützer. Andere wollen das sexistische, gewaltverherrlichende Lied als „Kulturgut“ bewahren und weitersingen. Dass wir erst 2020 darüber debattieren, ist beschämend.

In seiner schlimmsten Version ist es die Geschichte der Vergewaltigung einer wehrlosen Person, inklusive unfreiwilliger Schwängerung. In einer harmloseren Variante erzählt das „Donaulied“ immerhin noch von einem Mann, der der Frau nach dem Sex rät, sich die Vagina mit Kernseife auszuwaschen. „Das haben wir immer schon so gesungen“ und „das ist Kulturgut“ sollten folglich keinem halbwegs zeitgemäß denkenden Menschen als Rechtfertigung dienen.

Dass es überhaupt 2020 werden musste, bis die öffentlich Debatte über Texte wie diesen in Gang kommt, ist beschämend. Und dass das Lied auf „Studienfahrten“ vor zehn Jahren auch in Gegenwart der Autorin dieser Zeilen noch unbedarft gesungen wurde, ohne dass sich jemand ernsthaft empört hätte, ist bezeichnend dafür, dass wir erst ganz am Anfang der Debatte stehen.

Es ist ein Anfang, dass das „Donaulied“ nun zumindest auf vielen Bühnen nicht mehr gespielt werden soll. Bis bei biergetränkten Horden angekommen ist, warum es rückständig, sexistisch und gewaltverherrlichend ist, und alle die entsprechenden Konsequenzen ziehen, werden noch einige Festivitäten ins Land ziehen.

Es bleibt zu hoffen, dass von den süddeutschen Festzelten ein Impuls ausgeht, auch im Karneval oder am Ballermann nicht jeden Gassenhauer gedankenlos mitzugrölen.