1. Panorama

San Francisco: 40 Jahre Monterey Festival: Beginn der Blumenkinder-Ära

San Francisco : 40 Jahre Monterey Festival: Beginn der Blumenkinder-Ära

Die Beatles hatten gerade ihr legendäres Album „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band” auf den Markt gebracht, als in Kalifornien eine verschlafene Kleinstadt am Pazifik zum Musik- Happening lud. 200.000 junge Menschen kamen - und das Monterey Pop Festival schrieb Musikgeschichte.

Zwei Jahre vor Woodstock war das friedliche, Hasch geschwängerte Mammutkonzert im Juni 1967 der Auftakt für den „Summer of Love”, für die neue Kultur der Hippie- Generation mit ihren Botschaften von Liebe, Frieden und Freiheit. Musiker wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Who wurden praktisch über Nacht weltberühmt. An diesem Samstag feiert das Festival seinen 40. Geburtstag.

„Es war eine Zeit voller Optimismus”, erinnert sich Mitorganisator Derek Taylor später. „Wir wollten die Welt verändern. Es würde keine Kriege mehr geben, und wir wollten das feiern, indem wir alle friedliebenden Menschen nach Monterey holen.”

Zu dem dreitägigen Festival in den County Fairgrounds der Stadt südlich von San Francisco kommt fast alles, was in der Musikszene Rang und Namen hat: The Mamas & The Papas, Eric Burdon & the Animals, Canned Heat, Simon & Garfunkel, The Grateful Dead, Otis Redding und, und, und. Das Festival wird das erste große Rockkonzert und Vorbild für alle Rockkonzerte, die danach kommen.

Für Aufsehen sorgt vor allem der in Amerika bis dahin kaum bekannte Jimi Hendrix. Von Rolling-Stones-Gitarrist Brian Jones als „König des Festivals” vorgestellt, kann er das Publikum mit einem furiosen Auftritt begeistern. Nach dem letzten Stück „Wild Thing” gießt er Benzin über seine Gitarre und zündet sie an - eines der bekanntesten Bilder der Rockgeschichte. „Als ich meine Gitarre verbrannte, war das wie ein Opfer”, erklärte er im Rückblick. „Man opfert die Dinge, die man liebt.”

Die später hoch bezahlten Musiker spielten damals alle umsonst. Nur der indische Künstler Ravi Shankar, der mit seiner Sitar für einen ganzen Nachmittag angeheuert ist, bekommt 3000 Dollar für seinen Auftritt. Die restlichen Einnahmen kommen nach dem Willen der Organisatoren über eine Stiftung sozialen Zwecken zugute.

Die Stimmung unter den Blumenkindern auf den Fairgrounds ist trotz des riesigen Ansturms bestens. Alles ist perfekt organisiert. Es gibt keine Gewalt, keine Ausfälle, keine Festnahmen. „Das Letzte, was die Polizei wollte, waren 200.000 Hippies in der Stadt”, erzählte kürzlich nach Angaben der Zeitung „USA Today” der Musikproduzent und Mitorganisator Lou Adler. „Aber schon am Samstagmorgen trugen auch die Polizisten Blumen am Gürtel.” Der viel gerühmte Dokumentarfilm „Monterey Pop” von Regisseur Don Alan Pennebaker fängt die magische Stimmung bis heute ein.

40 Jahre später will ein neues Organisationsteam an die alten Erfolge anknüpfen. Für den 28. und 29. Juli ist ein Revivalkonzert in Monterey geplant, bei dem auch einige der damaligen Gruppen wieder auftreten wollen, unter anderem Jefferson Starship und die einstige Begleitband von Janis Joplin, Big Brother and the Holding Company. Den Vorwurf, sie hätten es vor allem aufs Geld abgesehen, weisen die Veranstalter zurück.

Nach Ansicht der „alten” Festival-Stiftung gibt es allemal Grund, den 40. Geburtstag zu feiern. Damals wie heute stünden tief greifende gesellschaftliche Veränderungen an, heißt es auf ihrer Internet-Seite. „Vor 40 Jahren waren es der Vietnam-Krieg, das FM-Radio (Frequenzmodulationsradio) und das Rolling Stone Magazin. Heute sind es der Irak-Krieg, das Internet und die Bloggersphäre.”