1. Panorama

Berlin: 16 Jahre Herzschmerz:­ „GZSZ”-Fans kriegen nie genug

Berlin : 16 Jahre Herzschmerz:­ „GZSZ”-Fans kriegen nie genug

16 Jahre Liebe, Leid und Tränen und vor allem ganz viel Herzschmerz - von dieser eigentlich recht simplen Mischung scheinen wahre „GZSZ”-Fans nie genug zu bekommen.

Die erste und zugleich erfolgreichste tägliche deutsche Fernsehserie feiert mal wieder Jubiläum: Am 2. Juni flimmert die 4000. Folge „Gute Zeiten ­ schlechte Zeiten” über die Bildschirme. Und wie schon beim letzten runden Festtag geizt der Kölner Privatsender RTL auch diesmal nicht mit Dramatik. Häuser stehen in Flammen, Menschenleben sind in Gefahr und so mancher Darsteller findet endlich das ganz große Glück.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist der Dauerbrenner „GZSZ” mittlerweile eines der wichtigsten Zugpferde für RTL geworden. Unter der Woche verfolgen allabendlich gegen 19.40 Uhr um knapp vier Millionen Zuschauer die Geschichten rund um eine Gruppe Jugendlicher in Berlin. Das entspricht einem Marktanteil von knapp 22 Prozent in der für den Sender wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Ein 30 Sekunden langer Werbespot während der Serie kostet zwischen 27.000 und 54.000 Euro.

Wolfgang Bahro alias Serien-Ekel Jo Gerner ist schon seit Folge 187 an dabei. Er erinnert sich: „Am Anfang war es relativ schwierig. Da wackelte wirklich noch die Dekoration und die Qualität der Schauspieler ließ sehr zu wünschen übrig.” Die meisten seien weniger Schauspieler, sondern vielmehr Models gewesen. „Die sahen zwar alle ziemlich gut aus, konnten unterm Strich aber nicht richtig spielen. Und wenn, dann spielten sie sehr hölzern.” Daher dachte der 47- Jährige auch, das Ganze werde sich nicht lange halten.

Seine junge Kollegin Josephine Schmidt ist erst seit sechs Jahren dabei. Die 27-Jährige spielt die Figur der Paula. Das junge Mädchen musste in der Serie so einiges mitmachen: sie stürzte mit dem Flugzeug ab, wurde missbraucht und in einem U-Bahnschacht eingesperrt. Und nun stirbt auch noch ihre große Liebe. Ganz schön starker Tobak für nur eine Figur. „Ja”, sagt Schmidt, „aber das ist ganz normal. Es muss ja schließlich spannend bleiben.”

Produzent Rainer Wemcken erinnert sich eher ungern an die Anfänge. „Im "Spiegel" stand vor 16 Jahren noch etwas von wackelnden Wänden. Ich glaube das würde man uns heute nicht mehr vorwerfen.” Heute nennt er die Seifenoper einen „Leuchtturm in der Medienlandschaft”. Der Erfolg von RTL habe auch sehr viel mit „GZSZ” zu tun, sagt Wemcken und kann sich gut vorstellen, dass die Serie auch in 30 Jahren noch läuft. Der explizite Großstadtbezug mit Drogen, Club-Szene und realistischen, „dreckig-sympathischen” Charakteren sei eine echte Innovation für das Genre gewesen.

Angst, dass irgendwann die Ideen ausgehen, hat bei RTL niemand. Chefautorin Marie Hölker sagt: „Natürlich gibt es Themen, die sich immer wiederholen: Liebe, Liebesleid, jemand stürzt ab in eine Sucht. Das sind Themen, die immer wieder im Leben auftauchen können. Für jeden Charakter ist es dann etwas Neues, da er sich anders verhält und reagiert.”

Die Medienwissenschaftlerin Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München hat zum Thema „GZSZ” geforscht. Sie sagt, sie sei eine Art Sozialisationsinstanz für junge Mädchen und eine Art Lebenshilfe, die von den Mädchen sehr ernst genommen werde. „Eine Studienteilnehmerin sagte uns, die Serie zeige ihr, welche Probleme im Leben auf sie zukommen und wie sie damit umgehen kann”, sagt Götz.

Um auf Dauer interessant zu bleiben, setzen die Produzenten auf vorsichtige Innovation. Der Anteil an Außendreharbeiten sei im vergangenen Jahr erhöht worden, sagt Producer Rainer Ruppert und die Serie sei filmischer geworden. Mit einem neuen Kamerasystem könnten die Aufnahmen von drei Kameras verwendet werden und so werde die Dynamik und Schnittfrequenz erhöht, ohne dass die Produktionszeiten über Gebühr verlängert werden. Als nächstes soll ein Umbau des Babelsberger Studios in Angriff genommen werden.