Lüttich: Zwölf Tote in Lüttich geborgen

Lüttich: Zwölf Tote in Lüttich geborgen

Nach dem Einsturz eines Wohnhauses in der ostbelgischen Stadt Lüttich ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Am Freitag entdeckten Helfer eine zwölfte Leiche. Wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete, konnte sie zunächst nicht identifiziert werden.

Bereits in der Nacht wurden die Leichen einer jungen Frau und eines jungen Manns geborgen. Zuvor hatten die Helfer neun Tote gefunden. In der Nacht zum Mittwoch war der fünfstöckige Altbau im Herzen der Stadt von einer Explosion erschüttert worden und wenig später zusammengestürzt. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers wurden 20 Menschen verletzt, drei von ihnen schwer. Zwischenzeitlich war auch von 21 Verletzten die Rede gewesen.

Die Zahl der Vermissten blieb weiter unklar - ebenso die Unglücksursache. Lüttichs Bürgermeister Willy Demeyer sagte, in einer der Wohnungen des Mehrfamilienhauses sei es zu einer Explosion gekommen. Er wies erneut darauf hin, dass es in dem Gebäude schon Tage vor der Explosion nach Gas gerochen habe. Die Feuerwehr habe das Haus deswegen mehrfach untersucht, es sei aber alles in Ordnung gewesen. Die Ermittler hielten nach früheren Angaben auch ein Fremdverschulden für möglich.

Fünf der Toten konnten inzwischen identifiziert werden. Mehrere Familien warteten immer noch darauf, mehr Klarheit über die Opfer zu erhalten. Die Regionalregierung der Wallonie sicherte den Bewohnern des Viertels, die obdachlos wurden oder vorübergehend nicht in ihre beschädigten Wohnungen in der Nähe des Katastrophenortes zurückkehren können, Hilfe zu.

Immer noch steigt Rauch aus den Resten des zerstörten Hauses. Wie gerne würden die Helfer schneller arbeiten, mit größerem Gerät. Doch sie dürfen nicht, denn weitere Gebäude in der Nachbarschaft drohen ebenfalls einzustürzen. Die Arbeit wird immer wieder unterbrochen.

Die Leopoldstraße liegt mitten in der Lütticher Altstadt. Das Geburtshaus des belgischen Schriftstellers Georges Simenon (1903 bis 1989) ist gleich um die Ecke. Es ist ein buntes Viertel. Doch gerade das macht es den Rettungskräften nun schwer: Laut dem Sprecher der Stadtverwaltung, Pierre Reuter, wohnen dort neben Studenten auch nicht gemeldete Ausländer. Daher sei es „schwierig, eine genaue Vorstellung zu haben, wie viele Menschen wir noch suchen”, sagte Reuter. „Es gibt viele junge Leute. Waren sie alle dort, schliefen sie bei Freunden oder hatten sie im Gegenteil Besucher in ihren Appartements?”

Die Leopoldstraße wurde komplett evakuiert. Für die Suche nach weiteren Opfern schickte der Zivilschutz ein Team ähnlich dem, das Belgien jüngst in das Erdbebengebiet nach Haiti entsandt hat.

Ursache für den Einsturz war eine Gasexplosion - soviel ist klar. Doch was genau diese ausgelöst hat, konnte niemand sagen. Laut Presseberichten könnte es sich um eine Unvorsichtigkeit gehandelt haben, aber auch um einen Unfall oder einen Selbstmordversuch. Sicherheitshalber wurde in der Umgebung der Leopoldstraße das Gas abgestellt.

Wie die belgische Tageszeitung „Le Soir” schreibt, hat Innenministerin Turtelboom auch bestätigt, dass bereits am vergangenen Samstag in dem Haus Gasgeruch festgestellt worden sei. Feuerwehr und Gaskontrolleure, die von einem besorgten Bewohner zu Hilfe gerufen worden seien, hätten jedoch nichts Ungewöhnliches feststellen können.

Die Ministerin wies aber ausdrücklich darauf hin, dass die Berichte und Aussagen der Kontrolleure an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden seien. Bevor die Ermittler ihre Untersuchung nicht abgeschlossen habe, könnten keine endgültigen Schlüsse zu dem Unglück gezogen werden.

Am Donnerstagmorgen besuchte Premierminister Yves Leterme Opfer und Helfer; König Albert II war bereits Mittwochabend nach Lüttich gekommen. Das Unglück sorgte in Belgien für Bestürzung. In der ehemaligen Kirche Saint-André wurden Familien, die weiter auf Nachrichten ihrer Angehörigen warteten, betreut. 58 Anwohner wurden anderweitig untergebracht, darunter fünf Kinder. Zahlreiche Hotels hatten sich spontan als Herbergen zur Verfügung gestellt.

Bürgermeister Demeyer betonte, Priorität habe die Suche nach weiteren Verschütteten sowie die Absicherung der Unglücksstelle, bevor die Menschen des Viertels wieder Quartier in ihren Häusern beziehen könnten.

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