Zu schmaler Bahnsteig: Züge halten nicht in Hückelhoven-Baal

Zu schmaler Bahnsteig: Kein Halt in Baal, weil 15 Zentimeter fehlen

Was als simple Modernisierung des Bahnhofs in Baal begonnen hatte, hat sich mittlerweile zur ausgewachsenen Posse entwickelt. Der Bahnsteig an Gleis 1, auf dem die Züge von Aachen kommend in Richtung Mönchengladbach rollen, bereitet der Bahn massive Probleme.

Der Grund: Er ist 15 Zentimeter zu weit entfernt von den Gleisen gebaut worden. Dadurch klafft eine Lücke zwischen Zugtür und Bahnsteig.

Nun erscheint eine 15-Zentimeter-Lücke nicht gerade wie ein unüberwindbares Hindernis. Trotzdem heißt es für die Züge der Linien RE 4 und RB 33, die aus Richtung Aachen kommen: Kein Halt in Baal. Aus Sicherheitsgründen, wie ein Bahnsprecher auf Nachfrage bestätigte.

Eigentlich hätte der Bahnhof in Baal längst wieder vollständig in Betrieb sein sollen. Begonnen hatte alles damit, dass die Strecke zwischen Aachen und Mönchengladbach auf den Rhein-Ruhr-Express (RRX) vorbereitet werden sollte. Der RRX gilt als Regionalzug der Zukunft, der weniger verspätet, selten kaputt und sehr komfortabel sein soll. Dieser Zug stellt aber auch einige Anforderungen an die Bahnhöfe, an denen er halten soll. Weil der RRX auf barrierefreien Zugang baut, müssen die Bahnsteige exakt 76 Zentimeter hoch und mindestens 215 Meter lang sein. Ab Dezember 2020 soll der RRX den RE4 auf der Strecke von Aachen nach Mönchengladbach ersetzen.

Die Bauarbeiten am Bahnsteig Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Um diese Voraussetzungen zu schaffen, begann die Bahn in Kooperation mit regionalen Verkehrsverbünden in diesem Sommer mit dem Umbau der Bahnhöfe. Dafür war die Bahnstrecke im Kreis Heinsberg in den gesamten Sommerferien gesperrt. Es folgten weitere, kürzere Sperrungen, die eigentlich zum Abschluss der Arbeiten Mitte Oktober hätten führen sollen, sagte ein Bahnsprecher. Doch weil der Treppenaufgang in Baal nicht rechtzeitig fertig wurde, konnte der Bahnhof, der im Prinzip auf einer Brücke liegt, weitere drei Wochen nicht angefahren werden.

...und am Treppenaufgang sind auch nach monatelanger Verzögerung nicht abgeschlossen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Im November ist die Treppe zumindest provisorisch benutzbar gemacht worden. Dann fiel der Bahn jedoch das Problem mit der 15-Zentimeter-Lücke auf.

Wie es dazu kommen konnte? War es ein Fehler in den Plänen? Oder haben die Arbeiter sich vermessen? „Wir gehen davon aus, dass schon die Bemessungsgrundlage falsch war“, sagte ein Bahnsprecher. Neben den Gleisen befinden sich demnach sogenannte Vermessungspunkte. Die sollen den Planern eigentlich die Arbeit erleichtern. Doch dieser für Pläne grundlegende Vermessungspunkt hatte sich in Baal verschoben. Wie auch immer so etwas passiert. „Vielleicht ist da mal ein Baufahrzeug gegengestoßen...“ Abschließend erklären kann der Bahnsprecher die folgenreiche Verschiebung nicht.

Und weil der Bahnsteig am Gleis 1 nun 15 Zentimeter zu schmal ist, können dort derzeit noch immer keine Züge halten. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Fakt ist jedenfalls, dass der Weg nach Baal für die Bahnreisenden dadurch ein ganzes Stück länger wird. Wer aus Richtung Aachen nach Baal möchte, muss entweder in Lindern oder Erkelenz aussteigen und von dort mit Bus nach Baal fahren. Wer von Baal in Richtung Möchengladbach fahren will, muss erst einmal mit dem Bus nach Erkelenz. Und diese Extrarunde in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird für manchen Pendler zur Geduldsprobe. „Wir können uns für die Unannehmlichkeiten nur entschuldigen“, sagte der Bahnsprecher.

Das soll sich allerdings – so die Ankündigung der Bahn – „bis Jahresende“ erledigt haben. Weil sich ein Bahnsteig nicht so einfach an ein Gleis heranrücken lässt, möchte man die Gleise ein Stück bewegen. Dazu solle das Gleisbett an einer Seite aufgeschüttet werden, was zu einer Neigung der Gleise und einem Lückenschluss zwischen Zugtür und Bahnsteig führen soll, sagte der Sprecher. Um diese Gleisarbeiten zu ermöglichen, muss die Bahn am Wochenende, 15. und 16. Dezember, noch einmal eine „Sperrpause“ einlegen. Inwieweit die zusätzlichen Arbeiten die Kosten für den Bahnhofsumbau erhöhen, konnte der Sprecher nicht sagen.

Eine Baustelle wird der Bahnhof aber trotzdem noch eine Zeit lang bleiben: Der Baaler Haltepunkt, dessen Bahnsteige für Gehbehinderte oder Senioren des steilen Treppenaufgangs wegen nur schwer zu erreichen sind, sollte eigentlich im Zuge des RRX-Umbaus einen Fahrstuhl bekommen.

Doch dieses Projekt scheint erst einmal auf Eis zu liegen. Man wolle sich zunächst darum kümmern, dass wieder alle Züge halten können, sagte der Sprecher. Das Thema Barrierefreiheit ist dem erst einmal nachgeordnet. Wann der Aufzug fertig sein soll. „Spätestens zum Fahrplanwechsel.“ Und der ist im Dezember 2020. Konkreter wollte der Bahnsprecher nicht werden.

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