Düsseldorf: Zeugin sah Wehrhahn-Angeklagten mehrfach in Tatortnähe

Düsseldorf : Zeugin sah Wehrhahn-Angeklagten mehrfach in Tatortnähe

Eine Anwohnerin hat den mutmaßlichen Wehrhahn-Attentäter nach eigener Aussage mehrfach nach der Bombenexplosion in Tatortnähe gesehen. Die 57-Jährige berichtete am Dienstag als Zeugin vor dem Düsseldorfer Landgericht, bereits wenige Minuten nach der Explosion habe der Angeklagte in Tatortnähe unter einem Baum gestanden und das Geschehen beobachtet.

„Er wirkte sehr unruhig”, hatte sie damals bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Mitten in der Nacht sei sie dann aufgewacht und habe aus dem Fenster geschaut. An der Absperrung des Tatorts habe sie den Angeklagten erneut gesehen, im Gespräch mit zwei Polizisten. „Es war sonst niemand auf der Straße. Das kam mir sehr ungewöhnlich vor.” Sie habe noch gerufen, was er da mache, aber keine Antwort erhalten. Es müsse zwischen 4.00 und 5.00 Uhr nachts gewesen sein.

Das Gericht beendete am Dienstag die Beweisaufnahme und hob zwei weitere geplante Termine auf. Der Prozess soll nun am 3. Juli mit den Plädoyers fortgesetzt werden, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Bei dem Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen aus einer zwölfköpfigen Gruppe verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib. Bei den Opfern handelt es sich um Zuwanderer aus Osteuropa, viele von ihnen jüdischen Glaubens. Der Angeklagte bestreitet die Tat.

Er ist wegen zwölffachen Mordversuchs aus Fremdenhass angeklagt. Das Gericht hatte ihn vor einigen Wochen mangels dringenden Tatverdachts aber auf freien Fuß gesetzt. Damit kann er nun auf einen Freispruch hoffen.

Ein ehemaliger Mithäftling sagte am Dienstag, der 51-Jährige habe in der Untersuchungshaft immer seine Unschuld beteuert. Ein anderer Häftling hatte das Gegenteil behauptet, vor Gericht dann aber die Aussage verweigert.

Am Dienstag verlas der Vorsitzende Richter das Strafregister des Angeklagten: Es reicht über Fahrerflucht, Schwarzfahren, falsche Verdächtigung, Nötigung, Urkundenfälschung, Betrug, Sachbeschädigung, Steuerhinterziehung und üble Nachrede bis hin zu Beleidigung.

(dpa)
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