Aachen: „Zentis-Erpresser” auf freiem Fuß

Aachen: „Zentis-Erpresser” auf freiem Fuß

Zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung und gewerbsmäßigen Betruges in zwölf Fällen wurde am Nachmittag der 27-jährige Ex-Student Markus R. von der 4. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht verurteilt.

Er hatte Anfang dieses Jahres den Aachener Fruchtaufstrich-Hersteller Zentis mit drei kontaminierten Proben der Zentis-Marken Belfrutta und Aachener Pflümli erpresst. Er forderte 500.000 Euro, anderenfalls würden die mit einem narkotisierenden Mittel versetzten Proben in die Supermärkte verteilt. Ein Sachverständiger berichtete am Dienstag, es handele sich bei dem Gift um eine Substanz „wie K.O.-Tropfen”.

Das Gericht hielt dem gebürtigen Oberhausener zugute, er sei durch seine damalige Freundin in die Fänge der Düsseldorfer Schickeria und nach der Trennung in akute Geldnot geraten. Der Maschinenbaustudent fuhr einen BMW Z4 und leistete sich teure Reisen und eine luxuriöse Wohnung. Das finanzierte er zunächst durch falsche Kontoeröffnungen.

Unter dem Stichwort „Zentisfreund” hatte er dann ab dem 7. Januar die Erpresserzahlungen eingefordert. „Er hätte mit den kontaminierten Waren alte Leute und Kinder gefährdet”, bewertet der Vorsitzende Richter Wolfgang Diewald die Tat.

Trotzdem ging das Gericht bei der Strafzumessung von einen minderschweren Fall aus. Der Anwalt des Angeklagten, Rainer Dietz, Aachen, hatte Haftverschonung beantragt. Der junge Mann bekam sie unter der Auflage, bei seiner Mutter einzuziehen und 50.000 Euro als Kaution zu hinterlegen. Der Zentis-Erpresser ist ab Mittwoch also zunächst ein freier Mann. Er wird sich in einigen Monaten zum Haftantritt melden müssen, im offenen Vollzug will er sein Studium wieder aufnehmen.