Spekulationen : Wurde „Gorch Fock“-Seekadettin Jenny Böken ermordet?

Spekulationen : Wurde „Gorch Fock“-Seekadettin Jenny Böken ermordet?

Neue Spekulationen um den Tod von Jenny Böken: Nach einer eidesstattlichen Versicherung eines Zeugen, der sich kürzlich beim Aachener Anwalt der Familie, Rainer Dietz, gemeldet hatte, soll es vor zehn Jahren ein Geschehen nachts an Bord des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ gegeben haben, das auf eine kriminelle Handlung auf Deck hindeute. „Der Zeuge sprach von Mord“, sagte Dietz.

Um den Tod von Jenny Böken aus Geilenkirchen, die in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 beim Wachdienst auf dem deutschen Segelschulschiff „Gorch Fock“ über Bord ging, ranken sich bis heute Spekulationen. Die Eltern des toten Mädchens hatten immer wieder in diversen Verfahren klären lassen wollen, was damals tatsächlich geschah. Für die Marine war es ein Unfall. Kein Gerichtsverfahren hat bislang Zweifel an dieser Version aufkommen lassen. Jetzt gibt es im Fall Jenny Böken eine neue Wende.

Dem Anwalt der Familie liegt eine an Eides statt abgegebene Versicherung des damaligen Bekannten der Offiziersanwärterin vor, nach der die Kadettin aus Angst vor Enthüllungen von ihren Schiffskameraden vorsätzlich über Bord gebracht worden sein soll.

Handyvideo soll sexuelle Übergriffe zeigen

Als Delikt sei dies Mord oder zumindest Totschlag, bewertete der Jurist die Aussage. Er schloss an, dass er deswegen im Einvernehmen mit der Familie Böken bereits ein Wiederaufnahmeverfahren beantragt habe. Hinzu komme, dass es nachweislich „Unregelmäßigkeiten“ bei der Obduktion der Leiche Jennys gegeben habe.

Im Sommer des Jahres 2008, so habe es der ehemalige Soldat jetzt vor Zeugen berichtet, habe er Jenny in Bremen kennengelernt, sie habe ihn auf eine Feier in Düsseldorf eingeladen. Dort habe es im Zuge von Alkoholkonsum sexuelle Übergriffe auf Jenny gegeben, von denen es ein Handyvideo gab. Dies habe die erboste Kadettin klären wollen, sie habe sogar mit Anzeigen, auch gegen ihn selber, gedroht. Außerdem befürchtete die Kadettin, schwanger zu sein.

Vater Uwe Böken aus Geilenkirchen bestätigte die Aussagen und vertrat die Auffassung, dass „dies Mosaiksteinchen sind, die durchaus zu dem passen, was wir, meine Frau und ich, inzwischen wissen.“ Er hoffe nun, dass sich weitere Zeugen melden.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund anhaltender Spekulationen haben wir das Kommentarmodul unter diesem Artikel geschlossen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tote Kadettin: Eltern scheitern mit Entschädigungsklage

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