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Landesregierung habe voreilig gehandelt: Wohlfahrtsverband kritisiert Besuchsregelung für Pflegeheime

Landesregierung habe voreilig gehandelt : Wohlfahrtsverband kritisiert Besuchsregelung für Pflegeheime

Nach der Lockerung des Besuchsverbots in nordrhein-westfälischen Pflegeheimen dämpfen Einrichtungsträger Erwartungen auf ein problemloses Wiedersehen mit pflegebedürftigen Angehörigen.

„Viele Heime können in der Kürze der Zeit gar keine entsprechenden Hygienekonzepte umsetzen“, sagte Christian Woltering, Geschäftsführer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen.

„Wir fürchten, dass es am Sonntag zu herzzerreißenden Szenen kommt, wenn Angehörige wieder wegfahren müssen ohne die Bewohner gesehen zu haben.“ Den Unmut und die Enttäuschung darüber oder über lange Wartezeiten müssten dann Pflegeheime auffangen, in denen die Personalsituation in der Coronavirus-Krise ohnehin extrem angespannt sei.

Mit seiner Ankündigung von Dienstag, das coronabedingte Besuchsverbot pünktlich zum Muttertag am kommenden Sonntag aufzuheben, habe Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann den Eindruck erweckt, man kehre zu einer Normalität wie vor dem Ausbruch der Pandemie zurück. „Damit hat der Minister Hoffnungen geweckt, die vielerorts nicht umsetzbar sind“, sagte Woltering. „Wir sind absolut dafür, diese furchtbare Situation der Isolation schrittweise aufzuheben“, stellte er klar.

Viele Häuser seien längst kreativ geworden, hätten Besuchsfenster oder andere Lösungen des berührungslosen Wiedersehens geschaffen. „Die Pläne des Ministers gehen nun weit darüber hinaus“, sagte er. Bettlägerige Personen sollen zum Beispiel auch im Zimmer besucht werden können. „Die Besucher brauchen dann einen Vollschutz und müssen unter Umständen durch das ganze Haus laufen“. Das sei für viele Heime nicht leicht machbar. Die Landesregierung habe ohne Abstimmung mit den Einrichtungen und übereilt entschieden, kritisierte der Wohlfahrtsverband.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rät daher, sich vorab genau über die jeweiligen Besuchsmöglichkeiten zu informieren. Der Gesundheitsminister sei weit vorgeprescht, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Nicht jedes Heim ist auf einen Ansturm vorbereitet.“ Es gelte, sich über individuelle Schutzkonzepte, etwa über mögliche Zeitkorridore zu erkundigen. „Es wird wohl nicht gehen, mit der gesamten Familie zu kommen.“

(dpa)