Aachen: Wildsaison: Jäger nehmen Verbraucher ins Visier

Aachen: Wildsaison: Jäger nehmen Verbraucher ins Visier

Für Reh, Hirsch und Hase wird es ungemütlich. Die Jäger legen die Flinten an. Die heiße Phase der Jagd hat begonnen und damit die Zeit der großen Jagdgesellschaften. Wer in der Gastronomie etwas auf sich hält, bietet jetzt „frisches Wild” an.

Doch manch „frischer” Braten hat schon eine halbe Weltreise hinter sich, ehe er auf dem Teller landet. Schätzungsweise die Hälfte des Wildfleisches in Deutschland ist Importware. Jäger, Fleischer und Gastronomen in Nordrhein-Westfalen gehen mit der am Montagabend begonnenen Kampagne „Wild auf Wild in NRW” in die Offensive. Sie werben in den „Wildwochen” bis Februar für Wildfleisch aus regionalen Wäldern.

Wild aus der Region ist für die Fleischer eine Selbstverständlichkeit, versichert der Geschäftsführer des Landesverbands, Dirk Haerten: „Importware stellt für uns kein Thema dar.” Vielleicht mal in Spitzenzeiten, wenn der Nachschub knapp ist. Diese Metzger dürfen ebenso wie die Gastronomie mit dem Logo werben „Wild aus der Region”. Wie viel Prozent der Fleischer dabei sind, weiß man im Verband aber nicht.

Ein Jäger aus der Eifel hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. „Wenn ich zum Metzger gehe, sagt der mir: „Das rentiert sich nicht, wenn ich das Tier noch zerlegen muss.” Die kriegen das häufig so billig aus Osteuropa und Neuseeland angeboten, dass sie lieber die Importware nehmen.” Oft sei das Billigfleisch von Tieren, die in Gehegen gezüchtet werden. Die bekommen dann wie in der Landwirtschaft Silage und Heu. „Das schmeckt man dann auch”, meint der Jäger.

Der Landesjagdverband NRW kennt das Problem. Seit einigen Jahren versucht er, die Vermarktungswege zu stärken. Die Kampagne ist ein Weg. Daneben unterstützt er die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Metzgern und fördert die Direktvermarktung von Jägern. Auf seiner Internetseite listet er diejenigen auf, die ohne Umwege über den Metzger Fleisch verkaufen.

Berufsjäger Peter Markett aus Hamm weiß, wie effektiv der direkte Kontakt zum Verbraucher ist. Er ist seit vielen Jahren Direktvermarkter. Vor einigen Jahren hat er mal ein Schild an der Haustüre angebracht „Wildfleisch direkt vom Jäger”. Immer wieder die Frage von den Leuten: „Ist das Fleisch aus der Region?” Ist es, geschossen im Münsterland. Mit küchenfertigen Portionen stellt er sich auf die Hausfrau ein. „Wie soll sie eine Keule mit einem Stück Unterbeinknochen in den Topf bekommen? Das sind echte Probleme.”

NRW gilt als „Hasenland”, als Bundesland mit der höchsten Hasenpopulation. Markett hat aber den Eindruck, dass Hase beim Verbraucher immer weniger geht. „Die Küche hat sich ja auch sehr verändert”, meint er. Junge Hausfrauen setzten eher auf Kurzgebratenes, „ein bisschen Salz und Pfeffer dran und das war es.”

Wild ist zwar immer noch ein Nischenprodukt, aber die Nachfrage steigt. „Wer den kernigen Geschmack mag, ist bei Wild richtig”, sagt der Geschäftsführer des Fleischerverbands NRW, Dirk Haerten. Es kann wohl nicht so sehr am Preis liegen, dass Wild beim Verbraucher hinter Rind, Schwein, Kalb und sogar Lamm liegt. Mit einem Kilopreis von gut 33 Euro liegt der Hirschrücken knapp fünf Euro über dem Rehrücken. Aber das Kilo Wildschweinbraten ist mit gut 19 Euro sogar etwas billiger als der Kalbsbraten. Die Nachfrage steigt auch nicht direkt beim Wildfleisch, sondern eher bei Produkten wie Wildsalami oder Pastete.

Beides ist schon mundfertig zubereitet, das Frischfleisch eben nicht. Die Jäger vermuten auch eine gewisse Unsicherheit beim Umgang mit Wild und haben auf ihrer Internet-Seite einige Rezepte veröffentlicht. „Eine Kernbotschaft der Kampagne ist: Wild ist nicht schwierig zuzubereiten”, meint der Sprecher des Landesjagdverbands, Andreas Schneider.

Die Chance für einen Jäger in Nordrhein-Westfalen, einen Hasen zu erlegen, ist sehr groß. NRW ist bundesweit das Hasenland Nummer 1. Bevorzugte Lebensräume der Mümmelmänner sind Münsterland und Niederrhein, die Soester Börde und die Jülich-Zülpicher Börde. Hirsche, Rehwild und Muffelwild werden vor allem in Eifel, Sieger- und Sauerland gejagt. Wegen ihrer starken Vermehrung werden generell die Wildschweine intensiv ins Visier genommen. Gemessen an landesweit 82.500 Jägern sind die Frauen noch in der Minderheit (7400), aber die Tendenz ist steigend.