Trotzdem weiter Schlusslicht: Wieder mehr Organspender in NRW

Trotzdem weiter Schlusslicht : Wieder mehr Organspender in NRW

Tausende Kranke in Deutschland hoffen auf ein Spende-Organ wie Niere, Leber, Lunge und Herz. In NRW ist die Zahl der Organspender 2019 wieder gestiegen, aber im Bundesvergleich bleibt das Land Schlusslicht.

Die Zahl der Organspender in Nordrhein-Westfalen ist 2019 erneut gestiegen, aber NRW bleibt nach Zahlen der Stiftung Organtransplantation (DSO) bundesweit weiter Schlusslicht. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 179 Menschen in NRW nach ihrem Tod 586 Organe für schwerkranke Patienten gespendet, wie die DSO am Montag in Frankfurt mitteilte. Im Vorjahr waren es 163 Spender.

Bundesweit lag die Zahl mit 932 Spendern annähernd auf dem Vorjahresniveau (955). Gespendet wurden vor allem Nieren, Lebern, Lungen und Herzen. Der medizinische DSO-Vorstand Axel Rahmel sagte: „Jedes einzelne Organ zählt und kann über Leben und Tod eines schwerkranken Menschen entscheiden.“

Im bundesweiten Vergleich mit insgesamt sieben Regionen steht NRW weiterhin an letzter Stelle: Kamen in ganz Deutschland 11,2 Spender auf eine Million Einwohner, lag der Schnitt im bevölkerungsreichsten Bundesland bei 10 Spendern pro Million Einwohner. Die ostdeutschen Regionen liegen mit 13,5 bis 14,9 Spendern pro Million Einwohner deutlich darüber. Zu den neun Transplantationszentren in NRW gehören sieben Uni-Kliniken und zwei Zentren in Bad Oeynhausen und Köln-Merheim.

Es gebe keine Analyse dazu, warum es in NRW weniger Organspender gebe, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Transplantationsbeauftragten NRW, Gero Frings. „Wir können nur vermuten, dass die Arbeit der Verantwortlichen vor Ort noch besser unterstützt werden muss“, meinte der Chef des Vereins mit 75 Mitgliedern. Nach und nach würden die Möglichkeiten einer Gesetzesänderung im vergangenen Jahr umgesetzt, die den Medizinern einen höheren Stellenwert, mehr Befugnisse und mehr Freiraum gebe. NRW habe außerdem ein bundesweit beachtetes Ausbildungs-Angebot für Transplantationsmediziner.

Beim Blick auf Nordrhein-Westfalen als bundesweites Schlusslicht dürfe man nicht vergessen, dass auch Deutschland im internationalen Vergleich nicht gut dastehe. Nach Angaben der DSO ist Deutschland mit einer bundesdurchschnittlichen Spenderrate von 11,2 Spendern pro Million Einwohner im internationalen Vergleich eines der Schlusslichter. Man werde in zwei Jahren sehen, ob die strukturellen Veränderungen Früchte tragen, sagte Frings.

Während bundesweit im vergangenen Jahr über 3000 schwerkranken Patienten durch Transplantationen geholfen wurde, warteten nach Angaben der DSO zum Jahresende noch mehr als registrierte 9000 Patienten auf ein Organ. Bei alljährlich rund 1000 Patienten auf der Warteliste verschlechtere sich der Gesundheitszustand so sehr, dass entweder keine Transplantation mehr möglich sei - oder die Patienten sterben.

Am Donnerstag (16. Januar) soll der Bundestag über neue Regeln für Organspenden entscheiden. Dann geht es auch um die sogenannte Widerspruchslösung. Zwei fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe liegen vor: Eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schlägt eine „doppelte Widerspruchslösung“ vor. Demnach sollen automatisch alle Bürger als Organspender gelten. Man soll dazu aber später Nein sagen können, ansonsten wäre auch noch bei Angehörigen nachzufragen. Dies lehnt eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock ab. Sie schlägt vor, die Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen auf das Thema anzusprechen.

(dpa)