Aachen/Cottbus: Wie lange brauchen wir die Braunkohle denn nun noch?

Aachen/Cottbus : Wie lange brauchen wir die Braunkohle denn nun noch?

Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie lange Deutschland die Braunkohle noch braucht, sind selbst Wissenschaftler uneins. Nachdem der Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU), wissenschaftliches Beratungsgremium der Bundesregierung, vergangenen Herbst angeregt hatte, die ältesten Kohlekraftwerke bis 2020 vom Netz zu nehmen, kommt eine gerade veröffentlichte Studie zu einem anderen Ergebnis.

Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Cottbus-Senftenberg haben in einer Untersuchung im Auftrag des SPD-geführten brandenburgischen Wirtschaftsministeriums festgestellt, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland nur zu gewährleisten sei, wenn sämtliche Kohlekraftwerke bis mindestens 2023 am Netz bleiben.

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung legt neben der Versorgungssicherheit einen inhaltlichen Schwerpunkt vor allem auf der Einhaltung von Deutschlands Klimazielen bis 2020 beziehungsweise bis 2030. Den Begriff „Klimaziele“ sucht man in der Studie der TU Cottbus-Senftenberg hingegen vergeblich. „Die Untersuchungen der zu erwartenden Kraftwerkskapazitäten im Jahr 2023 haben gezeigt, dass die gesicherte Leistung weiter sinken wird. Für Stunden mit sehr geringen Einspeisungen aus Wind- und Photovoltaikanlagen kann die gesicherte Leistung weit unter die zu diesem Zeitpunkt auftretende Last sinken“, schreiben die Cottbuser Wissenschaftler. „In diesen Fällen wird in Deutschland demnach nicht genug Elektroenergie ins Stromnetz eingespeist, um die Nachfrage vollständig decken zu können.“

Das Potenzial regenerativer Energien, besonders Photovoltaik und Windenergie, sei „stark eingeschränkt“. Photovoltaikanlagen könnten „aufgrund ihres stark fluktuierenden Einspeisecharakters auch im Jahr 2023 keinen Beitrag zur Frequenzhaltung leisten“. Und mögliche Alternativen zur Regelleistungsbereitstellung wie Batteriespeicher „sind bis zum Jahr 2023 nicht in erforderlichem Umfang einsetzbar“, wie es in der Cottbuser Studie heißt.

Garzweiler und Hambach verkleinern

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hatte die Frage der Kohlekraftwerk-Laufzeiten für nachrangig gehalten. Entscheidend sei, eine maximale Menge von CO2-Emissionen für die Braunkohleverstromung der kommenden Jahre festzulegen, die nicht überschritten werden dürfe. Die Studienautoren empfahlen, besonders die Tagebaue Hambach und Garzweiler weiter zu verkleinern und deren endgültigen Grenzen so schnell wie möglich neu zu definieren. Die Stromversorgung in den Zeiten, in denen weder Wind- noch Sonnenenergie verfügbar ist, könne kurzfristig mit Energie aus Gaskraftwerken sichergestellt werden. Den Berechnungen der Studie zufolge wäre der Braunkohlestrom schon bald verzichtbar.

Anders die Wissenschaftler der TU Cottbus-Senftenberg: Es sei in Anbetracht aller Umstände „anzuraten, ausreichend gesicherte Leistung in Form von konventionellen Kraftwerken in Deutschland zur Verfügung zu halten“. Vor der Entscheidung darüber, weitere Kohlekraftwerke stillzulegen, müsse „die Thematik der Versorgungssicherheit detailliert untersucht werden“.

Mehr von Aachener Nachrichten