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In eigener Sache: Wie konnte das passieren?

In eigener Sache : Wie konnte das passieren?

Bei der Berichterstattung über das 50-jährige Bestehen des Baesweiler Gymnasiums ist uns ein peinlicher Fehler unterlaufen: Wir haben ausschließlich Männer nach ihren Erinnerungen gefragt. Daraus werden wir lernen.

Das Gymnasium der Stadt Baesweiler feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Rund 5500 Schülerinnen und Schüler haben hier ihr Abitur gemacht, seitdem die Schule mit dem Schuljahr 1971/72 ihren Betrieb aufgenommen hat.

Für uns war das Grund genug, der Schule eine Seite in unserem Lokalteil zu widmen und den Anlass auf unseren Webportalen zu würdigen. Weil wir die Geschichte bewusst ein bisschen anders erzählen wollten, haben wir nach ehemaligen Abiturienten gesucht, die sich in kurzen Textbeiträgen an ihre Zeit auf dem Gymnasium erinnern sollten. Zu den Autoren gehörte auch unser stellvertretender Chefredakteur Amien Idries. So weit so gut. Und doch so schlecht.

Denn was niemandem in der Redaktion vor der Veröffentlichung aufgefallen war: Die Texte stammten ausschließlich von Männern. Nicht eine Frau kam zu Wort. Ein Armutszeugnis! Völlig zu Recht erreichten uns noch am Tag der Veröffentlichung teils heftige Rückmeldungen aus unserer Leserschaft.

 So sollte es nicht sein: Für die Geschichte zum Jubiläum des Gymnasiums haben wir nur männliche Abiturienten befragt.
So sollte es nicht sein: Für die Geschichte zum Jubiläum des Gymnasiums haben wir nur männliche Abiturienten befragt. Foto: ZVA

Auf Facebook schlugen die Wellen ebenfalls hoch. Ein ehemaliger Schüler versuchte es noch mit ein bisschen Humor, als er anmerkte, ihm sei gar nicht bewusst gewesen, dass er sein Abitur an einem reinen Jungengymnasium gemacht habe. Zu Scherzen war uns in der Redaktion nicht zumute. Wir haben einen Fehler gemacht, der uns sehr leidtut und für den wir um Verzeihung bitten.

Wie konnte das passieren? Ehrliche Antwort: Keinem der Männer, die sich mit dieser Geschichte beschäftigt haben (auch nicht der Chefredakteur), war aufgefallen, dass die Liste ausschließlich aus Männern bestand. Das ist peinlich. Das ist schlecht. Es ist aber nicht das, wofür diese Redaktion steht. Und doch scheint es mehr zu sein als reine Gedankenlosigkeit.

Offensichtlich gibt es immer noch die Dominanz einer männlichen Sichtweise, obwohl der Frauenanteil in der Redaktion inzwischen bei 40 Prozent liegt. Richtet sich unser Blick nach wie vor viel zu stark auf Männer? Wird die weibliche Perspektive vernachlässigt?

Solche und andere Fragen haben wir gestern sehr offen und intensiv in der Redaktionskonferenz diskutiert. Offensichtlich haben wir über dieses Thema in der Vergangenheit nicht oft genug gesprochen. Zumindest kann man diesen Eindruck nicht von der Hand weisen, wenn man die Seite über das Gymnasium Baesweiler betrachtet.

Wir sind selbst irritiert, dass uns das im Jahr 2021 passiert ist. Und wir sind enttäuscht von uns. Wir müssen und werden da­­­­raus lernen.