Fragen und Antworten: Wie gefährlich ist die erste NRW-Wölfin?

Fragen und Antworten : Wie gefährlich ist die erste NRW-Wölfin?

Nordrhein-Westfalen hat seit Montag das erste offiziell ausgewiesene „Wolfsgebiet“. Genetische Befunde und Beobachtungen deuteten darauf hin, dass eine Wölfin im Kreis Wesel heimisch geworden sei, sagte Landesnaturschutzministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in Düsseldorf. Für Herdenbesitzer, aber auch für Waldspaziergänger und Anwohner in den betroffenen Gebieten stellen sich jetzt viele Fragen.

Ist der Wolf eine Gefahr für die Menschen in NRW?

Die Experten aus dem Ministerium und dem Landesumweltamt sehen keinen Anlass für Ängste. Nachdem 2009 ein erster durchziehender Wolf in NRW gesichtet wurde, sei kein einziger Angriff auf einen Menschen belegt. „Der Mensch passt nicht in das Beuteschema des Wolfes“, erklärt Staatssekretär Heinrich Bottermann.

Die Rotkäppchen-Frage: Was tun, wenn einem der Wolf im Wald begegnet?

Märchen haben zum schlechten Ruf des „bösen Wolfes“ beigetragen. Matthias Kaiser, Zoologe im Landesumweltamt, hält das für unbegründet und rät zur Besonnenheit. „Der Wolf hat Respekt vor Menschen und hält gebührenden Abstand“. Ratsam sei, frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen - etwa durch Klatschen in die Hände - um dem Tier nicht plötzlich in einer Stresssituation gegenüberzustehen. Ganz falsch im Umgang mit wilden Tieren: schreiend davonlaufen. Lieber langsam zurückziehen. Der Naturschutzbund Deutschland empfiehlt, Hunde im Wolfsgebiet an der Leine zu führen.

Was bedeutet es praktisch, dass NRW nun sogenanntes Wolfsland ist?

Wird ein Gebiet als Wolfsregion anerkannt, können Schutzmaßnahmen für Nutztiere gefördert werden. Das erste NRW-Wolfsgebiet umfasst rund 958 Quadratkilometer der Kreise Kleve, Wesel, Borken und Recklinghausen sowie die Städte Bottrop und Oberhausen. Dort können nun Schutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen zu bis zu 80 Prozent der Kosten gefördert werden - etwa für neue oder verbesserte Elektrozäune oder die Ausbildung und Anschaffung von Herdenschutzhunden. Entschädigungen für Tierrisse durch Wölfe werden laut Naturschutzministerium weiterhin zu 100 Prozent gezahlt.

Was sagen die Herdentierhalter?

Ihre Interessenverbände fordern umfassendere Unterstützung. In anderen Bundesländern, etwa Rheinland-Pfalz, würden präventive Maßnahmen zu 90 Prozent ersetzt, erklärte ein Sprecher des Bauernverbands im Rheinland. Zudem blieben die Halter in NRW auf Folgekosten sitzen, wenn etwa ein Wolf ein Mutterschaf töte und die Lämmer mit der Flasche großgezogen werden müssten. Aus Nachbarländern sei bekannt, dass Wölfe lernten, Zäune zu überwinden. Wenn Schutzmaßnahmen nicht wirkten, sei eine „Entnahme“ der Wölfe eine logische Konsequenz.

Dürfen Wölfe gejagt werden?

„Der Wolf darf nicht bejagt werden und es gibt keinerlei Bestrebungen auf Bundesebene, ihn ins Jagdrecht aufzunehmen“, stellte Heinen-Esser klar. Wer seine Flinte auf Isegrim abfeuert, muss mit empfindlichen Geld- oder sogar Freiheitsstrafen rechnen. Bundesweit seien bis zum vergangenen Jahr 60 Wolfsrudel bekannt geworden, darunter 60 Paare.

Können „Problemwölfe“ entfernt werden?

„Das geht nicht“, unterstrich die Ministerin. Der Wolf genieße nach nationalem und europäischem Naturschutzrecht höchsten Schutz. Bis zu seiner ersten registrierten Durchreise durch NRW im Jahr 2009 habe die Art hier 180 Jahre lang als ausgestorben gegolten.

Ist nun in NRW mit einem Wolfsrudel zu rechnen?

Rein formal könne derzeit nicht einmal von einem sogenannten standorttreuen Wolf gesprochen werden, erklärte die Ministerin. Die dafür erforderlichen sechs Monate Beobachtungszeit der Wölfin seien noch nicht um. Heinen-Esser äußerte sich aber überzeugt: „Sie ist gekommen, um zu bleiben. Jetzt müssen wir abwarten, ob sie einen Wolf anzieht und ein Rudel bildet.“ Manche blieben allerdings Einzelgänger.

Wer ist Ansprechpartner in Wolfsfragen?

NRW hat landesweit 65 Wolfsberater. Umfangreiche Informationen gibt es auf einem neuen Infoportal des Naturschutzministeriums unter www.wolf.nrw. Rund um die Uhr erreichbar ist die Nachrichtenbereitschaftszentrale des Landesumweltamtes unter 0201 714.488.

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