Aus dem Job gekickt: Wer lügt, ist für den Polizeidienst nicht geeignet

Aus dem Job gekickt : Wer lügt, ist für den Polizeidienst nicht geeignet

Das Verwaltungsgericht Aachen bestätigt die fristlose Kündigung eines Polizeianwärters. Die charakterlichen Defizite des 32-Jährigen seien nicht hinnehmbar.

Charakterliche Mängel können einen Polizeianwärter aus dem Job kicken. Das musste am Donnerstag ein ehemaliger Anwärter für den höheren Polizeidienst erfahren, der vor dem Verwaltungsgericht auf Wiedereinstellung geklagt hatte.

Mit seiner Klage gegen die Ausbildungsstätte der Aachener Polizeidirektion wollte ein 32-Jähriger wieder zurück in seinen Traumjob, denn er wollte damals und will auch heute noch Polizist werden. Allerdings kann er sein 2017 von der Behörde fristlos gekündigtes Ausbildungsverhältnis nicht wieder antreten.

Seine Klage wurde am Donnerstag von der 1. Kammer des Aachener Verwaltungsgerichts abgewiesen. In der Urteilsbegründung machte der Vorsitzende der Kammer, Richter Markus Lehmler, deutlich, dass man der Einschätzung der Ausbildungsabteilung der Polizei zwar nicht in allen vorgebrachten Aspekten folge, in einigen aber schon. Demnach habe sich der Ex-Anwärter als charakterlich unzuverlässig erwiesen, weshalb seine Wiedereinstellungsklage abgewiesen werde.

Um seine charakterlichen Defizite deutlich zu machen, führte die Personaldezernentin Ruth Jorias vier Vergehen des damaligen Polizeianwärters ins Feld. Jedes für sich reiche für eine Ablehnung, war die Argumentation.

Zwei der vier Vergehen wertete das Gericht als schwerwiegend. So habe der 32-Jährige von Oktober 2016 bis ins Jahr 2017 monatlich sogenannte Trennungsentschädigungen für Fahrten von Aachen nach Köln geltend gemacht, obwohl er nicht mehr in Aachen wohnte, war der Vorwurf, dem das Gericht folgte. Zwar sei das strafrechtliche Betrugsverfahren mit einem Freispruch ausgegangen, doch die Tatsache an sich zeige eine Unzuverlässigkeit in der Einstellung des werdenden Beamten, die staatlicherseits nicht hinnehmbar sei, argumentierte die Kammer.

Das zweite Vergehen: Bei einer Feier der Bundespolizei – dort war er zuvor gleichfalls Auszubildender, war jedoch durch eine der Prüfungen gefallen – hatte sich der 32-Jährige nicht etwa in seiner Azubi-Uniform fotografieren lassen, sondern er zog sich das ausgeliehene Jackett eines Kommissars, das ein silberner Stern schmückt – über und setzte zum Fotoshooting auch dessen Mütze auf.

Mit jenem Foto und anderen Äußerungen, so hatte seine ebenfalls im Polizeidienst tätige Ex-Freundin zu Protokoll gegeben, habe er sich als ein bereits im Dienst tätiger Bundespolizist ausgeben wollen. Das wertete sie anscheinend als Hochstapelei und schwärzte ihren Ex bei der Polizei an.

Außerdem: Er habe sich in Whatsapp-Chats abfällig über Frauen und ihre Beziehung geäußert, auch sein Alter habe er geschönt: Er machte sich gegenüber der Freundin zwei Jahre jünger. Das Gericht sah dem jungen Mann die kleinen wie größeren Unwahrheiten nicht nach und bestätigte dem Arbeitgeber: So einer muss wegen charakterlicher Defizite nicht weiter beschäftigt werden.