Aachen: Welterbetag in Aachen mit vielen Facetten

Aachen : Welterbetag in Aachen mit vielen Facetten

Ein pralles Wochenende, an dem besonders die Aktiven auf dem Domhof die Wetterberichte im Blick hatten — aber alles ging gut, kein Unwetter. Ritter Gerhard Chorus, dessen über zwei Meter große Skulptur wie ein versteinerter Ratsherr die Besucher vor dem Dom begrüßte, wurde nicht nass. Eher sauberer, denn bei ihm ist Lasertechnik im Einsatz: Welterbetag in Aachen.

Seit 40 Jahren steht der Dom auf der Liste des schützenswerten Erbes — 1978 war er das erste deutsche Bauwerk. Um ihn jetzt bereits zu ehren, hat die Deutsche Unesco-Kommission zum Tag des Welterbes, der an jedem ersten Sonntag des Jahres gefeiert wird, Aachen ausgewählt.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (v.li.) und Dompropst Manfred von Holtum begrüßen Birgitta Ringbeck und Prof. Hartwig Lüdtke von der Unesco. Foto: Andreas Herrmann

Das Fest startete bereits am Samstag mit einem Programm auf dem Domhof, an dem auch die Fachhochschule Aachen teilnahm. Hier hatte Professor Peter Sparla vom Fachbereich Bauingenieurwesen die Chance, eine neue Scantechnik auszuprobieren. „Projekte am Dom sind für uns sehr wichtig“, betonte Sparla. Gold- und Silberschmied Georg Comouth zeigte Geduld beim Ziselieren und Gravieren, die Traditionsfirma Oidtmann demonstrierte, wie man leuchtende kunstvolle Fenster herstellt und erstmals konnte man Abgüsse der grimmig-grüblerischen „Groteskfiguren“ sehen und kaufen, die man an der Matthias-Kapelle entdeckt hat.

Schon die Römer

Holz am Dom: „Was hier verbaut wurde, ist unglaublich, früher meist Eichenholz“, berichtete Betriebsleiter und Zimmermann Heinz Quix. An zwei Tagen wurden drei Massivholztische gefertigt und versteigert. Das Ergebnis: 6200 Euro zugunsten der Dombauhütte, wie Olaf Korr unserer Zeitung am Sonntagabend mitteilte.

Blei, Schiefer, Dachpappe, die nicht so leicht verklebt — all das durfte man anschauen, oft sogar anfassen. „Blei haben schon die Römer benutzt, das blieb wichtig, weil man es gut formen konnte“, erläuterte Dachdecker Marcel Mohr. 30 Tonnen davon wurden auf 700 Quadratmeter Dom-Dachfläche aufgebracht.

Am Sonntag, dem „offiziellen“ Welterbetag, gab es zunächst ein festliches Hochamt mit Bischof Helmut Dieser, der an diesem Tag zugleich seine Bischofsweihe feierte: 2011 wurde er Weihbischof in Trier. „Einzigartig und nicht ersetzbar“ — zwei Begriffe die er dem Dom zuordnet — aus geistlicher Sicht „Heimatort für die Seele“.

Beim anschließenden Festakt im Krönungssaal de Rathauses konnte Oberbürgermeister Marcel Philipp illustre Gäste begrüßen. „Hier stand die Königshalle, das Rathaus gehört zum Komplex des Welterbes dazu“, betonte Philipp.

Als Hausherr des Doms erinnerte Dompropst Manfred von Holtum an die Tatsache, dass Aachener Großereignisse im Dom beginnen — ob nun die Verleihung des Karlspreises oder des karnevalistischen Ordens wider den tierischen Ernst.

Nicht nur die Glückwünsche, auch besondere Informationen brachte Professor Hartwig Lüdtke, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, mit. So kamen zusammen mit dem Dom 1978 die Altstadt von Krakau und die Galapagos-Inseln auf die Welterbe-Liste. „Über 40 Welterbestätten gibt es nun in Deutschland“, betonte Lüdtke, „und jede ist anders. Uns geht es um das globale Erbe, bei dem jedes einzelne für alle Menschen von Bedeutung ist.“

Mehr zum Dom berichtete Dombaumeister und Welterbemanager Helmut Maintz. Er ging auf die Bauepochen ein, die sich zum Ganzen verbunden haben, und auf das „Glashaus“ — die Chorhalle mit ihren 26-Meter-Fenstern — oder skurrile Details wie zähnefletschende Wasserspeier. „31 Jahre Sanierung, 37 Millionen Euro, das sind eindrucksvolle Zahlen, aber das Welterbe verlangt mehr von uns.“ Übrigens: Auf zwei, mit Schreibmaschine beschriebenen Seiten habe der damalige Dombaumeister Leo Hugot den Antrag gestellt, erzählte Maintz — das Publikum staunte. Das „Meer aus Steinen“ sei weit „mehr als nur Steine“ prägte er den Spruch zum Tag.

Mit ihrem Beitrag zu den Welterbestätten weltweit öffnete schließlich Birgitta Ringbeck, Koordinatorin im Auswärtigen Amt für das Welterbeprogramm, den Blick für die weltweite Sorge um unersetzliches Kulturerbe. Sie wies auch auf Zerstörungen durch Terrormilizen hin, auf Überlegungen des Wiederaufbaus. „Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wiederaufbau zugleich die Auferstehung einer demokratischen Gesellschaft, das sollte man nicht vergessen“, meinte Birgitta Ringbeck. „Schutz und Erhaltung des Welterbes“, so ihr Appell, „müssen verstärkt werden.“

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