Weihnachtscircus in Aachen zeigt eine abwechslungsreiche Show

„Schöne Bescherung“ in der Manege : Abwechslungsreiche Show beim Weihnachtszirkus

Ein Engel mit weißen Schwingen schwebt Richtung Himmel, es schneit und plötzlich sind selbst die energiegeladenen, lachenden Hochseilkünstler still und feierlich: Der Aachener Weihnachtscircus auf dem Bendplatz, der am Freitag seine Premiere feierte, ist rundum ein Erlebnis für die ganze Familie.

Weihnachtliches Rot lässt die Arena strahlen, für die Regisseur Thomas Bruchhäuser ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt hat, das den Spannungsbogen zwischen Staunen, Lachen und unendlicher Spannung erhält. Das gelingt mit einem Ensemble, das nicht nur glänzende Akrobatik bietet, sondern zudem mit Charme und Eleganz arbeitet. Das sieht man. In diesem Zelt ist man den Künstlern schließlich sehr nah.

Und wer glaubt, da gibt es kaum noch etwas Neues, wird sich wundern. Eine Sandmalerin im Circus? Es funktioniert. Die Schauspielerin und Ballerina Svetlana Vadko bannt die Zuschauer mit akrobatischer Geschicklichkeit, streut, wischt, zeichnet, verwandelt ihre Motive blitzschnell – und all das spielerisch leicht. Auf der großen Leinwand, Projektionsfläche ihrer Werke, tauchen schwungvolle Aachen-Motive aus feinem Sand auf, Pferde, Häuser, Dom, selbst Kaiser Karl darf mitmachen. Momente der Ruhe lassen Raum für eigene Gedanken.

Schön gleiten die Körper von Nina Chubrikova und Yury Kuznetsov als Duo Resonance, Stars des Cirque du Soleil, durch die Manege. Auf einer Spiegelfläche verbinden sie sich kraftvoll zu Skulpturen. Dann lernt das Publikum den spaßigen Begleiter des Abends kennen: Cesar Diaz, der Portugiese, der keine Clownsschminke braucht, um die Menschen zum Lachen zu bringen. Pannen und Peinlichkeiten bereitet er witzig auf, holt sich Zuschauer in die Manege und erarbeitet spielerisch eine Nummer, die tatsächlich klappt. Man mag ihn, er darf fast alles, ist musikalisch und beherrscht die „singende Säge“. Ein begabter Beatboxer, sensibel, wenn jemand zögert. Und er wahrt ein Weihnachtsgeheimnis: Was steckt im riesigen Buch, das zu Anfang aus einem großen Paket geholt wird? Das wird nicht verraten, auch nicht in diesem Text – aber es hat mit Musik zu tun.

Tradition ist gleichfalls Jonglage in der Arena: In irrwitzigem Tempo schleudert Mario Berousek die silbrigen Keulen, die sich optisch irgendwann in wirbelnde Scheiben verwandeln. Noch eine Keule, noch eine. Manchmal fällt eine zu Boden – Berousek macht weiter, lässt sie liegen, unbeirrt und selbstbewusst.

Noch während sich Komiker Cesar Diaz im Mikrofonkabel verheddert, hört man hinter dem Vorhang laute Rufe: Alessio Fochesatos farbenprächtige Aras wollen die Schnäbel nicht halten. Geschickt lenkt er die sechs bunten Schönheiten, einen Kakadu und leuchtend gelbe Sonnensittiche durch die Manege, lässt sich von begeisterten Kindern helfen und schickt die Papageien schließlich zum Rundflug über die Köpfe der Zuschauer. Tiere im Zirkus? Ein heikles Thema. Der Künstler spielt liebevoll mit den klugen Vögeln, die Langeweile nicht mögen. Beim Circus wird die nicht aufkommen.

Treue Begleiterin durch den Abend ist zudem die spanische Sängerin Ruth Calixta, die zunächst mit XXL-Engelsflügeln die Show eröffnet und in wechselnden Christbaum-Glitzer-Kleidern hingebungsvoll und kräftig weihnachtlich-moderne Songs interpretiert, zeitweise unterstützt von vier leichtfüßigen, langbeinigen Nikolaus-Damen mit amerikanischem Touch.

Archaisch im Vergleich zu ihnen erscheint das brasilianische Duo Nigretai. Durchgestylt wie die Akteure einer Tempelzeremonie, unterlegen sie ihrer erstaunlichen Akrobatik am Seil mit Haaren und Zähnen orientalische Tanzelemente. Jessica Alexandre und Kaue Andryh sind dabei perfekt aufeinander eingeschworen, eine Nummer wie ein Gemälde.

Weihnachtscircus feiert zum dritten Mal in Aachen Premiere

Die Show lebt von Abwechslung. Unbeschreiblich cool beschäftigt sich Andreas Bartl in lockerem Jeans-Outfit mit dem „Chinesischen Mast“, ein Kraftkünstler mit Witz und Ausstrahlung, der in unglaublichen Posen verharrt, gemütlich um sich schaut, schmunzelnd Leichtigkeit suggeriert, wenn es am schwersten wird. Perfekt. Die Einzelkünstler sind stark bei diesem Weihnachtscircus, etwa der Brasilianer Super Silva jr., der als Deckenläufer an zehn Schlaufen hoch oben in der Kuppel spazieren geht, Körperspannung ist bei ihm lebenswichtig. Oder Aleksey mit seinem leuchtenden, blinkenden Riesenrad „Cyr“. Er erscheint im Farbwechsel und mit seinem Anzug aus Glassplittern wie ein gelenkiger Gast aus einer fremden Galaxie. Ausstrahlung beweist auch Lisa Rinne. Keiner „fällt“ so schön wie sie von der Strickleiter, dann geht es hinauf ans Trapez und zum Schluss mit einem beherzten Sprung ins Dunkel – zum Glück an der Sicherheitsleine.

Bis fast zum Schluss lässt die Regie das Publikum auf sieben mutige junge Männer aus Südamerika, Australien und Europa warten, die als Mesa Brothers hoch oben konzentriert über stählerne Seile laufen, springen und sich schließlich zu einem legendären Kunststück verbinden: der Pyramide in schwindelnder Höhe. Die Zuschauer jubeln, das ist Circus in Reinkultur, der berührt. Eine „Schöne Bescherung“ eben. Dann rieselt leise der Schnee und das Geheimnis des Buches wird gelüftet.

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