Düsseldorf: Wehrhahn-Prozess: Angeklagter äußerte mehrfach Hass auf Russen

Düsseldorf : Wehrhahn-Prozess: Angeklagter äußerte mehrfach Hass auf Russen

Der Angeklagte im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn hat in Telefonaten mehrfach seinen Hass auf Russen kundgetan.

„Das sind Russen, die unser Land ausbluten”, sagte er in den abgehörten Gesprächen, die am Dienstag im Prozess vorgespielt wurden, sowie: „Drecksgesocks, die mein Land ausplündern”, „drogenverkaufendes Drecksvolk”, „Russen-Kanaken”, „Russen, die mit Handgranaten handeln”. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zeigt dies den besonderen Hass des Angeklagten auf die Opfergruppe des Anschlags.

Der 52-Jährige bestritt eine solche besondere Abneigung. „Der Text ist ein bisschen blöd”, räumte er aber ein. „Sogar asozial.” Er schloss auch nicht aus, dass er möglicherweise jener Mann mit schwarzer Bomberjacke und Hund gewesen sei, von dem sich die osteuropäischen Sprachschüler vor dem Anschlag bedroht gefühlt hatten. Er habe aber niemanden bedroht, sondern sei nur mit seinem Rottweiler spazieren gegangen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich der Angeklagte nach dem Anschlag gegenüber einem Journalisten verraten, als er diesem in einem weiteren Telefonat von einer verdächtigen schwarzen Limousine berichtete, die zur Tatzeit am S-Bahnhof parkte. Außer einem einzigen Zeugen habe niemand diesen Wagen bemerkt. Dies deute daraufhin, dass der Angeklagte zur Tatzeit am Tatort war, sagte der Staatsanwalt am Randes des Prozesses. Der 52-Jährige sagte dazu auf Nachfrage, er wisse nicht mehr, woher er von dem schwarzen Wagen erfahren habe.

Dem Angeklagten mit Kontakten zur rechten Szene wird zwölffacher Mordversuch aus Fremdenhass vorgeworfen. Er bestreitet die Tat. Bei dem Bombenanschlag waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib. Bei den Opfern handelt es sich um Zuwanderer aus Osteuropa.

Der Angeklagte war bereits damals schon verdächtigt und mehrfach vernommen worden. Einem Mithäftling soll er die Tat viele Jahre später gestanden haben. Daraufhin waren die Ermittlungen wieder ins Rollen gekommen.

(dpa)
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