Wasserstand im Rhein an einigen Stellen so niedrig wie nie gemessen

Dürreperiode : Wasserstand im Rhein an einigen Stellen so niedrig wie nie gemessen

Dort, wo sonst der Rhein fließt, lassen Eltern mit ihren Kindern Drachen steigen. Hundebesitzer haben außergewöhnlich viel Platz für ihre Vierbeiner direkt am Ufer, während sich die Schiffe durch eine enge Fahrrinne ihren Weg vorbei am Düsseldorfer Landtag bahnen.

Der Rhein führt wenig Wasser in diesen Tagen - vertrocknete Uferbereiche prägen seit Monaten das Bild des längsten deutschen Flusses. Rekordtiefstwerte beim Wasserstand sind die Folge der monatelangen Dürre - Umwelt und Wirtschaft haben damit zu kämpfen.

In Emmerich erreichte der Pegelstand mit nur noch 24 Zentimetern einen Rekordtiefstwert am Dienstag, dort wurde der Wert vom Vortrag nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde noch einmal um zwei Zentimeter unterboten. Und das Wasser wird weiter zurückgehen, das scheint sicher: Die Prognosen sagen für die kommenden Tage einen Wasserstand von unter 20 Zentimetern voraus.

Auch in Rees, ebenfalls am Niederrhein, und in Duisburg werden die Rekorde gebrochen. In den beiden größten NRW-Städten in Köln und Düsseldorf fehlen nur noch wenige Zentimeter zum Tiefstwert. Für Ende der Woche könnten auch die bisherigen „Bestmarken“ erreicht sein, fürchten die Experten. Allerdings schwanken die Vorhersagen bei Wasserständen auch ziemlich, räumt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein ein.

Den Binnenschiffern bereit der niedrige Wasserpegel schon seit Monaten Probleme. Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) können größere Schiffe teilweise nur noch halb beladen auf dem Rhein fahren - vereinzelt sogar mit noch weniger Ladung. Es gebe aber nicht auf allen Wegen Probleme. Zwischen den großen Häfen im niederländischen Rotterdam und Duisburg sei die Schifffahrt weniger beeinträchtigt als auf dem Mittelrhein.

Sorgen auch bei RWE. Der Energiekonzern kann das Steinkohlekraftwerk in Hamm weiterhin nicht mit vollen Kohlefrachtern beliefern. Ein Unternehmenssprecher sagte, durch den niedrigen Wasserstand könnten die Schiffe zum Kraftwerk nur etwas mehr als zwei Drittel der eigentlichen Ladung transportieren. Im Sommer war die Anlage für wenige Tage vom Netz genommen worden, weil es Probleme beim Kohlenachschub gab.

Auch auf Pflanzen und Tiere wirkt sich die monatelange Dürre im Flussgebiet aus und schränkt zum Beispiel Vögel wie Kiebitze oder Uferschnepfen entlang des Rheins ein. „Grundsätzlich ist ein niedriger Wasserstand ein normaler Zustand“, sagt Biologe Thomas Chrobock vom NABU. „Der Lebensraum für Tiere und Pflanzen wird durch die Trockenheit aber viel geringer, und sie müssen ihn sich mit der Schifffahrt oder Anglern teilen.“ Für die Tiere werde es schwer, Nahrung zu finden, die Brut fiel in diesem Jahr geringer aus als üblich. Auch die Wurzeln von Pflanzen in Ufergebieten hätten Probleme gehabt, genügend Wasser aufzusaugen.

Etwas Entwarnung gibt es hingegen bei den Fischen: „Der wichtige Sauerstoff-Gehalt im Rhein ist durch eine kühlere Wasser- und Lufttemperatur wieder gestiegen“, sagt Chrobock. Das Fischesterben, das Umweltverbände im Sommer noch befürchtet hatten, sei ausgeblieben, heißt es beim Rheinischen Fischereiverband.

Seit Monaten sorgt die Dürre nicht nur für extremes Niedrigwasser, sondern auch und für immer leerer werdende Talsperren in NRW. Im Sauerland sind die Reservoirs derzeit nur rund zur Hälfte gefüllt. Zu dieser Jahreszeit haben sie so wenig Wasser wie seit den 1970er Jahren nicht mehr, sagte eine Sprecherin des Ruhrverbandes. „Die Ruhr wäre in Teilen komplett trockengelaufen, wenn sie nicht mit Wasser versorgt worden wäre“, sagte die Sprecherin.

Und zunächst machen die Wetterexperten keine Hoffnung, dass sich die Lage in den kommenden Tagen entspannen könnte: Bis zum Montag werde es entlang des Rheins nicht regnen, sagte der Meteorologe Martin Schönebeck vom Deutschen Wetterdienst in Essen.

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